Technik, Technik, Technik

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Ich habe das Gefühl, wir diskutieren nur noch über Technik. Die Corona-Pandemie ist ein richtiger Katalysator für diese Diskussionen und Fragestellungen geworden: Wie kann ich Technik am besten nutzen, um den pflegerischen Alltag zu erleichtern? Für mich ist klar, durch Technik soll vorhandenes Personal nicht nur ersetzt werden, sondern auch aufgezeigt werden, dass die Arbeit auch mit weniger Leuten zu schaffen ist. Ich bin da sehr misstrauisch geworden. Mir werden diese Diskussionen um Technik und Digitalisierung in der Pflege auch zu undifferenziert geführt. Die Diskussion um Technik in der Versorgung von Menschen mit Demenz kann sehr unterschiedliche Dimensionen haben. Wenn es um die Erleichterung der ganz konkreten pflegerischen Versorgung im Sinne von Hilfsmitteln geht, kann ich mitgehen. Es gibt viele sehr praktische Hilfsmittel, entwickelt worden für die Unterstützung im Badezimmer oder die Herdabschaltung in der Küche. Das ist sinnvoll und erleichtert die Versorgung und die Pflege.
Dann geht die Diskussion aber weiter mit der GPS-Ortung von Menschen mit Demenz in der häuslichen Versorgung oder mit der Roboter-Robbe „Paro, der einem Robbenbaby nachempfunden ist. Wenn ich mir da die Werbung anschaue: zum Knuddeln, süß, ein Roboter mit Empathie, Menschen mit Demenz sind begeistert. Mir ist das zu positiv. Ein Roboter kann keine Empathie haben, denn er ist kein Mensch. Sein Verhalten ist programmiert, das darf man dabei nicht vergessen. Deshalb halte ich in diesem Fall eine ernsthafte Debatte über den therapeutischen Einsatz für dringend notwendig. Ich kann auch Kolleginnen und Kollegen nicht verstehen, die im Zuge des Pflegekräftemangels sagen, dass uns nichts anderes übrig bleiben würde, als solche technische Unterstützung in Zukunft zu nutzen, weil wir nicht genug Personal haben werden, um den Bedürfnissen der pflegebedürftigen Menschen gerecht zu werden. Das kann ich nicht gelten lassen. Denn es kommt doch auch darauf an, wie ich solche technischen Geräte einsetze. Ich kann doch nicht einfach dahergehen und eine Roboter-Robbe einem Menschen mit Demenz in die Hand geben und ihn dann sich selbst überlassen. Das funktioniert nicht.
Letztlich gilt, Beziehungen zu gestalten. Dazu kann die technische Entwicklung im besten Fall eine Unterstützung sein. Eine Roboter-Robbe benötige ich dazu aber nicht, die findet man in der Regel ja auch nicht in einem Pflegeheim vielleicht noch an der Nordseeküste. Für eine Beziehungsgestaltung brauche ich einen Schlüsselreiz und der ist unter Umständen sehr individuell. Für mich ist es daher ganz eindeutig: Für die Erleichterung der pflegerischen Tätigkeit sind technische Hilfsmittel sinnvoll. Für alles andere sollten wir den Einsatz sehr begrenzen, sonst überrennt uns diese Entwicklung irgendwann.
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Demenz Nr. 55 / 2020

Technik & Digitales

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: Demenz" Praxis