Katja Goudinoudis

Unzureichend umgesetzt

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Katja Goudinoudis

Ist die Häusliche Krankenpflege-Richtlinie 24a eine „bürokratische Totgeburt?

Mit dem Hospiz- und Palliativgesetz hat Ende 2015 eine neue Leistung Einzug in denKatalog der häuslichen Krankenpflege gehalten: Symptomkontrolle bei Palliativpatientinnenund -patienten (Nr. 24a). Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin kritisiert dieunzureichende Umsetzung und den Ausgang des Schlichtungsverfahrens.

Die HKP-RL 24a soll die ärztliche Behandlung sowie die behandlungspflegerischen Leistungen in der Häuslichkeit bei sterbenden Menschen mit einem palliativen Versorgungsbedarf sicherstellen, solange keine Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV) indiziert ist. Sie ist als Komplexleistung gedacht, sodass hier keine Einzelleistungen abgerechnet werden müssen.
Die Leistung umfasst „Symptomkontrolle bei Palliativpatientinnen oder Palliativpatienten in enger Abstimmung mit der verordnenden Ärztin oder dem verordnenden Arzt
  • insbesondere bei Schmerzsymptomatik, Übelkeit, Erbrechen, pulmonalen oder kardialen Symptomen, Obstipation
  • Wundkontrolle und -behandlung bei exulzerierenden Wunden
  • Krisenintervention, z.B. bei Krampfanfällen, Blutungen, akuten Angstzuständen (G-BA, 2017).
Dabei umfasst die Leistung „sowohl das Erkennen, das Erfassen als auch das Behandeln von Krankheitszeichen und Begleiterscheinungen. (G-BA, 2017).
Qualifikation nicht ausreichend festgeschrieben
Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) hat mehrfach darauf hingewiesen, dass die Erbringung und damit die Abrechnungsmöglichkeit dieser Leistung unbedingt an zusätzliche Qualifikation der Pflegefachpersonen geknüpft werden muss, da sonst die Sicherstellung der ärztlichen Behandlung in der häuslichen Umgebung bei den genannten Symptomkomplexen gefährdet ist (DGP, 2019).
Da schon bez. der Qualifikation der Pflegefachpersonen die Leistungserbringer untereinander keine Einigung erzielen konnten, stockten die Verhandlungen zu verbindlichen Rahmenbedingungen mit den Kostenträgern in Bayern, sodass eine Schlichtung angerufen wurde. Mit großem Bedauern der DGP wurde folgender Schiedsspruch erlassen:
„Für die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit der Leistung Symptomkontrolle bei Palliativpatientinnen und Palliativpatienten () ist die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflege, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege sowie Altenpflege und zusätzlich eine zweijährige Berufserfahrung Vollzeit ausreichend (protokolliert durch die Schiedsperson Dr. Maximilian Gaßner am 18.07.2019 (DGP, 2019).
In der Begründung des G-BA wird darauf verwiesen, dass notwendige Qualifikationen schon in der Berufsausbildung vermittelt werden und Inhalte der Palliative-Care-Zusatzausbildung Bestandteil im Ausbildungscurriculum seien. Zudem wird angegeben, dass auch bisher die Leistung ohne Defizite erbracht wurde.
Bedenken der DGP
Die DGP äußerte „große Bedenken, dass durch fehlende palliativpflegerische Qualifikation die Palliativversorgung, insbesondere die Leistung 24a der HKP-RL, nicht in der Intention des Gesetzgebers weiterentwickelt wird. () Wäre es so, wie es der Schiedsspruch postuliert, bräuchte es keine Stärkung (DGP, 2019). Hier sei auf keinen Fall unterschlagen, dass es zahlreiche engagierte Kolleginnen und Kollegen sowie auch Dienste gibt, die sich freiwillig und sehr umfassend fortbilden und sicher über die benötigte Qualifikation verfügen, aber dadurch eben keinesfalls eine Flächendeckung bieten, die unbedingt für vergleichbare Qualität in der Versorgung notwendig ist.
Nach Auffassung der DGP „reicht die bisherige Ausbildung nicht aus, um Symptomlinderung zu gewährleisten. () Eine Änderung ist im Rahmen der Umsetzung der Ausbildungsreform ab dem 01.01.2020 zu erwarten. Hier sind verbindlich Kompetenzen genannt, die curricular den Schülern vermittelt werden sollen. Erst dann kann von vergleichbaren Kompetenzen ausgegangen werden, die in der Praxis Anwendung finden (DGP, 2019)....
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 45 / 2020

Krebs

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: palliativ" Grundlagen