Basishygiene bei der Pflege von Menschen mit Demenz

Ob sich ein Mensch infiziert, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab
Ob sich ein Mensch infiziert, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, Foto: © Alexander Raths/stock.adobe.com

Hygiene und Hygienemanagement sind wichtige Themen in Pflegeinrichtungen. Trotzdem gibt es im Alltag immer wieder Unsicherheiten. Die Krankenhaushygienikerin Claudia Schwarzkopf und der Facharzt Andreas Schwarzkopf klären über die rechtlichen Grundlagen auf, beschreiben potentielle Erreger und informieren über die wichtigsten Hygienemaßnahmen.

Rechtliche Grundlagen
Prinzipiell werden im Infektionsschutzgesetz, auch als IfSG bezeichnet, zwei unterschiedliche Hygienerechtsgebäude präsentiert. Für beide gilt: Die Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) am Robert-Koch-Institut (RKI), aufgewertet durch den § 23 Abs. 3 IfSG, gelten als „Stand der medizinischen Wissenschaft in der Hygiene, und Verstöße gegen die Empfehlungen (in der Summe nicht ganz korrekt als „RKI-Richtlinie bezeichnet) müssen, vor allem im Falle eines Rechtsstreites, sorgfältig begründet werden. Man kann jedoch von der Richtlinie abweichend vorgehen, wenn Bewohner- und Mitarbeiterschutz gleich effizient erfüllt sind.
In § 23 Abs. 3 IfSG werden medizinische Einrichtungen bzw. deren Leiter verpflichtet, Infektionen zu verhüten und die Weiterverbreitung von Erregern, insbesondere solche mit Resistenzen, zu verhüten. Das kann nur durch Isolierungen und Desinfektionsmaßnahmen gelingen.
Menschen mit Demenz werden aber in der Regel in Einrichtungen nach § 36 IfSG betreut, also je nach Schweregrad der Demenz im Häuslichen Bereich oder betreuten Wohnen (ambulante Pflege) bzw. in einem Heim (stationäre Pflege). Für letztere hat die KRINKO unter Berücksichtigung der besonderen Situation von Heimen, die ja gleichzeitig die Wohnung der Betreuten sind, im Jahr 2005 die Empfehlung „Infektionsprävention in Heimen herausgegeben.
Belange des Arbeitsschutzes sind in der Biostoffverordnung, praktisch umgesetzt durch die TRBA/BGR 250, dargestellt. Hier finden sich Abschnitte, die für stationäre Einrichtungen sowohl medizinischer als auch pflegerischer Art zutreffen, für die ambulante Pflege gibt es mit der Ziffer 5.1 der TRBA 250 ein eigenes Kapitel.
Die TRBA 250 ist eine gesetzesähnliche Vorschrift und ist einerseits eine Durchführungsbestimmung zur BiostoffV, deren Erfüllung auch ohne Anlass durch die Gewerbeaufsicht kontrolliert werden kann. Als identisches Dokument entspricht sie andererseits der Unfallverhütungsvorschrift BGW-Regel 250 oder GUV-R 250. Hier wird die Durchführung kontrolliert, wenn ein Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit gemeldet werden.
Für den Umgang mit und die Aufbereitung von Medizinprodukten gilt die Medizinproduktebetreiber-Verordnung (MPBetreibV) als verbindlichste Quelle für hygienische Maßnahmen, konkrete Hinweise zur Umsetzung gibt die KRINKO-Empfehlung „Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten von 2012.
Der Umgang mit Arzneimitteln ist im Arzneimittelrecht verankert, die meisten Informationen sind der Europäischen Pharmakopöe (Pharm. EU) hinterlegt. Für Injektionen und Punktionen gab die KRINKO-Empfehlung „Anforderung an die Hygiene bei Punktionen und Injektionen (2011) heraus.
Für alle anderen Bereiche der Versorgung gibt es Hinweise von der KRINKO oder in der TRBA 250, auf die dann themenbezogen eingegangen wird.
Risikobewertung und Hygieneplan
Alle Hygienemaßnahmen sind in detaillierten Arbeitsanweisungen festzulegen, die in ihrer Gesamtheit den Hygieneplan bilden. Ein zeitgemäßer Hygieneplan wird nicht nur nach vorgegebenen Richtlinien gefertigt, sondern aufgrund einer einrichtungsspezifischen Risikobewertung.
Diese Risikobewertung berücksichtigt bauliche und funktionelle Gegebenheiten (Strukturqualität), den mittleren Zustand der Bewohner und zu erwartende Krankheitserreger. So entsteht ein situationsgerechtes Hygienemanagement, also weder zu „wenig noch zu „viel Hygiene. Werden externe Dienstleister eingesetzt, gehören diese mit zu der durch die Leitung zu verantwortenden Strukturqualität.
Potentielle Erreger
Bak...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Demenz Nr. 48 / 2018

Hygiene

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: Demenz" Wissenschaft