Eine Pflegerin berichtet

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Eigenständiges Arbeiten statt Diskussionen

Teamarbeit? Ja, das ist gar nicht so einfach. Ich arbeite in einem Team, da haben wir insgesamt vier Nationalitäten und ganz viele sehr unterschiedliche Charaktere. Ziemlich zusammengewürfelt so empfinde ich das jedenfalls. Manchmal bin ich mir gar nicht sicher, ob wir wirklich die gleiche Sprache sprechen. Das meine ich wörtlich und bildlich. Wörtlich meine ich es deswegen, weil manche meiner Kolleginnen und Kollegen der deutschen Sprache nicht immer so mächtig sind, dass man sie wirklich versteht. Und bildlich meine ich so, dass die Einstellungen manchmal so verschieden sind, dass wir gar nicht in der Lage sind, eine gemeinsame Haltung zu entwickeln. Wir haben zum Teil sehr unterschiedliche Wertvorstellungen darüber, was unser Auftrag in einer Pflegeeinrichtung ist, wie man diese nach außen vertritt und wie man mit den Personen umgeht, die uns anvertraut sind. Da kann ich dann auch nicht von einem Team sprechen. Das hat für mich eine andere Bedeutung.
Teamarbeit ist für mich, wenn man gemeinsame Interessen und Einstellungen vertritt. Aber wenn darüber keine Einigung besteht, dann ist es schwer, als Team aufzutreten und sich zugehörig zu fühlen.
Verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe nichts gegen meine Kolleginnen und Kollegen. Im Gegenteil. Persönlich sind alle nett und ich verstehe mich auch mit allen so, dass man zusammenarbeiten kann. Aber ich bin froh, wenn am Dienstbeginn klar ist: Du kümmerst dich darum und du um jenes. Dann habe ich einen klar abgegrenzten Arbeitsbereich, in den mir keiner reinredet und ich arbeiten kann, wie ich es für richtig halte. Immer natürlich im Rahmen der internen Vorgaben. Meine Freiheit ist mir an dieser Stelle sehr wichtig. Aufgaben können ja verschieden erledigt werden. Diese Freiheit möchte ich haben und mich nicht immer an den anderen orientieren oder absprechen müssen Ich will über meinen Arbeitsbereich entscheiden und mich nicht immer rechtfertigen. Diese endlosen Diskussionen im Team bis man da zu einem Ergebnis kommt finde ich ziemlich anstrengend. Daher bin ich wahrscheinlich auch nicht so der „Teamplayer. Ich arbeite eher für mich: ordentlich, begründet und nachvollziehbar für alle Beteiligten. Das ist wichtig, damit meine Arbeit nicht willkürlich wirkt. Ich rede auch nicht über meine Kolleginnen und Kollegen. Nur weil man sich nicht als Team definiert oder, wie ich, es nicht unbedingt benötigt, heißt das nicht, dass man die anderen nicht respektiert. Ich komme so gut zurecht.
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Demenz Nr. 53 / 2019

Team

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: Demenz" Praxis