Martin Schuppli

DeinAdieu − Online-Portal will Sterben den Schrecken nehmen

Dr. med. Roland Kunz (l.) im Gespräch mit Autor Martin Schuppli
Dr. med. Roland Kunz (l.) im Gespräch mit Autor Martin Schuppli, Foto: © Bruno Torricelli/DeinAdieu

Martin Schuppli

Eine Webseite rund um Leben und Sterben findet in der Schweiz eine wachsende Zahl neuer User. Sie nutzen Serviceleistungen zu Nachlass und Bestattung, informieren sich über Patientenverfügung und Vorsorgeauftrag. Seele von DeinAdieu ist aber der Blog. Autor Martin Schuppli beschreibt, wie DeinAdieu.ch entstand und wie das Thema Tod sein Leben bestimmt.

Der Tod ist eine Realität des Lebens, sagte mir Roland Kunz anlässlich seiner Eröffnung einer interdiszipliären Palliative-Care-Tagung im Kanton Zürich im Herbst 2016. Der Chefarzt der Geriatrie und Palliative Care sowie ärztlicher Leiter am Spital Affoltern am Albis unterstrich: „Wir müssen das Sterben als etwas Normales ansehen. Heute wird der Tod mit Krieg, Unfällen, Verbrechen sowie mit Sterbehilfe in Verbindung gebracht. Nicht aber mit der Tatsache, dass er einfach Realität ist. Eine Realität, mit der wir leben sollten.
Hilfe für die letzte Lebensphase
Diese Worte fielen auf fruchtbaren Boden. Denn zur selben Zeit bauten Nicolas Gehrig, Hasan Parag und ich eine Webplattform auf, die sich mit dem Sterben befasst. Wir wollten auf „http://www.DeinAdieu.ch ein Onlineangebot rund um die letzte Reise schaffen, mit einem umfangreichen Angebot zum Thema Tod und Sterben. Interessierte sollten ihre Bestattung planen können, ein Testament generieren, einen Vorsorgeauftrag ausfüllen. Diverse Dokumente wollten wir zum Download bereitstellen. Es sollte eine Zusammenstellung geben über die verschiedensten Angebote für Menschen, die ihre letzte Lebensphase selbstbestimmt gestalten möchten. Wir wollten das Palliative-Care- sowie das Hospiz-Angebot in der Schweiz aufzeigen. Umfangreich sollte sie werden, unsere Homepage. Einzigartig wurde sie. Und sämtliche Angebote sind für die User und Userinnen kostenlos.
DeinAdieu.ch
DeinAdieu.ch
DeinAdieu ist das erste Schweizer Online-Portal rund um die letzte Reise und möchte die User und Userinnen in dreierlei Hinsicht unterstützen:
  • Reportagen und Berichte
  • Onlinehilfen
  • Servicepakete
DeinAdieu arbeitet in einem Team offen mit verschiedenen Akteuren der öffentlichen Hand, mit privaten Dienstleistern und mit Freiwilligen zusammen.
Das Online-Portal ist eine Social Entrepreneurship Initiative und möchte über Informationen, hochwertige Reportagen, Aufklärung und Services dazu beitragen, dem Sterben den Schrecken zu nehmen.
Die Trägerschaft besteht aus dem gemeinnützigen Verein DeinAdieu, der ethische, medizinische und juristische Fragestellungen diskutiert sowie Positionen erarbeitet und sich zudem um das Fundraising kümmert. In der Erarbeitung der genannten Positionen wird DeinAdieu durch fünf ehrenamtliche Beiräte unterstützt.
DeinAdieu.ch wird derzeit vollständig finanziert über Eigenmittel, Spenden sowie über Beiträge von Dienstleistern und Organisationen.
Facts & Figures
Gründung: 2015
Monatliche Besucher: über 20.000
Monatliche Facebook-Reichweite: über 40.000
Patientenverfügungen: >3.500 herruntergeladen seit Gründung
Testamentvorlagen: >2.500 herruntergeladen seit Gründung
Bestattungsplanungen: >600 herruntergeladen seit Gründung
Das Thema Tod darf kein Tabu mehr sein
Mit DeinAdieu.ch wollen wir Serviceleistungen anbieten, informieren, unterhalten und mithelfen, ein Tabu zu brechen. Ganz im Sinne von Roland Kunz, der unser erster Beirat wurde.
Sein Engagement für einen anderen Umgang mit dem Tod hat das Projekt maßgeblich beeinflusst. In einem Gespräch mit DeinAdieu sagte er: „Nicht einmal in Spitälern oder Arztpraxen ist es gang und gäbe, über das Sterben, über den Tod zu reden. Und gerade solche Gespräche sind mir ein sehr großes Anliegen. Patienten sprechen mit Angehörigen über alles andere. Und die Angehörigen wollen den schwerkranken Patienten schützen. Sie erwähnen eine todbringende Krankheit nur hinter vorgehaltener Hand. Sie sagen: ‚Man muss doch positiv denken. Wir aber wollen über das Sterben und den Tod reden können.
Tod, Leben und Sterben ein Blog-Thema?
D...
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aus: pflegen Palliativ Nr. 38 / 2018

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