Peter Wißmann

Digitale und soziale Teilhabe

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Peter Wißmann

So können Menschen mit Demenz von Videotelefonie profitieren

Videotelefonie als Kommunikationsmittel: Bis vor Kurzem war das kein oder allenfalls ein Randthema im Umfeld von älteren und pflegebedürftigen Menschen und spielte erst recht keine Rolle bei Personen mit kognitiven Einschränkungen. Peter Wißmann, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter der Demenz Support Stuttgart, erläutert die Vorzüge und Grenzen von Videotelefonie in verschiedenen Pflegesettings und erklärt, wie sie zur sozialen Teilhabe von Menschen mit Demenz beitragen kann.

Die Corona-Pandemie erzeugte einen Druck nach sozialer Distanzierung. Ältere Menschen saßen plötzlich mehr oder weniger in ihren Wohnungen fest. An ihre Familienmitglieder wurde appelliert, sie doch bitte nicht mehr zu besuchen, um der Gefahr einer Ansteckung mit dem Virus entgegenzuwirken. Die Pflegeheime schotteten sich bzw. ihre Bewohnerinnen und Bewohner plötzlich von der Umwelt und von ihren Familien ab. Besuche waren nicht mehr möglich, soziale Kontakte, die doch so wichtig für die vulnerable Gruppe pflegebedürftiger Menschen sind, wurden plötzlich gecuttet. In nicht wenigen Fällen führte das zu emotionalen Dramen und schweren Belastungen aller Beteiligten. Plötzlich war Fantasie gefragt, um der sozialen Deaktivierung samt ihren nicht abschätzbaren psychosozialen Folgen für die betroffenen Menschen etwas entgegenzusetzen und Kommunikation sowie sozialen Kontakt in alternativen Formen zu ermöglichen. Eine dieser Möglichkeiten war und ist die Videotelefonie.
Auch wenn es einer Pandemie bedurfte, um den Einsatz von videogestützten Kommunikationsmedien bei älteren und pflegebedürftigen Personen ernsthaft auf die Agenda zu setzen, sollten wir in der Videotelefonie nicht nur ein probates Überbrückungsmittel für Krisenzeiten sehen. Vielmehr gilt es zu schauen, welchen Beitrag sie generell dazu leisten kann, vulnerable Personengruppen bei der Aufrechterhaltung sozialer Kontakte und Beziehungen zu unterstützen. Zu betrachten ist jedoch auch, wo sie auf Grenzen stößt.
Leben zu Hause
Soziale Kommunikationsmittel wie WhatsApp, Skype oder FaceTime können vom Smartphone oder Tablet bedient werden. Wer von den älteren oder pflegebedürftigen Menschen, die in der eigenen Wohnung leben, über einen Internetanschluss und eines der genannten mobilen Kommunikationsgeräte verfügt und es auch nutzt, dürfte an dieser Stelle keine großen Probleme haben, zumindest dann nicht, wenn ihm bei entsprechendem Bedarf eine andere Person die Funktionsweise praktisch demonstrieren kann. Aber sind ältere Menschen entsprechend technikaffin bzw. nutzen sie tatsächlich diese Kommunikationsmittel? Studien belegen, dass vor allem in den Altersgruppen bis Mitte 70 durchaus viele Menschen Zugang zum Internet haben bei den 67 bis 72-Jährigen immerhin mehr als 80 Prozent und es auch nutzen, insbesondere für die Informationssuche und den E-Mail-Verkehr, zunehmend aber auch soziale Medien verwenden. Bei den noch älteren Personen wird die Zahl der Nutzerinnen und Nutzer zwar geringer, ist aber immer noch recht hoch (Endter, Hagen, Berner, 2020). Tendenz steigend! Die Voraussetzungen, um im häuslichen Umfeld Videotelefonie einzusetzen, stehen also nicht schlecht. Wo Videotelefonie verwendet wird, liegen die Vorteile auf der Hand: Kontakte zu fernlebenden oder mit wenig Zeitressourcen ausgestatteten Familienangehörigen können gehalten und gepflegt werden, ebenso zu Freunden und anderen wichtigen Personen. Und anders als bei der klassischen Telefonie können sich die miteinander Kommunizierenden hierbei sehen, Dinge zeigen und mehr.
Leben im Heim
Die Vorteile der Nutzung von Videotelefonie im häuslichen Bereich und weitere Vorzüge treffen auf Menschen ebenso so zu, die in einem Heim oder anderen betreuten Wohneinrichtung leben. Der Betreiber einer prominenten Pflegeeinrichtung in Thailand berichtete bereits vor diversen Jahren, dass in seinem Haus für die meisten...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Demenz Nr. 56 / 2020

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Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: Demenz" Wissenschaft