„Scheiße!“ darf man nicht sagen

Verdauungsbeschwerden und Probleme mit dem Stuhlgang sind immer wiederkehrende Themen in der Pflege. Foto: © Birgit Kolmer
Verdauungsbeschwerden und Probleme mit dem Stuhlgang sind immer wiederkehrende Themen in der Pflege. Foto: © Birgit Kolmer, Foto: © Birgit Kolmer

Stuhlgang als pflegerische Herausforderung

Wie kommt es bei Senioren zu Problemen rund um das Thema Stuhlgang? Wie kann man diese Probleme verhindern und wie geht man als Pflegekraft damit um, wenn doch einmal etwas „daneben geht? JOHANNES VAN DIJK, Fachreferent für DCM und Gerontopsychiatrie, widmet sich diesen Fragen, schildert Fälle aus der Praxis und zeigt Lösungswege auf.

Als Pflegekraft hatte ich oft mit den Folgen von Stuhlgang zu tun. Ich beseitigte die teilweise große Verschmutzung, die entstand, als Bewohner ihren Stuhlgang verschmierten, nahm das als unangenehmes „Pech-gehabt hin und hoffte, dass es mich nicht zu oft trifft. Ich und meine Kollegen redeten darüber, beispielsweise mit Angehörigen, nicht gern. Sowie uns Stuhlgang durch Geruch und Anblick, als Ekel-erregend unangenehm war, mochten wir das Thema ungern erneut ansprechen und ins Bewusstsein hervorrufen. Dies machte es zum Tabu-Thema.
Auch im „normalen Leben ist es ein Thema, über das „man nicht gern offen spricht. Probleme mit Stuhlgang können mit und ohne Demenzerkrankung die Alltagsbewältigung stark stören. Sowohl über Schwierigkeiten durch Verschmieren von Stuhlgang als über die Wichtigkeit, einen ungestörten Stuhlgang zu fördern, und die Probleme dabei, möchte ich im Folgenden berichten.
Auch ohne „Schmieren ist „Stuhlgang ein Thema, das vor allem beachtet wird, wenn es dadurch gesundheitliche Probleme gibt. Meistens ist das Verstopfung. Circa 30% der über 65-Jährigen und etwa 40% der Älteren im Pflegeheim sind betroffen. Je älter, umso stärker (Füsgen, 2017).
Ursachen der Verstopfung
Füsgen nennt Ursachen für eine Verstopfung: Alterungsbedingte körperliche Veränderungen, möglich in Kombination mit Folgen verschiedener Krankheitsbildern. Verstopfung kann eine Nebenwirkung der oft vielen Medikamente, die ältere Menschen bekommen, sein. Auch veränderte Ernährungsgewohnheiten, eine eingeschränkte Beweglichkeit und last but not least „Umgebungseinflüsse (zum Beispiel mangelnde Hilfe beim WC-Gang) können eine „funktionelle Obstipation („verdrücken) verursachen. Füsgen fasst die Problematik zusammen: „Grundsätzlich ist der Zusammenhang sehr einfach: Die Alten essen nicht mehr viel, trinken zu wenig, bekommen mehr Medikamente und dann kommt es zu Verstopfungen. Das ist im Prinzip sehr einfach, wird aber zu wenig beachtet.
Wenig Bewegung, wenig trinken, ungesunde Ernährung, eine fremde Umgebung, fremde Toiletten und ein anderer Tagesablauf können bewirken, dass auch jüngere und gesunde Personen „aus dem eigenen Rhythmus kommen. Wo wir sonst täglich einen „guten-ungestörten Stuhlgang haben, kommt es zum Beispiel im Urlaub vor, dass wir erst nach drei Tagen abführen können. Wenn der Stuhlgang anfängt, zu drücken, sehnen wir uns danach, dass etwas kommt. Wir machen uns zunehmend Sorgen und bekommen Angst. Es drückt unsere Stimmung und gute Laune. Es kommt große Erleichterung und Freude auf, wenn es wieder geht.
Die Aufnahme in einer Altenpflege-Einrichtung bringt Menschen auch aus dem „Tages-Rhythmus. Bei Personen, die die Toilette noch selbst finden und ohne Hilfe von Anderen benutzen können, werden sich eventuelle Stuhlgang-Probleme meistens nach einigen Tagen wieder legen.
Probleme, die entstehen, wenn Menschen mit eingeschränkter Orientierung und/oder Mobilität für den Toilettengang von Hilfe anderer Personen abhängig sind, werden im Fallbeispiel von Franz Müller* geschildert.
Praxisbeispiel: Franz Müller* ist aus dem Rhythmus
Praxisbeispiel: Franz Müller* ist aus dem Rhythmus
Franz Müller*, 84 Jahre alt, wacht um 8.00 Uhr auf, wird von zwei Personen zu Fuß zur Toilette gebracht, ihm wird bei der Körperpflege und beim Anziehen geholfen, und dann wird er ins Wohn-Esszimmer zum Frühstück begleitet. Er isst, wie zuhause, Müsli, und trinkt Kaffee. Zuhause wurde er danach zur Toilette gebracht, weil er angeregt durch Müsli oder Kaffee einen Andrang zum Abführen spürte. Auf der Toilette kam dann...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Demenz Nr. 46 / 2018

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