Claudia Oetting-Roß

Beratungsqualität in der Pflege

© iStock.com/sturti

Claudia Oetting-Roß

Situation und Beratungsbedarf schwerkranker Menschen und ihrer Angehörigen sind sehr verschieden. Wie kann gute Beratung gewährleistet werden, die den Menschen und ihren Bedürfnissen gerecht wird? Mit dieser Frage befassten sich Fachleute im Rahmen einer Perspektivenwerkstatt des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP). Sie haben einen auch für Pflegende in der Palliative Care interessanten Qualitätsrahmen entwickelt, den die Autorin im folgenden Beitrag vorstellt.

Beratung und psychosoziale Begleitung sind in allen pflegerischen Handlungsfeldern und Settings eine wichtige Aufgabe. Seit 2004 ist Beratung ein fester Bestandteil der Ausbildung Pflegender. Der Gesetzgeber hat in den vergangenen Jahren die Bedeutung von Beratung erkannt und in der Pflegeversicherung verschiedene Beratungsansprüche und -anlässe geschaffen (z.B. § 7 und 7a SGB XII; § 45 SGB XI), um kranke und pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen zu unterstützen.
Über das, was im Rahmen einer Pflegeberatung geschieht, und wie sich die Qualität des pflegerischen Beratungshandelns darstellt, ist bislang wenig bekannt (Oetting-Roß et al., 2016). Vor diesem Hintergrund wurde innerhalb der Perspektivenwerkstatt „Potenziale von Beratung in der Pflege im Auftrag des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) in einem zweijährigen Arbeitsprozess ein Qualitätsrahmen für Beratung entwickelt. Dieser Qualitätsrahmen liefert auch für die Beratung im Kontext von Palliative Care wichtige Hinweise.
Beratungsbedarf und Anforderungen an Beratung
Insbesondere in palliativen Pflegesituationen, in denen sich Krankheitsverläufe schnell verändern, regelmäßige Anpassungsleistungen an die Situation des erkrankten Menschen notwendig sind oder Verlusterfahrungen und wiederkehrende Krisen auftreten, kann Beratung einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Situation leisten. Oft sind Unsicherheit, Belastung und Sorge des erkrankten Menschen und seiner Angehörigen groß. Die Sorge und eine gemeinsame Verantwortung für die Pflege verlangt allen Beteiligten viel ab emotional, aber auch bezogen auf den praktischen Einsatz und hinsichtlich zu treffender Entscheidungen über Inhalt, Ausmaß und Umsetzung der Pflege. Nicht selten fehlt es erkrankten Menschen und ihren Familienmitgliedern an Wissen über Pflegeverläufe und -techniken, über Entlastungs- bzw. Unterstützungsmöglichkeiten und Sozialleistungsansprüche.
Familienmitglieder und andere Angehörige
Familienmitglieder und andere Angehörige
Im Sinne einer familienorientierten Pflege liegt diesem Beitrag ein breites Familienverständnis zugrunde. Familie sind nicht nur die gesetzlichen Angehörigen − Familie wird verstanden als private Beziehungen von Generationen und Geschlechtern, die sich um praktische, verbindliche Sorge füreinander („Care) zentriert.
Ziele von Beratung
Beratung setzt hier an und zielt allgemein gesprochen darauf ab, Strategien zur Problemlösung zu entwickeln. Dabei ist eine gemeinsame Suche nach Lösungsstrategien charakteristisch. Im Idealfall finden erkrankte Menschen und pflegende Angehörige im Rahmen von Beratung Wertschätzung, Anerkennung, Verständnis, bedürfnisorientierte Hilfestellung und Begleitung bei der Bewältigung ihrer individuellen Situation. Übergeordnetes Ziel von Beratung ist es, Ratsuchende zu befähigen, informierte Entscheidungen zur Bewältigung ihrer individuellen (palliativen) Pflegesituation zu treffen.
Beratungsangebote sollten sich grundsätzlich am individuellen Bedarf und an den Bedürfnissen des Ratsuchenden orientieren. Gerade im Kontext von Palliative Care geht es nicht immer um Wissensvermittlung. Auch andere Vorgehensweisen können die Entwicklung einer Problemlösung unterstützen, z.B. durch:
  • Ermöglichen eines Perspektivwechsels
  • Kompetenzförderung und Befähigung (Empowerment)
  • anwaltschaftliche Unterstützung und Begleitung.
Beratung kann einen Beitrag dazu leisten, den Verlust von Ressourcen einzugrenzen oder...
pflegen Palliativ
Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Weiterlesen im Heft

Ausgabe kaufen

pflegen Palliativ abonnieren und digital lesen!
  • Exklusiver Online-Zugriff auf Ihre digitalen Ausgaben
  • Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
  • Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen

Zeitschrift abonnieren

Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 39 / 2018

Kommunizieren

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: palliativ" Praxis