Heidrun Pundt

CancerSurvivorship

Zur Begleitung von Langzeitüberlebenden nach Krebs werden Konzepte und Interventionen benötigt
Zur Begleitung von Langzeitüberlebenden nach Krebs werden Konzepte und Interventionen benötigt, Foto © REDPIXEL | stock.adobe.com

Heidrun Pundt

Langzeitüberleben bei einerKrebserkrankung

Jährlich erkranken ca. 480 000 Menschen in Deutschland an Krebs (Robert Koch-Institut, 2017). Dank moderner Behandlungsmethodenhaben viele dieser Menschen eine hohe Lebenserwartung. Welche Herausforderungen durch Spätfolgen von Erkrankung und Behandlungsind damit für betroffene Menschen verbunden? Welche Konzepte und Interventionen zu ihrerBegleitung sind erforderlich?

Je nachdem, wie frühzeitig ein Tumor entdeckt wird, können Menschen davon geheilt werden oder noch lange mit der Krebserkrankung leben. Dann betrachtet man eine Krebserkrankung auch als chronische Erkrankung. Nach Günster et al. (2011) spricht man dann von einer chronischen Erkrankung, wenn ein sich entwickelnder, mindestens über ein Jahr bestehender und ohne Behandlung mit schweren Störungen einhergehender Krankheitsverlauf, der eine auf die Bedürfnisse und Lebenssituation angepasste Versorgung erfordert, gegeben ist.
Das Robert Koch-Institut (2017) schätzt, dass es etwa vier Millionen Langzeitüberlebende einer Krebserkrankung gibt. Infolge der längeren Überlebenszeiten berichten viele der betroffenen Personen von gesundheitlichen, aber auch von seelischen und sozialen Spätfolgen der Krebserkrankung und -behandlung (Deutsches Krebsforschungszentrum, 2011) (siehe Kasten 1).
Kasten 1: Körperliche, seelische und soziale Spätfolgen
Kasten 1: Körperliche, seelische und soziale Spätfolgen
Modifiziert nach Deutsches Krebsforschungszentrum, Krebsinformationsdienst, 2019
  • Herz-, Lungen- und Nierenschäden
  • Störungen der Fruchtbarkeit und der Sexualität
  • Nebenwirkungen an Haut, Schleimhaut und Zähnen
  • Lymphödem
  • Nervenschäden (Neuropathie)
  • Schädigung des Gehörs und der Augen
  • Störungen des Stoffwechsels und der Schilddrüsenfunktion
  • Knochen- und Muskelschwund
  • neue (zweite) Krebserkrankung
  • chronische Erschöpfung (Fatigue)
  • Angst, Depression und chronische Schmerzen
  • Störungen der Konzentration und der Feinmotorik
  • Beeinträchtigung des Körperbildes
  • familiäre, berufliche und finanzielle Probleme
Forschung und Konzepte zu Cancer Survivorship
Im angelsächsischen Raum beschäftigt man sich schon lange mit den Krebs-Überlebenden, den sogenannten Cancer Survivors. Die Nationale Koalition Cancer Survivorship in den USA definierte schon 1996 Cancer Survivorship als Zeitraum von Beginn der Diagnosestellung über Therapie und Nachsorge bis zum Lebensende, um entsprechend die Behandlung und Begleitung an die verschiedenen Erkrankungsphasen und Lebenslagen anzupassen (NCCS, 1996) (siehe Kasten 2 ).
Auch der amerikanische Psychologe Michael Feuerstein (2007) beschrieb aufgrund eigener Krankheitserfahrungen die verschiedenen Phasen einer Krebserkrankung. Sein Bedarf an professioneller Begleitung war in den verschiedenen Erkrankungsphasen sehr unterschiedlich und er war darauf angewiesen, dass die behandelnden Personen das auch erkannten.
Das National Cancer and Palliative Rehabilitation Workforce Project in Großbritannien hat auf Grundlage des Cancer-Survivorship-Modells von Feuerstein den Cancer care pathway für das Nationale Gesundheitssystem (NHS) entwickelt. Der Behandlungspfad berücksichtigt die verschiedenen Phasen und Verbindungen der Krebserkrankung, deren Behandlung und Rehabilitation, der palliativen und Lebensendphase sowie den daraus entstehenden Bedarf an Versorgung und Betreuung durch multiprofessionelle Teams aus den Bereichen Medizin, Pflege, Psychologie, Physio- und andere Therapien.
Das Ablaufdiagramm (Flowchart ) zeigt detailliert den Patientenweg zur Beurteilung des Versorgungsbedarfs. Je nachdem, in welcher Phase sich die an Krebs erkrankten Personen befinden, ist mehr oder weniger Unterstützung nötig. Aus Sicht der Cancer Survivors ist der Bedarf: „So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Dies erfordert von den behandelnden Personen ein Verständnis von vernetzter Betreuung zur individuellen Begleitung.
Das Pflege- und Behandlungsteam muss die Fähigkeiten und Kenntnisse...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 45 / 2020

Krebs

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: palliativ" Wissenschaft