Michaela Hach

„Leid“ in der Corona-Pandemie

© iStock.com/vm

Michaela Hach

Palliativpflegende haben etwas zu sagen

„Ich bin immer sehr traurig, dass die CoVid-19-Patienten so isoliert und allein sind und nur die Pflegenden und Ärzte sehen können. Dann sehen wir auch noch aus wie Menschen vom Mars mit den Schutzanzügen und Masken.

Maria Höhn*, Pflegefachfrau, Hannover
Das Zitat spiegelt eine Stimme der Palliativpflege in der Corona-Pandemie wieder. Solche Stimmen sind aber selten in den Medien zu finden. Unklar ist, ob die zitierte Maria Höhn Palliativ-Care-weitergebildet ist. Ihre Gedanken nehmen zumindest die Perspektive des Patienten in der Corona-Krise ein. Diese zu reflektieren und Handlungsempfehlungen daraus abzuleiten, wäre eine pflegefachliche Aufgabe der Palliative Care.
Leider äußern sich Pflegende fachlich nur allzu selten, um ihre Sicht der (Fach-)Öffentlichkeit kundzutun. Das mag daran liegen, dass sie in den Dauerbrennerthemen um die Entlohnung und den Personalmangel gefangen sind; es mag aber auch daran liegen, dass eher Ärztinnen und Ärzte um ihr Statement gebeten werden. Doch aus diesem Dilemma können sich Pflegende nur selbst herausbewegen, indem sich alle Pflegefachkräfte aufgerufen fühlen, sich und ihr Thema fachlich präsent zu machen.
Vielleicht wird dieser Prozess durch das neue Pflegeberufegesetz und eine auch akademisierte Pflege gestärkt. Bis dahin wird es wohl nur eine kleine Anzahl an Pflegefachkräften sein, die häufig nicht mehr in der direkten Patientenversorgung stehend praxisrelevante Themen aufgreift.
Viele wichtige Themen
Es gibt viele Themen, die gerade Pflegefachkräfte in der Palliativversorgung besonders beschäftigen. Das Zitat von Maria Höhn birgt ein dringendes: Pflegekräfte sind durch ihre direkte körperliche Arbeit an und mit den Patientinnen und Patienten das wichtigste Bindeglied zwischen diesen und deren Familie sowie den anderen multiprofessionellen Mitgliedern des Versorgungsteams. In einigen Fällen, insbesondere in der ambulanten Pflege, sind sie häufig die einzigen sichtbaren Gesundheitsdienstleister in ihrem Umfeld oder Versorgungsgebiet (Fitch et al., 2015). Darüber hinaus ist der Pflege ein advokatorisches Mandat zuzuschreiben (Remmers, 2010).
Pflegende haben die Möglichkeit, aufgrund der Kontakthäufigkeit und -dauer eine Beziehungsqualität mit besonderer Nähe herzustellen, um mit den Patientinnen und Patienten über intime, schwierige Themen zu sprechen. Dieses Potenzial benötigt einen entsprechend fachlich ausgerichteten Blickwinkel, zu dem eine sensibilisierte Kommunikationskompetenz gehört. Aber Kommunikation ist primär als problematisch anzusehen und kann nicht, wie selbstverständlich funktionieren (Ant et al., 2013). Welche Anteile von Kommunikation gehen z.B. in Zeiten von Corona verloren, wenn Schutzanzüge oder mindestens ein Mund-Nase-Schutz zu tragen sind? Wie lässt sich damit in den sensiblen, bisweilen emotional herausfordernden, Gesprächssituationen umgehen? Hierauf gibt es sicher keine einfache Antwort.
Gute Beispiele teilen
Wünschenswert ist aber, dass Palliativpflegende ihre Praxiserfahrungen, Anregungen und Ideen im Sinn einer Best-Practices-Diskussion zur Veröffentlichung einreichen. Sowohl in Print-Fachmedien als auch in digitaler Form. Wir, die Sektion Pflege der DPG, rufen die Palliativpflegenden zu einem fachlichem Austausch auf. Schreiben Sie uns Ihre Eindrücke und Erfahrungen aber auch Ihre Lösungsansätze.
*Name auf Wunsch der zitierten Person geändert
Literatur|Quellen
Ant, M.; Nimmerfroh, M.-C. & Reinhard, C. (2013): Effiziente Kommunikation. Theorie und Praxis am Beispiel „Die 12 Geschworenen: 2683. Wiesbaden: Springer Verlag
Fitch. M.I.; Fliedner, M.C. & OConnor, M. (2015): Pflegeperspektiven zur Palliativversorgung 2015. In APM 4(3):150155. Online unter: http://apm.amegroups.com/article/view/7034/7817 (eingesehen am 25.04.2020)
Remmers, H. (2010): Moral als Mantel menschlicher Versehrbarkeiten. Bausteine einer Ethik helfender Berufe. In:...
pflegen Palliativ
Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Weiterlesen im Heft

Ausgabe kaufen

pflegen Palliativ abonnieren und digital lesen!
  • Exklusiver Online-Zugriff auf Ihre digitalen Ausgaben
  • Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
  • Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen

Zeitschrift abonnieren

Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 47 / 2020

Nicht alltägliche Symptome

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: palliativ" Grundlagen