Berend Feddersen | Friedemann Nauck

Was heißt was, wieso, weshalb, warum?

ACP ermöglicht Menschen die Auseinandersetzung mit künftigen Behandlungsentscheidungen
ACP ermöglicht Menschen die Auseinandersetzung mit künftigen Behandlungsentscheidungen , Foto © Dorothea Seitz-Bahro

Berend Feddersen | Friedemann Nauck

Im Dschungel der deutschen Übersetzungen von Advance Care Planning

Seit 2015 bietet das Hospiz- und Palliativgesetz die Möglichkeit, dass in Deutschland eine gesundheitliche Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase in der stationären Alten- und Eingliederungshilfe vergütet wird. Solche Versorgungsplanungen gibt es international unter dem Begriff des Advance Care Planning (ACP).

ACP ist ein mehrzeitiger Kommunikationsprozess zwischen Individuen, ihren gesetzlichen Vertretern und ihren Behandelnden und Betreuenden. Er verfolgt das Ziel, dass die Menschen so behandelt werden, wie sie das wollen, auch wenn sie selbst nicht (mehr) über ihre Behandlung entscheiden können. Es soll ihnen die Möglichkeit gegeben werden, mögliche künftige Behandlungsentscheidungen zu verstehen, zu überdenken, zu erörtern und vorauszuplanen. Damit der vorausverfügte Behandlungswille auch umgesetzt werden kann, muss dieser anwendungstauglich dokumentiert werden. Es braucht zusätzlich eine institutionelle Implementierung (interne Vernetzung auf Einrichtungsebene) und eine regionale Implementierung (externe Vernetzung zu denen, die diese Dokumente umsetzen müssen) (in der Schmitten et al., 2016).
Definition von ACP
In der Konsensus Definition von ACP aus dem Jahr 2017 heißt es: „Advance Care Planning ermöglicht Individuen, die einwilligungsfähig sind, ihre Werte zu ermitteln, die Bedeutung und Konsequenzen von schweren Krankheitsszenarios zu reflektieren, Ziele und Präferenzen für zukünftige medizinische Behandlung und Versorgung zu definieren und diese mit der Familie und Gesundheitsversorgern zu diskutieren. ACP adressiert die Belange der Individuen in den physischen, psychologischen, sozialen und spirituellen Bereichen. Es ermutigt Individuen einen rechtlichen Vertreter zu finden und die Präferenzen aufzuschreiben und regelmäßig zu überdenken, so dass ihre Präferenzen berücksichtigt werden können, sollten sie zu irgendeinem Zeitpunkt nicht mehr in der Lage sein, selbst zu entscheiden (Rietjens et al., 2017).
Namen internationaler ACP-Programme
In verschiedenen Ländern wurden Programme entwickelt, um ACP umzusetzen. Diese wurden für das bessere Verständnis meist mit einem Eigennamen belegt, welcher möglichst griffig, leicht verständlich und anschaulich das Ziel von ACP verdeutlichen sollte. So entstand seit den 1990er-Jahren das Programm „Respecting Choices in den USA und auf dieses Konzept aufbauend z.B. „Respecting Patient Choices (Australien), „Living Matters (Singapur) oder „Our voice (Neuseeland) (Coors et al., 2015). Das erste Programm in Deutschland trug den Namen „beizeiten begleiten (in der Schmitten et al., 2014).
In den einzelnen Namen drückt sich vor allem der Wunsch aus, dass die Patientenautonomie im Mittelpunkt steht, respektiert wird und zur Klärung der Behandlungswünsche eine rechtzeitige Begleitung, möglichst im Voraus, stattfinden soll. Die Vorausplanung und die Kommunikation hierüber finden sich auch in dem Namen des österreichischen Programms „Vorsorgedialog wieder. In der Schweiz wurde ACP nicht übersetzt, sondern der englische Name des Programms um die medizinische Begleitung erweitert: „Advance Care Planning medizinisch begleitet.
Versuche einer deutschen Übersetzung von ACP
In Deutschland wurde Ende 2015 das Hospiz- und Palliativgesetz durch den Bundestag verabschiedet. Es bestand der klare Wunsch von Seiten der Politik, dass es für ACP eine deutsche Übersetzung geben sollte. Der § 132g SGB V regelt in diesem Gesetz eine „gesundheitliche Versorgungsplanung. In der entsprechenden Rahmenvereinbarung heißt es: „Die gesundheitliche Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase () lehnt sich an das internationale Konzept des ‚Advance Care Planning (ACP) an (Rahmenvereinbarung 132g). Beispiele für eine deutsche Übersetzung von ACP sind „gesundheitliche Versorgungsplanung, „vorausschauende Versorgungsplanung, „Vorausplanung der...
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aus: pflegen Palliativ Nr. 42 / 2019

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