Gerda Graf

Die Menschen im Blick*

Patientenverfügung – kein Auslaufmodell
Patientenverfügung – kein Auslaufmodell , Foto © WoGi | stock.adobe.com

Gerda Graf

Behandlung im Voraus planen oder gesundheitliche Versorgungsplanung?

Das Hospiz- und Palliativgesetz macht Advance Care Planning (ACP) und „Gesundheitliche Versorgungsplanung zum gesetzlichen Standard. Doch greift ACP allein möglicherweise zu kurz? Ein Plädoyer für ethische Beratung und Begleitung am Lebensende und dafür, Pflegende mit einzubeziehen.

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*Der Artikel basiert auf einem Beitrag für die Stiftung Dialog Ethik. Diese Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Stiftung.
Mit dem Hospiz- und Palliativgesetz (HPG) hat die Bürgerbewegung Hospiz gemeinsam mit den Leistungserbringern der palliativen Versorgung politische Maßstäbe gesetzt. Im Hinblick auf die Diskussionen im Bundestag bis hin zur Expertenrunde scheint es jedoch sinnvoll, die Entwicklung der Hospizkultur sorgfältiger zu betrachten als je zuvor. Ein Rückblick auf die letzten Jahrzehnte zeigt, dass das Ehrenamt dem gefolgt ist, was Rainer Marten zum Ausdruck bringt: „Das Leben selbst braucht den Tod, das Einander verlassen, das Sich-verlassen. (Marten, 2018)
Die Hospizbewegung hat in der Vergangenheit demonstrativ dem Schlecht-zu-Tode-Kommen zum Beispiel durch „Abschiebehaft in Badezimmern der Krankenhäuser in den 70er-Jahren Einhalt geboten und eine Kultur des „Einander Verlassens entwickelt. Damit einher gingen in Deutschland gesetzliche Regelungen, die ein rechtliches Fundament und eine finanzielle Basis geschaffen haben. Leistungen im Gesetz spiegeln sich in der nun vorliegenden Vereinbarung nach § 132g Abs. 3 SGB V vom 13.12.2017 über Inhalte und Anforderungen der gesundheitlichen Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase (siehe Beitrag Tolmein, Nauck et al.). Dem Hospiz- und Palliativgesetz von 2015 entsprechend, liegt der Schwerpunkt auf Einrichtungen der stationären Altenpflege und der Behindertenhilfe.
Der Begrifflichkeit von Advance Care Planning (ACP) ist man in dieser Vereinbarung gefolgt. So hat der Gesetzgeber den vorher vieldiskutierten Begriff von „Behandlung im Voraus planen (BVP) nicht aufgenommen, sondern stattdessen die Bezeichnung „Gesundheitliche Versorgungsplanung gewählt. Das Wortspiel macht deutlich, wie viel Dialog notwendig ist, um Planen und Versorgen in einen hospizkulturellen Kontext zu bringen.
Pflegende einbeziehen
Befürworter von ACP führen ins Planungsfeld, dass das Thema Patientenverfügung gescheitert sei. Dem möchte ich als langjährige Hospizlerin widersprechen.
Gegenüber allen Einrichtungen, die eine qualifizierte Patientenverfügung erhielten bzw. auch als Impulsgeber fungierten, ist diese Aussage nicht korrekt. Gewiss stimmt bedenklich, welche und wie viel verschiedene Formulare im Sinne einer Patientenverfügung kursieren. Ebenso bedenklich ist der Umgang damit in einzelnen Bereichen. Aber das Thema hat Wirkung gezeigt. Viele Einrichtungen nutzen die Patientenverfügung, um in den Kommunikationsprozess einzusteigen und, gemessen an den Notwendigkeiten, einen Organisationsprozess in Gang zu setzen, der die Bedürfnisse des schwerstkranken Menschen in den Blick nimmt.
Das zu Erkennende der institutionellen Pflegeanbieter beschreibt Professorin Christel Bienstein im Forschungsprojekt „Innovative Versorgung von akut erkrankten Bewohnern und Bewohnerinnen im Altenheim (Bienstein, 2015). In dem dort vorliegenden Interventionsmodell wird anhand von sechs Interventionspunkten hervorgehoben, wie Organisationsentwicklung an den Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner orientiert so gestaltet werden kann, dass über 70 Prozent der Krankenhauseinweisungen am Lebensende reduziert werden können.
Dabei gilt jedoch der Grundsatz „Gestalten statt Verwalten. Denn Gestaltung will mehr, als dem verwaltenden Aspekt von Gesetzen Rechnung tragen: Sie will aus dem gesetzlichen Anspruch heraus die Kreativität einer Organisation, d.h. die dort wirkenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, mit einbeziehen, um der Menschen willen, die dort leben, umsorgt...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 42 / 2019

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