Begleitung von trauernden Angehörigen in Zeit des Coronavirus

Palliativversorgung – Veränderte Rahmenbedingungen für Trauernde

Für viele trauernde Angehörige ist eine große Trauerfeier für ein verstorbenes Familienmitglied wichtig. Eine Feier mit vielen Menschen nach der Bestattung hilft ihnen, den Trauerprozess zu durchlaufen. Durch das derzeitige Kontaktverbot ist eine Zusammenkunft in dieser Art jedoch nur eingeschränkt möglich. Pflegefachpersonen können trauernden Angehörigen in dieser Zeit beratend zur Seite stehen. Empfehlungen dazu und Hinweise zur Bestattung finden Sie im Beitrag.

Soll die Bestattung aufgeschoben werden?
Palliativpflegende können trauernden Angehörigen beratend zur Seite stehen. Besonders in dieser unsicheren Zeit sind Fachwissen und Empathie gefragt. © Elena Dijour/Shutterstock.com

Trauerbedingungen haben sich verändert – Bestattungen im kleinen Kreis

Freunde treffen, Familienbesuche oder einfach unter Leute gehen und Veranstaltungen besuchen –das alles kann beim Durchlaufen des Trauerprozesses hilfreich sein, ist aber durch die derzeitige Situation nur eingeschränkt möglich. Auch eine große Trauerfeier kann für viele Hinterbliebene trostsspendend sein oder ist vielleicht ein Wunsch des verstorbenen Angehörigen gewesen. Eine Bestattung ist zwar von Kontaktverbot ausgenommen, dennoch gibt es Einschränkungen. Der Bundesverband Deutscher Bestatter e.V gibt dazu Hinweis auf seiner Homepages und rät dazu, über Alternativen nachzudenken: Nach Möglichkeit kann eine Videoaufzeichnung oder Onlineübertragung der Bestattung erfolgen und die große Trauerfeier kann auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Bereits in der Traueranzeige könnte auf diesen Umstand aufmerksam gemacht werden (W1)

Verschiebung der Bestattung 

Sollten trauernde Angehörige eine Verschiebung der Bestattung wünschen, sind die unterschiedlichen Richtlinien der Bundeländer zu beachten. Dabei ist ein Hinauszögern von vier Wochen bis zu sechs Monaten möglich (W2).

Empfehlungen für die Selbstsorge trauernder Angehöriger

Pflegende in der Palliativversorgung begleiten und betreuen Patientinnen und Patienten in palliativen Situationen und häufig auch deren Angehörige. Was Pflegende den Trauernden in der aktuellen Situation raten können, haben Heidi Müller, Hildegard Willmann, Ruthmarijke Smeding, Urs Münch und Birgit Wagner auf dem Portal www.gute-trauer.de zusammengefasst:

Telefon, SMS, WhatsApp und andere Kanäle: Telefonate sollten genauso wertvoll bewertet werden wie persönliche Kontakte. Melden sich Angehörige oder Freunden nicht, sollte die Initiative ergriffen werden. Die aktuelle Lage kann hier zu Verunsicherungen führen und der Grund für einen fehlenden Anruf sein. Außerdem sind Anfragen zu einer Verabredungen für ein Telefonat hilfreich. Dabei sollte die Zeit auf 10–15 Minuten täglich beschränkt werden, um eine gegenseitig Überforderung auszuschließen.

Empfehlungen im Detail:

  • Es gibt keine falsche Trauer: Jede/r sollte so trauern, wie sie/er es für richtig hält. Auf Suchtmitte sollte aufgrund der eigenen Gesunderhaltung verzichtete werden.
  • Kontakte pflegen: Der telefonische Kontakt zu Freunden und Angehörigen sollte aufrechterhalten werden.
  • Einmal täglich: Eine vertraute Person sollte wenigstens einmal am Tag angerufen werden.
  • Soziale Medien: Verschiedene soziale Netzwerke können als Plattform zum Austausch von Gefühlen und Erfahrungen dienen.
  • Essen und Trinken: Die Verarbeitung des Verlustes von einem geliebten Menschen ist anstrengend. Für ein ausreichendes Energielevel sollten regelmäßige Mahlzeiten eingenommen werden.
  • Routinen und Nachtpläne schaffen: Feste Zeiten für das Aufstehen, das Essen und den Sport können Strukturen schaffen. Pläne für nächtliches Wachliegen können das Grübeln stoppen. So kann ein Buch lesen oder Musik hören das wieder einschlafen begleiten. Auch das Anrufen bei einer Telefonseelsorge kann in Krisenmomenten helfen.
  • Kinder mitwirken lassen: Auch Kinder steht eine Zeit zum Trauern zu. Eltern sollten mit ihren Kindern über die Situation sprechen und ihnen ihre Gefühle mitteilen, so dass auch die Kinder einen Trauerprozess durchlaufen können.
  • Bewusster Nachrichtenkonsum: Nachrichten in Zeiten von Corona über (eventuelle) Einschränkungen, immer mehr infizierte Menschen und Hamsterkäufe können Personen im Trauerprozess zusätzlich belasten. An dieser Stelle sollte über einen eingeschränkten bzw. bewusst ausgewählten Nachrichtenkonsum nachgedacht werden.

(vgl. W3)

Die Plattform www.gute-trauer.de wird von der Verbraucherinitiative Aeternitas betrieben. Auf ihr werden Informationen zur Trauer und Trauerbegleitung bereitgestellt sowie Anlaufstellen aufgelistete. Als professionell Pflegende in der Palliativversorgung können diese Empfehlungen auch für Sie in der Begleitung und Beratung trauernder Angehöriger hilfreich sein.

Weiterführende Informationen

Empfehlungen des RKI zum Umgang mit COVID-19 Verstorbenen

Quellen

W1: https://www.bestatter.de/presse/aktuelles/artikel/update-bestattung-und-trauerfeiern-in-zeiten-der-corona-krise/ (eingesehen am 26.03.2020)

W2: https://www.gute-trauer.de/inhalt/meldungen/artikel/2020_03_23__12_05_17 (eingesehen am 26.03.2020)

W3: https://www.gute-trauer.de/inhalt/trauern-in-aussergewoehnlichen-zeiten/2020_03_23 (ingesehen am 25.03.2020)

Fakten zum Artikel
Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: palliativ" Praxis