Eine Pflegerin berichtet

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Ohne eine echte Beziehung gibt es keine gute Pflege

Gefühle werden nicht dement. So ist es doch. Und das versuche ich mir bei der Arbeit immer wieder deutlich vor Augen zu führen. Und dann wird auch die Bedeutung von Begegnung und Beziehung in der Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz deutlich. Ohne eine echte Beziehung kann es keine gute Pflege geben. Wenn die Menschen nicht spüren, dass du es ehrlich und ernst mit ihnen meinst, dann stehst du von vornherein auf verlorenem Posten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass, wenn ich die Zeit habe, nachspüren kann, was bei dem Menschen los ist. Dann lassen sich auch herausfordernde Verhaltensweisen besser bewältigen. Das heißt nicht, dass deshalb alles leicht ist, und ich meine auch nicht, dass alle Probleme gelöst werden können.
Natürlich gibt es Menschen, mit denen es besser klappt. Die sind einem sympathisch. Da hat man sofort eine gemeinsame Ebene. Da ist es einfacher. Wie im richtigen Leben eben. Ich umgebe mich lieber mit Menschen, die ich mag. Und dann gibt es die, die einem nicht so sympathisch sind. Aber auch die haben ein Recht auf echte Begegnung und dass man sie ernst nimmt. Das sollte die professionelle Grundhaltung sein. Das heißt ja nichts anderes, als dass ich der Person mit Wertschätzung gegenübertrete. Soweit die Theorie. Jetzt ist mir durchaus bewusst, dass wir trotz aller Professionalität diese Haltung nicht zum Nulltarif bekommen. Die Balance zwischen Nähe und Distanz hinzukriegen, ist nur im Buch leicht. Im richtigen Leben ist das jedes Mal wieder eine neue Herausforderung. Und da geht es nicht ohne eine Begleitung. Da haben die Arbeitgeber auch eine Verantwortung. Besonders in der heutigen Zeit. Den Pflegeberuf attraktiv zu machen, ist nicht nur eine Frage des Geldes. Nicht nur, möchte ich betonen. Aber ich würde meinen Arbeitgeber immer auch danach aussuchen, ob er mir die Freiheiten gibt, die oben beschriebene Grundhaltung zu leben und den Menschen echte Beziehungen anzubieten. Sie haben ja auch das Recht, es abzulehnen. Und das muss ich dann auch akzeptieren. Und dafür brauche ich Unterstützung. Dafür brauche ich die Zeit, in Fallbesprechungen Wege zu finden gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen , wie man insbesondere mit schwierigen Situationen und Menschen umzugehen hat. Und ich brauche Gelegenheiten, um meinen vielen Gefühlen Raum zu geben, wenn ich angeschrien, angespuckt oder vielleicht auch geschlagen werde. Die guten Beziehungen brauchen nicht aufgearbeitet zu werden. Die geben Kraft. Aber die schwierigen bis unaushaltbaren Situationen, die sind die Herausforderung. Daran muss sich die Wertschätzung messen lassen. Gegenüber den betroffenen Menschen und gegenüber den Mitarbeitern.
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Demenz Nr. 49 / 2018

Beziehungsgestaltung

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: Demenz" Praxis