Ist die Distanz jetzt die neue Nähe?

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Eine Pflegerin berichtet

In Zeiten von Corona hat sich die zwischenmenschliche Kommunikation völlig verändert. Dieser Eindruck drängt sich mir immer mehr auf. Mund- und Nasenmasken überall. Für die Kommunikation mit Menschen mit Demenz ist das das Schlimmste, was passieren kann. Unter der Maske erkenne ich mein Gegenüber überhaupt nicht mehr, und anders herum ist es genauso. Mir fällt es schon schwer, damit umzugehen. Wie soll das dann erst für Menschen mit Demenz sein? Ich mag mir das gar nicht vorstellen. Personen mit einer Demenz können die Notwendigkeit einer Mund- und Nasenmaske gar nicht nachvollziehen.
Für die pflegerische Arbeit ist das Tragen einer Maske einschränkend. Das Sprechen fällt mir schwer, ebenso kann ich meine Kolleginnen und Kollegen teilweise nur schwer verstehen. Jetzt stelle ich mir die Situation von Menschen mit Demenz vor. Nicht nur, dass sie mich viel schwerer mit der Maske verstehen können, auch können sie meine Mimik gar nicht erkennen. Das heißt, sie können mich gar nicht einschätzen. Was möchte ich von Ihnen? Was passiert als Nächstes?
Ich erlebe das Tragen einer Mund- und Nasenmaske als sehr mühselig und anstrengend, insbesondere im Umgang mit Menschen mit Demenz. Dazu kommt dann noch die Abstandsregelung. Durch diese Entfernung wissen Bewohnerinnen und Bewohner mit zusätzlichen Hörproblemen oder Seheinschränkungen dann gar nicht mehr, worum es geht. Das Zusammensein auf Abstand für mich ist das wie: Wir sind in einem Raum, aber wirkliche Begegnung findet nicht statt. Und nicht selten erlebe ich es, dass sich die Bewohnerinnen und Bewohner noch mehr als vorher in sich zurückziehen, obwohl um sie herum etwas passiert. In diesen Fällen stelle ich die Maskenpflicht und Schutzmaßnahmen infrage. Sie sind in unserem Umfeld aufgrund der vielen kognitiven Einschränkungen der Bewohnerinnen und Bewohner kaum realisierbar. Unruhe erlebe ich nun auch häufiger. Auch von Personen, die vorher ausgeglichen waren.
Durch diese Mund- und Nasenmasken geht total viel Zwischenmenschlichkeit verloren und das lässt sich in der Kommunikation mit Menschen mit Demenz auch nicht kompensieren.
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Demenz Nr. 56 / 2020

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Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: Demenz" Praxis