Was haben 15 Jahre Demenz & Migration gebracht?

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Rück- und Ausblicke mit subjektiven Einschätzungen

Seit ungefähr 15 Jahren wird das Thema Demenz & Migration diskutiert und bearbeitet. Was hat sich seit damals entwickelt, was ist geblieben, wie sieht die Situation heute aus? Der ehemalige Leiter des Demenz-Servicezentrums für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte Reinhard Streibel zieht Bilanz.

Die Begriffe Alzheimer und Demenz sind in der Gesellschaft mittlerweile erheblich etablierter als das vor 15 Jahren der Fall war. Es gibt Themenwochen im Fernsehen, Spielfilme, die Menschen mit dementiellen Erkrankungen thematisieren, selbst Apotheken, der Bäcker von nebenan, Banken und Sparkassen haben dieses Thema für sich erkannt und stellen sich auf Kunden ein, bei denen sie den Verdacht haben, dass sich da bei ihnen etwas verändert hat.
Für die spezielle Zielgruppe dementiell erkrankter Migrantinnen und Migranten gilt das so leider nicht. Auf der einen Seite wird geforscht; Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten behandeln dieses Thema. Es ist zum Bestandteil von Unterricht, Lehrplänen und Ausbildung von Alten- oder Gesundheits- und Krankenpflegenden geworden. Auch Kranken- und Pflegekassen haben ihren Auftrag erkannt und viele deutsch- wie muttersprachliche Informationsmaterialien herausgegeben, wie man zum Beispiel der empfehlenswerten Internetseite http://www.demenz-und-migration.de, einem Portal der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. entnehmen kann. Das ist gut und sicherlich eine gute Basis für weitere Entwicklungen.
Aber faktisch hat sich das Leben von Familien mit dementiell veränderten Menschen nicht sehr geändert. Bei einer Sichtung der Versorgungslandschaft findet man größtenteils heute immer noch dieselben Einrichtungen und Träger, die sich bereits seit vielen Jahren des Themas angenommen und ambulante, teilstationäre und stationäre Versorgungsangebote aufgebaut haben. Türkisch-, russisch- oder polnischstämmige Alten- und Krankenpflegekräfte haben ambulante Pflege- und Betreuungsdienste aufgebaut, die von den Familien so gut angenommen werden, dass sie seit vielen Jahren boomen.
Exkurs: Vorsicht vor betrügerischen Pflegediensten
An dieser Stelle muss leider auf die Entwicklung organisierter Kriminalität hingewiesen werden. Betrügerische ambulante Pflegedienste verdienen Geld durch falsche Abrechnungen mit Kranken- und Pflegekassen. Seit 2016/2017 sind Täter aus Russland oder der Ukraine ins Visier der Staatsanwaltschaften geraten. Die Süddeutsche Zeitung berichtete am 30.05.2017 in ihrer online-Ausgabe: „,Da geht es mit Sicherheit um Millionen, sagt Hermann Imhof, der Patienten- und Pflegebeauftragte der Staatsregierung, und weiter: „Die Zahl der Verdachtsfälle steigt nach Angaben der AOK Bayern aktuell in beachtlichem Ausmaß: ,Bei uns kommen mit steigender Tendenz wöchentlich Meldungen über auffällige Abrechnungen von ambulanten Diensten rein, heißt es dort. Etliche davon beträfen Pflegedienste, die von Ukrainern, Russen und Kasachen betrieben würden. Unter diesen gebe es neben den seriösen eben auch solche, die ,mafiös ausgeprägt seien, sagt Imhof. Seine Einschätzung deckt sich mit jener des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen, das Anfang Mai einen Bericht über deutschlandweit agierende kriminelle Netzwerke herausgegeben hat. In diesem Abschlussbericht Curafair ist von Anhaltspunkten ,für das Bestehen einer gewerbs- und bandenmäßigen Begehungsweise die Rede, in denen es um Geldwäsche, Betrugs- und Steuerdelikte im Pflegebereich geht.3
Den zahlreichen seriösen Pflege- und Versorgungsangeboten für die Zielgruppe wird dadurch natürlich ein Bärendienst erwiesen und es gibt einen unzuträglichen Generalverdacht gegenüber diesen Einrichtungen.
Braucht man spezielle Angebote?
Ich erlebe nunmehr seit mehr als 15 Jahren, dass immer wieder die Frage nach der Notwendigkeit besonderer oder spezieller Angebote für dementiell erkrankte Migrantinnen und Migranten gestellt wird. Warum spezielle Angebote? Warum reichen die bestehenden...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Demenz Nr. 47 / 2018

Herausforderung Migration

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: Demenz" Praxis