Friedemann Nauck | Jürgen in der Schmitten | Berend Feddersen | Georg Marckmann

Regionale Strategie erforderlich

Für den BVP-Prozess ist eine enge Vernetzung aller Beteiligten in einer Region sinnvoll
Für den BVP-Prozess ist eine enge Vernetzung aller Beteiligten in einer Region sinnvoll, Abbildung © Berend Feddersen

Friedemann Nauck | Jürgen in der Schmitten | Berend Feddersen | Georg Marckmann

Implementierung von Behandlung im Voraus planen

Seit Jahren wird auch in Deutschland um eine bessere Etablierungvon zuverlässigen und wirksamen Patientenverfügungen gerungen. DerGesetzgeber verabschiedete daher im Rahmen des Hospiz- und Palliativgesetzes(HPG) Ende 2015 den neuen § 132g im Sozialgesetzbuch V mit dem Angebot einer„Gesundheitlichen Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase.

Die Gesundheitliche Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase lehnt sich an das international seit den 90er-Jahren eingeführte Advance-Care-Planning-Konzept (ACP) an, für das sich mittlerweile die deutsche Bezeichnung „Behandlung im Voraus Planen (BVP) etabliert hat (Nauck et al., 2018) (siehe Beitrag Feddersen & Nauck; Beitrag Loupatatzis).
Spezifisch qualifizierte Gesundheitsfachpersonen sollen Menschen dabei unterstützen, eine wohlinformierte Entscheidung über mögliche zukünftige Behandlungssituationen zu treffen, sodass Patienten in einer gesundheitlichen Krise auch dann so behandelt werden, wie es ihrem Willen entspricht, wenn sie sich aktuell selbst nicht (mehr) dazu äußern können (in der Schmitten et al., 2016; Rietjens et al., 2017).
Behandlung im Voraus planen (BVP) ist ein systematischer Gesprächsprozess als Grundlage valider und wirksamer Patientenverfügungen und umfasst neben medizinischen auch pflegerische, psychosoziale und seelsorgerliche Aspekte.
Wer profitiert von dieser Gesetzgebung zur gesundheitlichen Versorgungsplanung?
In erster Linie profitieren Bewohnerinnen und Bewohner von Einrichtungen der vollstationären Pflege bzw. der Eingliederungshilfe. Auch das Pflegepersonal der Einrichtungen profitiert davon, dass der Patientenwille ins Zentrum gerückt wird. Dadurch werden weniger unnötige oder von Bewohnerinnen/ Bewohnern nicht gewollte Notarzteinsätze erfolgen und seltener nicht (mehr) indizierte oder unerwünschte Behandlungen durchgeführt. Dazu bedarf es jedoch einerseits einer ausreichend hohen Qualifikation von Gesprächsbegleitern (siehe Beitrag Stanze, S. 23) und andererseits einer regionalen Implementierung, die dazu beiträgt, dass das Konzept verstanden, akzeptiert und regional möglichst einheitlich umgesetzt wird.
Voraussetzungen für die regionale Umsetzung
Der GKV-Spitzenverband hat die konkrete Umsetzung des § 132g mit den Trägerverbänden der Einrichtungen vereinbart (siehe Beitrag Tolmein). Diese Bundesvereinbarung regelt unter anderem die Vergütung (siehe Beitrag Schneider), die Anforderungen an die Qualifikation der Gesprächsbegleiter (siehe Beitrag Petri; Beitrag Stanze) sowie die Durchführung und Dokumentation der Gespräche.
Aufgabe der Gesprächsbegleiter soll neben der Beratung der Bewohnerinnen und Bewohner sowie deren An- und Zugehörigen und rechtlichen Vertretern − Vorsorgebevollmächtigte und/oder Betreuer − laut §§ 11 und 12 der Bundesvereinbarung auch die interne bzw. externe Vernetzung sein. Damit wird von ihnen erwartet, neben der Kernaufgabe der Gesprächsbegleitung nicht nur die Koordinierung innerhalb der teilnehmenden Einrichtungen zu übernehmen, sondern auch die mit allen weiteren betroffenen Institutionen und Akteuren wie
  • den betreuenden Hausärztinnen/Hausärzten und Spezialisten
  • dem Kassenärztlichen Notdienst
  • dem Personal von Rettungsdienst und Krankenhäusern der Region
  • sowie den dringend einzubindenden Mitarbeitenden der ambulanten Hospiz- und Palliativdienste.
Diese Netzwerkarbeit mit den hier genannten Akteuren stellt eine besondere Herausforderung im Rahmen der regionalen Implementierung von BVP dar (siehe Beitrag Stanze).
Umsetzung der Gesprächsbegleitung
Die Leistungen der Gesprächsbegleiter können nach § 7 Abs.  2 der Bundesvereinbarung in drei unterschiedlichen Varianten erbracht werden:
  • durch das qualifizierte eigene Personal der Einrichtung
  • durch das qualifizierte Personal des Einrichtungsträgers oder
  • in Kooperation mit externen regionalen...
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aus: pflegen Palliativ Nr. 42 / 2019

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