Hans-Martin Gräßlin

Auf zu neuen Ufern – aber wie?

Das Leben führt uns immer wieder zu neuen Herausforderungen
Das Leben führt uns immer wieder zu neuen Herausforderungen, Foto © : istock.com/VTT Studio

Hans-Martin Gräßlin

Anlässe, Wege, Blockaden, Erfolge mit Empathie zum Ziel

„Ich muss mich beruflich verändern! Es geht so nicht weiter! Mein Arbeitsplatz zermürbt mich. Aber woher weiß ich, dass ich das Richtige tue? Soll ich die angebotene Managementposition annehmen und dafür die nahe Zusammenarbeit mit meinem Team auf Station beenden? Soll ich den ersten Schritt in die Veränderung wagen oder abwarten, bis sich um mich herum alles ändert? Wie kann ich mit der Vergangenheit abschließen und muss ich das überhaupt? Gibt es ein „Patentrezept für eine gelungene berufliche Veränderung? Der Diplom- und Heilpädagoge Hans-Martin Gräßlin gibt dazu einen lyrischen Ausblick. Am Ende, entscheidet das Herz.

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen (Chinesisches Sprichwort). Benötigen wir diese Entscheidung zu etwas Neuem überhaupt? Was zwingt uns schon, uns auf den Weg zu machen, zu neuen Ufern, oder gar zum Wandel? „Lasst fahren hin das Allzuflüchtige souffliert da Goethe aus der Kulisse (Goethe, 1954).
„Man kann nicht nicht kommunizieren (W1) also kann man sich auch nicht nicht verändern, das wissen wir seit den Zeiten von Paul Watzlawick. Noch mal, und noch banaler: Ohne Stoffwechsel und ohne Ein- und Ausatmen gibt es bekanntlich kein Leben! Sollte also Veränderung letztlich unvermeidbar, gar unabdingbar sein? Wenn ja, ist es dann nicht reizvoll, selbst die Initiative zu ergreifen und sich zu verändern, statt passiv abzuwarten?
Wenn ich das Gefühl habe, ich will Veränderung haben, oder da ergibt sich – zwangsweise eine Veränderung: Sollen wir diese mitgestalten oder doch lieber erst einmal abwarten?
Wenn es Zeit scheint für eine neue Lebensstufe, freiwillig oder unfreiwillig: Was ist zu tun, außer abzuwarten? Vielleicht schwanken Sie zwischen „Änderungsresistenz und „Neugierologie? Oder, Sie erinnern sich vielleicht an Ihren letzten Spaziergang mit einem kleinen Kind: Da taucht ein Hund auf! „Wauwau streicheln!, sagt das Kind und geht auf den Hund zu. Es bleibt nach einiger Zeit mit schon erhobener Hand stehen. „Ja, willst du jetzt streicheln, oder nicht?, fragen Sie das Kind. „Ich weiß nicht!, antwortet es. In dieser Situation sind Sie Zeuge eines Appetenz-Aversions-Konflikts (Appentenzverhalten: nach etwas streben). Das Kind möchte den Hund streicheln, aber beim Näherkommen wachsen die Bedenken, dass der Hund beißen könnte. Sind die Appetenz- und Aversionsenergien gleich stark, stockt das Kind und fühlt sich blockiert. Sie: „Soll ich noch ewig warten? Das Kind: „Ich weiß es nicht!
Wir hören, wir spüren einen Ruf. Ist es ein Ruf des Herzens? Oder vielleicht ein Lied wie das der Loreley die den Fischer betört und sein Schiff am Felsen zerschellen lässt. Oder trauen wir dem Ruf nicht, und sichern uns, wie einst Odysseus, der sich am Mast des Schiffes festbinden (griechische Mythologie) ließ, um den Sirenenklängen nicht zu erliegen? Der Kapitalismus hat auch „Sirenenklänge und versucht es auch mit uns. Passend dazu sinngemäß vielerlei Werbeinitiativen unserer Zeit, mit diesem Tenor: Kaufe diesen Füller/dieses Auto und du wirst nicht nur gut schreiben/fahren, sondern du wirst Erfolg haben, und das vor allem viel mehr als alle anderen ..! Rufe des Herzens oder Rufe von Verführern? Rücksicht und Kooperation oder „erst mal ich? Mitgefühl und Empathie oder „Was geht mich das alles an? Arno Gruen spekuliert in seinem „Wider die kalte Vernunft, dass viele Missgeschicke, oder das Missgeschick an sich, über die Menschheit kamen, als sie Kommunikation und Empathie den Nachrang gab, zugunsten von Missgunst und Neid auf die Besitztümer der anderen. Die Menschheit erfand den Gehorsam gegenüber konkurrierendem Erfolgsversprechen, statt freizügigem bedingungslosem Teilen, gegenüber zimperlicher Missgunst den Vorrang zu geben (Gruen, 2016).
Antoine de Saint-Exupérys „Kleiner Prinz meint: „Man sieht nur mit dem Herzen gut und: „die wesentlichen...
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aus: pflegen Demenz Nr. 57 / 2020

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