Michaele hach, Katja Goudinoudis, Christine Klimsch, Gabrielle Müller-Mundt

Pflege schließt Sterbebegleitung mit ein

© Halfpoint/stock.adobe.com

Michaele hach, Katja Goudinoudis, Christine Klimsch, Gabrielle Müller-Mundt

Die im Sozialgesetzbuch Elf (SGB XI) durch das Hospiz- und Palliativgesetz (HPG, 2015) eingefügte Klarstellung „Pflege schließt Sterbebegleitung mit ein (§ 28 Abs.5) wird zunehmend ein deutlicher Bestandteil von Rahmenverträgen der vollstationären pflegerischen Versorgung gemäß der Sozialen Pflegeversicherung (§ 75 Abs. 1 SGB XI.).
Inzwischen sind Pflegeheime durch neue Rahmenverträge aufgefordert, geeignete Rahmenbedingungen für ein würdevolles selbstbestimmtes Abschiednehmen und Sterben in einem Konzept darzulegen. Dies soll u.a. auf folgende Punkte eingehen:
  • Wie kann eine möglichst hohe Lebensqualität in der Sterbephase erreicht werden?
  • Wie wird kompetente und einfühlsame Unterstützung, Information und Beratung sowie Begleitung bei der Gestaltung und Bewältigung eines individuellen und würdevollen Sterbeprozesses für pflegebedürftige Menschen und Angehörige gesichert?
  • Wie wird ein fachlich adäquater Umgang mit Begleiterscheinungen des Sterbeprozesses z.B. Angstzustände, Verwirrtheit und  /oder Delir mit dem Ziel gewährleistet, dem Sterbenden ein weitestgehend angstfreies und würdevolles Sterben zu ermöglichen?
  • Bestehen Angebote zur Information zu einer Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht?
  • Wie wird gewährleistet, dass behandelnde Ärzte und Ärztinnen durch das Pflegeheim proaktiv auf Symptome hingewiesen werden, die ggf. durch palliative Versorgung gelindert werden können?
  • Wie stellt sich die jeweilige gelebte Abschiedskultur im Pflegeheim dar, die einen respektvollen Umgang aller in den unterschiedlichen Bereichen tätigen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden mit dem sterbenden bzw. verstorbenen pflegebedürftigen Menschen und seinen Angehörigen erfordert?
  • Wie werden vorhandene regionale Strukturen für die Sterbebegleitung genutzt und eingebunden?
  • Wird für eine verbesserte palliativmedizinische und -pflegerische Versorgung die Zusammenarbeit mit Hospizdiensten oder Hospiz- und Palliativnetzwerken oder Anbietern der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) in der Region bedarfsgerecht angeboten und genutzt?
  • Wie und in welchem Rahmen werden ethische Fallbesprechungen mit den daran zu beteiligenden Personen bei Bedarf angeboten?
Erweiterte Vereinbarungen treffen
Zusätzliche erweiterte Vereinbarungen zur Sterbebegleitung und zu Palliative Care, die als gesonderte besondere Leistungen zur Sterbebegleitung und zu Palliative Care vereinbart werden können, sind ebenfalls möglich. Hierdurch entstehende Mehrkosten sollen in den pflegebedingten Aufwendungen in der jeweiligen Pflegesatzvereinbarung separat ausgewiesen werden.
Wichtiger und zentraler Bestandteil in den erweiterten Vereinbarungen ist die Vorhaltung von zusätzlichem hauptamtlichem Personal, sogenannten Palliative-Care-Beauftragten. Diese müssen eine Zusatzqualifikation in Palliative Care entsprechend dem derzeit 160 Stdn. umfassenden „Basiscurriculum Palliative Care (DGP) nachweisen. Aufgaben sind u.a.
  • die konzeptionelle Verankerung sowie Erarbeitung und Pflege von Einrichtungsstandards von Palliative Care und Sterbebegleitung in der Einrichtung
  • die Förderung der Vernetzung aller inneren und äußeren Ressourcen
  • die Funktion als Ansprechpartner für alle Fragen der Sterbebegleitung und Abschiedskultur
  • die Koordination der internen Abläufe als auch der von außen in die internen Abläufe dazu kommenden Akteure.
Dies ist ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Versorgung von schwerstkranken und sterbenden Menschen in Pflegeeinrichtungen. Es bleibt zu hoffen, dass diese ersten Beispiele auch in weiteren Rahmenverträgen der vollstationären pflegerischen Versorgung Zugang finden werden.
Katja Goudinoudis
Michaela Hach
Christine Klimsch
Gabriele Müller-Mundt
kontakt@michaela-hach.de
pflegen Palliativ
Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Weiterlesen im Heft

Ausgabe kaufen

pflegen Palliativ abonnieren und digital lesen!
  • Exklusiver Online-Zugriff auf Ihre digitalen Ausgaben
  • Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
  • Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen

Zeitschrift abonnieren

Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 39 / 2018

Kommunizieren

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: palliativ" Grundlagen