Jens-Ulrich Rüffer

Fatigue belastet die Kranken oft sehr stark

© Friedrich Verlag

Jens-Ulrich Rüffer

Fachgesellschaft informiert Profis und Betroffene

„Ein Unglück kommt selten allein, sagt ein Sprichwort. Menschen, die an Krebs,Multiple Sklerose, Rheuma oder Parkinson erkrankt sind, leiden häufig auch an einem rätselhaften Syndrom: Sie fühlen sich dauernd schwach, müde und ausgelaugt, ohne die Gründe dafür zu kennen. Die „Deutsche Fatigue Gesellschaft informiert deutschlandweit von dem Syndrom betroffeneMenschen, deren Angehörigen über die Krankheit auf und unterstützt mit tumorbedingter Fatigue.

Der Krebs konnte mich nicht in die Knie zwingen, er hat mich zurück auf die Füße gebracht, sagte Michael Douglas, bei dem im August 2010 ein Tumor an der Zunge diagnostiziert wurde. Aber nicht allen Tumorpatienten geht es so gut. Müdigkeit, Kraftlosigkeit und Konzentrationsschwäche sind Symptome, die viele nicht nur während der Krankheit und der Therapie, sondern auch danach begleiten. Die sogenannte tumorassoziierte Fatigue ist ein Leiden, das die eigentliche Krankheit niemals enden lässt.
Nicht immer wird der Ernst der Lage (sofort) erkannt. „Es ist nichts. Ich bin nur etwas erschöpft, der Tag war lang, meint so mancher. Doch anders als bei normaler Erschöpfung geht die Fatigue eben nicht vorbei, sondern erschwert die Bewältigung des Alltags und mindert die Lebensqualität auf Dauer.
Unklare Ursachen, schwierige Behandlung
Das aus dem Lateinischen abgeleitete Wort für Müdigkeit beschreibt ein Syndrom, das sich wie ein kleiner teuflischer Geist in das Leben eines Patienten schleicht. Die Kranken fühlen sich nicht nur müde und erschöpft, sondern oft auch niedergeschlagen, antriebs- und energielos. Die kognitiven Fähigkeiten können ebenfalls eingeschränkt sein, sodass es den kranken Menschen schwerfällt, sich zu konzentrieren und Dinge zu behalten.
Fatigue tritt vor allem bei Krebspatienten, aber auch bei Patienten mit chronischen Krankheiten wie Multipler Sklerose oder Parkinson auf und zwar immer vollkommen unabhängig von körperlichen Belastungen
Die Ursachen der Fatigue sind noch ungeklärt: Sie entsteht aus einem Zusammenspiel von vielen einzelnen Faktoren (siehe Kasten 1 ). Tumorerkrankungen und die begleitenden Therapien, aber auch Anämie, Mangelernährung, Gewichtsverlust, Schlafstörungen, Hormonmangelerscheinungen oder psychische Belastungen sind mögliche Gründe. Sie können umgekehrt die Fatigue auch verstärken die Kranken geraten in einen Teufelskreis, aus dem sie nur schwer ausbrechen können.
Tückische Erkrankung
So erkrankt etwa jeder dritte Lymphknotenkrebspatient an Fatigue, jeder fünfte Betroffene fühlt sich, als hätte er die Krebsstation nie verlassen. Die Schwäche lässt keine Erholung zu.
Das Fatigue-Syndrom gehört zu den am meisten belastenden Nebenwirkungen von Krebs. Menschen, die an Fatigue erkrankt sind, fällt es oft schwer, soziale Bindungen aufrecht zu erhalten sei es im privaten Bereich, sei es bei der Arbeit. Andauernde physische und psychische Schlappheit, Müdigkeit oder Motivationslosigkeit führen zu sozialem Rückzug; selbst Arbeiten und damit die Sicherung der Existenz werden zu einer großen Herausforderung.
„Es war wie ein Krieg in meinem Körper, ich konnte überhaupt nicht mehr schlafen, sagte Christine Esser, die zweimal an Brustkrebs erkrankte und unter tumorbedingter Fatigue litt. Ein Syndrom, das die Lebensqualität so stark einschränkt, darf eigentlich nicht unentdeckt bleiben.
Eine Tücke der Fatigue ist jedoch, dass sie nicht immer direkt nach oder während der eigentlichen Krankheit auftritt, sondern bei circa 20 bis 50 Prozent der Betroffenen verzögert, erst nach beendeter Therapie. Patienten, Pflegende und Ärzte erkennen das der Erschöpfung zugrunde liegende Fatigue-Syndrom daher nicht immer und/oder diagnostizieren es falsch, z.B. als Depressionen.
In der internationalen Klassifikation der Krankheiten und Gesundheitsprobleme der Weltgesundheitsorganisation (ICD) ist Fatigue bislang nicht als eigenständiges Syndrom...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 41 / 2019

Fatigue

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: palliativ" Grundlagen