Wir betreuen auch die Angehörigen

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Ich möchte es mal so ausdrücken, wenn wir eine neue Bewohnerin oder einen neuen Bewohner aufnehmen, nehmen wir in gewisser Weise immer auch die dazugehörigen Angehörigen mit auf. Die wohnen zwar nicht bei uns, aber wir betreuen sie in gewisser Weise mit, weil wir Ansprechpartner bei Problemen sind.
Das finde ich auch ganz wichtig, da ein Mensch ja immer auch aus Beziehungen lebt, und die sind ja mit einer Demenz nicht weg. Im Gegenteil, sie werden unentbehrlich. Angehörige sind eine Wissensquelle für uns, weil wir so etwas mehr über den Menschen, den wir betreuen und pflegen, erfahren.
Aber ehrlich gesagt manchmal ist der Umgang mit Angehörigen sehr anstrengend. Häufig besteht eine lange gemeinsame Geschichte ,und die Angehörigen hatten bereits die Pflege und Betreuung zu Hause übernommen. Dann sind meistens Vorstellungen und Erwartungen an die Versorgung ihres Angehörigen vorhanden. Da kommt es schon mal vor, dass die Meinungen auseinandergehen. Denn die Pflege zu Hause ist eben nicht wie die Pflege und Betreuung in einer Einrichtung. Daher finde ich es wichtig, dies schon in den ersten Kontakten deutlich zu machen. Uns ist es z.B. wichtig, dass Menschen mit Demenz möglichst lange Formen der Selbstständigkeit erleben können. Konkret heißt das, dass die Menschen hier z. B. mit möglichst wenig Unterstützung essen sollen. Das bedeutet, dass bei uns mit den Fingern gegessen werden kann und wir entsprechendes Fingerfood zur Verfügung stellen. Mahlzeiten haben bei uns einen hohen Stellenwert. Sowohl für das Gemeinschaftserleben als auch für die Förderung von Selbstständigkeit. Das versuchen wir den Angehörigen zu vermitteln, weil es dadurch bei uns etwas anders zugeht als in einem Restaurant. Nicht jede Bewohnerin oder jeder Bewohner kann es ertragen, wenn geschmatzt oder mit den Fingern gegessen wird. Das müssen wir berücksichtigen. Nicht immer gelingt uns eine harmonische Mischung. Aber wir versuchen, damit umzugehen.
Angehörigenabende gehören größtenteils der Vergangenheit an. Meine Erfahrung ist, wenn Angehörige ein Problem haben, sprechen sie das an und warten nicht darauf, dass es eine Abendveranstaltung dazu gibt. Diese Art der Problemlösung funktioniert nur, wenn ein Vertrauensverhältnis besteht, das muss man sich erarbeiten. Auch der Austausch von Angehörigen untereinander steht nicht mehr so im Mittelpunkt. Mein Fazit ist, dass Angehörigenarbeit individueller geworden ist. Darauf versuchen wir zu reagieren.
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Demenz Nr. 54 / 2020

Angehörige

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: Demenz" Praxis