Kirsten Fay | Nicole Nolden

Jugendliche begegnen der Endlichkeit

Ein Schulprojekt ermöglicht Jugendlichen die Auseinandersetzung mit Sterben, Tod und Trauer
Ein Schulprojekt ermöglicht Jugendlichen die Auseinandersetzung mit Sterben, Tod und Trauer, Foto © : Nicole Nolden

Kirsten Fay | Nicole Nolden

Schulprojekt zum Umgang mit Sterben, Tod und Trauer

Häufig verbringen Jugendliche mehr Zeit mit ihren Klassenkameraden als mitihren Eltern. Daher spielt die Schule eine wichtige Rolle bei der Auseinandersetzungmit den Themen Sterben, Tod und Trauer.

Wenn es um Sterben, Tod und Trauer geht, sind viele Menschen sprachlos, unsicher und hilflos. Zwar halten diese existenziellen Themen allmählich wieder Einzug in unsere Gesellschaft, doch sie werden immer noch selten mit Jugendlichen diskutiert. Punktuell werden die Themenbereiche in den Unterrichtsfächern Deutsch, Religion, Philosophie und Ethik behandelt, doch eine explizite Aufnahme in die Lehrpläne findet nicht statt.
Sterben, Tod und Trauer auf dem Stundenplan
Das Zentrum für Palliativmedizin der Uniklinik Köln, unter Leitung von Prof. Dr. Raymond Voltz, entwickelte 2009 ein Unterrichtskonzept für Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 9 bis 13. Ziel von „Endlich. Umgang mit Sterben, Tod und Trauer war es, Offenheit für diese Themen zu erreichen.
Finanziert durch den Deutschen Hospiz- und Palliativ Verband e.V. und mit Unterstützung von Dr. Birgit Weihrauch, der ehemaligen Staatsrätin und Vorsitzenden des Fördervereins Endlich, konnte der Projekttag innerhalb einer zweijährigen Pilotphase an allen Schulformen erprobt werden. Die anonymisierten, schriftlichen Befragungen der Schülerinnen und Schüler vor und nach dem Projektunterricht wurden evaluiert.
Durch die Unterstützung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wurde das Projekt kontinuierlich weiterentwickelt. So konnten die Ergebnisse und Erfahrungen auf Symposien und Fachtagungen mit Fachleuten aus den Bereichen Palliativmedizin, Hospiz, Schule, Psychologie, Pflege und Ehrenamt diskutiert und eine hohe Qualität sichergestellt werden.
Projektunterricht für die Jahrgangsstufen 9 bis 13
Ziel des Konzepts ist es, einen geschützten Rahmen für Jugendliche in der Schule zu schaffen, in dem sie offen über Sterben, Tod und Trauer sprechen und Handlungsstrategien im Umgang mit diesen Themen erarbeiten können.
Hierbei werden Jugendliche in Gesprächen mit Gleichaltrigen bestärkt, ihren eigenen seelischen Nöten und Bedürfnissen mit hinreichend guter Selbstfürsorge zu begegnen und sich ohne Angst auf sterbende und trauernde Menschen einzulassen. Auch die Themen „Palliativ und „Hospiz sollen den jungen Leuten nähergebracht sowie die Möglichkeiten für schwerkranke Patienten und ihre Angehörigen verdeutlicht werden.
Inhalte und Ablauf
Der Projektunterricht wird nach Möglichkeit als Tandem gemeinsam von einer Lehrkraft der Schule und einem Mitarbeitenden aus dem Hospiz- und Palliativbereich bzw. einem psychosozialen Team durchgeführt. Die Schulen entscheiden  – je nach zeitlichen Kapazitäten selbst, ob der Projektunterricht an einem ganzen, an zwei halben Tagen oder in einzelnen Modulen stattfindet. Auch das Zusatzmodul Suizid kann behandelt werden.
Das Programm ermöglicht jungen Menschen einen Zugang zu einem schwierigen, aber wichtigen Thema. Es kann sich auch präventiv auf den Umgang der Jugendlichen mit Krisensituationen auswirken. Die jungen Menschen lernen professionelle und ehrenamtliche Hilfsangebote für schwerkranke Menschen kennen und können als wesentliche Multiplikatoren helfen, Palliativversorgung und Hospizarbeit bekannter und somit einer breiten Bevölkerungsschicht zugänglich zu machen. Sie können bereits früh eigene Bewältigungsmöglichkeiten ausloten und ihre sozialen Kompetenzen im Umgang mit trauernden und schwerkranken Menschen stärken. Praktika in Hospizen sind ebenso denkbar wie Unterstützung im akuten Trauerfall.
Multiplikatorenschulung für Projektunterricht
Vielfach äußern Lehrkräfte den Wunsch nach Fortbildungen in den Bereichen Sterben, Tod und Trauer. Um den Projektunterricht bundesweit nachhaltig zu implementieren, werden zweitägige Multiplikatorenschulungen angeboten. Zum Programm gehören auch...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 43 / 2019

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