Elisabeth Krull

Mein Leben bis zuletzt

Gesprächsbegleitung will gelernt sein – auch der Austausch mit Kolleginnen in Seminaren und bei Vorträgen hilft
Gesprächsbegleitung will gelernt sein – auch der Austausch mit Kolleginnen in Seminaren und bei Vorträgen hilft, Foto © Elisabeth Krull

Elisabeth Krull

Planung, Durchführung und Reflexion von BVP-Gesprächen

Menschen bei Vorausverfügungen zu begleiten, hat weitreichende Konsequenzen für die Verfügenden. Gesprächsbegleiterinnen und -begleiter brauchen eine fundierteAusbildung und persönliche Eignung. Und die Gespräche müssen gut vor- und nachbereitet werden.

Das Konzept „Behandlung im Voraus planen (BVP) ermöglicht Pflegenden und Angehörigen anderer Berufe, Menschen bei Vorausverfügungen zu begleiten, ihnen zu helfen, sich ihrer Wünsche bewusst zu werden und zu äußern. Diese Wünsche werden dann für verschiedene Behandlungssituationen dokumentiert.
Diese verantwortungsvolle Aufgabe erfordert neben entsprechender Eignung und Ausbildung die Bereitschaft, sich auf die zu Begleitenden und die sie Vertretenden einzulassen. Nur eine wertschätzende Haltung der gesprächsbegleitenden Person, Vertrauen und Zuversicht bezüglich der individuellen Kompetenzen und Ressourcen der Vorausverfügenden, echtes Interesse am Menschen und die Fähigkeit und Bereitschaft, sich einzufühlen, ermöglichen eine individuell zu gestaltende Beziehung im Gesprächsprozess.
Gesprächsvorbereitungen
Bei der Vorbereitung auf ein BVP-Gespräch kann es hilfreich sein, Informationen einzuholen
  • zur aktuellen sozialen Situation: Familienstand, soziales Netz, Wohnsituation
  • zum gesundheitlichen Zustand: chronische und lebenslimitierende Erkrankungen, Behinderungen, mögliche oder zu erwartende Komplikationen, Lebenserwartung usw.
  • zur aktuellen Lebenssituation.
Mit Zustimmung der Vorausverfügenden kann ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt geführt werden. Die Informationen können dazu beitragen, Entscheidungen zu verstehen und nachzuvollziehen. Gegebenenfalls lassen sich so auch unrealistische Vorstellungen, Hoffnungen und Erwartungen erkennen (siehe Praxisbeispiel 1).
PRAXISBEISPIEL 1 : Kein Krankenhaus
PRAXISBEISPIEL 1 : Kein Krankenhaus
Horst Meier*, 78 Jahre, hat um ein BVP-Gespräch gebeten. Er lebt im Seniorenheim, seine Frau ist erst vor Kurzem verstorben. Sie wurde noch kurz vor ihrem Tod ins Krankenhaus eingewiesen. Herr Meier kommt während des BVP-Gesprächs immer wieder auf die seiner Ansicht nach vermeidbare Krankenhauseinweisung zurück.
Zu Beginn des Gesprächs bekommt Herr Meier Gelegenheit, die Situation und sein Empfinden darzustellen. Seine persönlichen Erfahrungen und die damit verbundenen Gefühle werden vom Gesprächsbegleiter empathisch wahrgenommen und wertgeschätzt. Danach wird Herr Meiers Willen klar, (unmiss-)verständlich und verbindlich dokumentiert, um eine ähnlich belastende Situation entsprechend seines Willens zukünftig zu vermeiden.
*Name von der Redaktion geändert
Bei einer Vertreterverfügung soll ein Bevollmächtigter oder Betreuer (Vertreter) bei einem nicht einwilligungsfähigen Menschen dessen Willen für bestimmte Behandlungssituationen vorausverfügen. Dabei kann es hilfreich sein, wenn der Gesprächsbegleiter persönlichen Kontakt zu dem nicht einwilligungsfähigen Menschen aufnimmt, dessen Willen ermittelt und vorausverfügt werden soll. Das Kennenlernen trägt dazu bei, dass im Gesprächsprozess ganz deutlich wird, um wen es geht. Der Mensch, über dessen Leben(sende) Vorausverfügungen getroffen werden sollen, wird sicht- und spürbar.
Persönliche Vorbereitung
Um einen Gesprächsprozess zu begleiten, müssen zeitliche Ressourcen zur Verfügung stehen und bewusst geplant werden. Gedanklich und emotional muss der Fokus auf das bevorstehende Gespräch gerichtet sein. Gedanken und eigene Angelegenheiten des Gesprächsbegleiters sowohl beruflich als auch privat  – sind während des BVP-Gesprächs zurückzustellen. Der zu Begleitende und/oder sein Vertreter verdienen die volle Aufmerksamkeit und ganzheitliche Anwesenheit des Gesprächsbegleiters .
Die gedankliche Auseinandersetzung mit dem bevorstehenden Gesprächsprozess, die Vorbereitung der BVP-Dokumente sowie die Sicherstellung der erforderlichen Rahmenbedingungen helfen, sich auf die...
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aus: pflegen Palliativ Nr. 42 / 2019

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