Miriam Püschel

Hospice-Care-Modell

Bisher gibt es kein einheitliches Pflegemodell in stationären Hospizen
Bisher gibt es kein einheitliches Pflegemodell in stationären Hospizen, Grafik © Miriam Püschel

Miriam Püschel| Marianne Rahner

Das erste Pflegemodell für stationäre Hospize

In Deutschland gibt es derzeit etwa 250 stationäre Hospize für Erwachsene, Anzahl steigend.Die Arbeit in Hospizen wurde bisher pflegewissenschaftlich wenig reflektiert.Gleichwohl sieht sich die Hospizpflege zunehmend der Herausforderung gegenüber, ihrSelbstverständnis sowie ihre Individualität in ein theoriegeleitetes Handeln zu überführen.Dies soll in einem geeigneten Pflegemodell seinen Ausdruck finden.

In der Pflegefachliteratur lassen sich kaum Hinweise auf ein hospizspezifisches Pflegemodell finden. Mitunter werden etablierte Pflegetheorien auf das pflegerische Hospizgeschehen übertragen, was häufig nur in Ansätzen gelingt. Vor diesem Hintergrund stellten sich die Fragen: Arbeiten Hospize nach einem bestimmten Pflegemodell? Wie wird der Bedarf für ein eigenes Pflegemodell eingeschätzt? Um diesen Fragen nachzugehen, wurde im Rahmen eines wissenschaftlichen Praxisprojektes (Grundlage der Bachelorarbeit) im Jahre 2017 eine bundesweite Befragung durchgeführt, an der 190 stationäre Hospize teilnahmen.
Die Ergebnisse der Befragung überraschen nicht. Etwa ein Viertel (24%) der befragten Häuser gab an, mit keinem speziellen Pflegemodell zu arbeiten. Rund zwei Drittel der stationären Hospize zieht gängige Modelle insbesondere von Krohwinkel (49%), Juchli (4,2%), Orem (6,8%) oder Friedemann (4,7%) heran. Nur wenige haben ein eigenes Pflegemodell (6%) (Rahner & Püschel, 2019) (siehe Kasten 1 ).
Pflegemodelle nur eingeschränkt nutzbar
Die bisher entwickelten Pflegetheorien und -modelle sind für den kurativen Bereich gedacht. Nach Ansicht der Befragten erfüllt keines der gängigen Pflegemodelle die Anforderungen eines stationären Hospizes.
Hospize sind hochgradig spezialisierte Einrichtungen des Gesundheitssystems. Der spezielle Auftrag der Hospize die würdevolle Sterbebegleitung unheilbarer kranker Menschen unter Wahrung der bestmöglichen Lebensqualität ist mit besonderen Anforderungen an die Pflege verbunden. Diese ist höchst individuell und mit der vor allem kurativen Versorgung in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen nur in Ansätzen vergleichbar.
Hintergrund und Aufbau des Pflegemodells
Auf Basis der Befragung wurde der erste Entwurf eines hospizspezifischen Pflegemodells für stationäre Hospize im Rahmen einer Bachelorarbeit (Püschel, 2017) entwickelt. Dieses basiert auf einem Theorierahmen, in dem die Wurzeln der Hospizarbeit, die Tradition der Palliativpflege sowie ihre Ziele und Aufgaben dargestellt werden. Nach einer Definition der palliativpflegerischen Handlungsvoraussetzungen werden die Schritte des Pflegeprozesses dargestellt. Eine Modellanalyse verknüpft einzelne Phänomene mit dem Metaparadigma der Pflege. Abschließend wird durch praktische Hinweise in Ansätzen eine Verbindung zur Umsetzung des Pflegemodells in der Praxis aufgebaut.
Der grundlegende Palliativgedanke
Der Begriff Hospiz (lat. Herberge) „assoziiert eine Herberge, in der Menschen willkommen sind, verweilen dürfen und in der Gastfreundschaft gelebt wird (Püschel, 2019: 16). Dies spiegelt auch einen Teil der Grundhaltung und des Selbstverständnisses der Pflegenden im Hospiz wider. Während die kurative Pflege als oberstes Ziel die Heilung und Genesung der Pflegebedürftigen vorgibt, wird der Ansatz der Palliative Care von der WHO (2002) wie folgt definiert: „Palliative Care ist ein Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und ihren Familien, die mit Problemen einer lebensbedrohlichen Erkrankung einhergehen durch Vorbeugen und Lindern von Leiden, durch frühzeitiges Erkennen, exakte Beurteilung und Behandlung von Schmerzen sowie anderen belastenden Beschwerden körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art.
Einbezug der Zugehörigen
Die Definition der WHO (2002) stellt im ersten Satz das Ziel der Verbesserung der Lebensqualität heraus. Zusätzlich wird deutlich, dass es nicht nur um die Sterbenden geht,...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 45 / 2020

Krebs

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: palliativ" Wissenschaft