Allein auf weiter Flur*

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Studie: Erkenntnisse zu der Situation des Nachtdienstes in deutschen Pflegeheimen

Eine Pflegekraft im Nachtdienst ist im Durchschnitt für ca. 50 Bewohner und Bewohnerinnen zuständig. Gespräche, aber auch pflegerische Maßnahmen, können häufig aus Zeit- und Personalmangel nicht stattfinden. Eine Studie von Prof. Christel Bienstein und Prof. Dr. Jörg große Schlarmann, dokumnetiert die Sorgen und Wünsche von Pflegekräften, aus der sich Empfehlungen für die Zukuft ableiten lassen.

Die Situation während der Nachtdienste in den Pflegeberufen ist bislang nur wenig wissenschaftlich untersucht. Die vorhandenen internationalen Studien konzentrieren sich dabei hauptsächlich auf die Nachtwache in Krankenhäusern und kommen zu dem Ergebnis, dass Nachtschichten mit einer höheren Arbeitsbelastung assoziiert sind (vgl. Buja A, Zampieron A, Mastrangelo G et a. 2013l). Dazu gehören beispielsweise Entscheidungsprozesse unter Müdigkeit (vgl. Nilsson K, Campbell AM, Andersson EP, 2008), permanente Alarmbereitschaft (vgl. Zannini L, Ghitti MG, Martin S et al. 2015), volle Verantwortung als einzige Pflegeperson im Dienst (Bienstein C, Mayer H, 2014) und leises Arbeiten bei gedämmtem Licht (vgl. Nilsson K, Campbell AM, Andersson EP, 2008).
Nachtdienstler haben geringere Möglichkeiten, an Fortbildungen teilzunehmen als Pflegende im Tagdienst (vgl. Mayes P, Schott-Baer D, 2010; Becker DM, 2013). Auch fühlen sie sich durch Vorgesetzte und Kollegen weniger wertgeschätzt als Pflegepersonen, die tagsüber arbeiten (vgl. de Cordova PB, Phibbs CS, Stone PW, 2013). Dies kann so weit gehen, dass Tätigkeiten des Frühdienstes gegen besseren Wissens bereits während der Nacht erbracht werden, zum Beispiel Ganzkörperpflege, um die Erwartungshaltung der Kolleginnen und Kollegen zu befriedigen (vgl. Nilsson K, Campbell AM, Andersson EP, 2008).
Der Nachtdienst bringt aber auch positive Aspekte mit sich. Nachtdienstler schätzen den Wert ihrer Arbeit als sehr hoch ein, da sie alleine und eigenverantwortlich Entscheidungen treffen und Tätigkeiten selbstständig durchführen (vgl. Saiani L, Brugnolli A, Ghitti MG et al. 2010; von Treuer K, Fuller-Tyszkiewicz M, Little G, 2014). Die Beziehung zu ihren Patienten beschreiben sie im Vergleich zum Tagdienst als inniger und konzentrierter (vgl. Zannini L, Ghitti MG, Martin S et al. 2015).
Die verfügbaren Studien beleuchten jedoch ausschließlich
die Situation während der Nächte in Krankenhäusern. Daten über die Situation in Pflegeheimen liegen bislang nicht vor. Dies ist insofern interessant, da sich die Institutionstypen im Hinblick auf das Klientel Bewohner versus Patienten und die daraus resultierenden pflegerischen Tätigkeiten unterscheiden. Somit sinddie Daten der Krankenhäuser nicht auf die Situation in Pflegeheimen übertragbar.
Ziel des Forschungsprojektes war es daher, Erkenntnisse
über die Situation von Nachtdienstlern in deutschen Pfleg eheimen zu gewinnen, um so einen eigenständigen Beitrag zur Diskussion zu leisten. Dabei wurde beispielsweise erhoben,
  • wie viele Bewohner durchschnittlich zu versorgen sind,
  • welche Tätigkeiten typischerweise durchgeführt oder
  • auch ausgelassen werden müssen,
  • welche belastenden, aber auch positiven Faktoren dasArbeiten in der Nacht bereit hält und
  • welches Verbesserungspotenzial die Pflegenden für
  • den Nachtdienst sehen.
Die Daten wurden über einen standardisierten Online-Fragebogen erhoben. Dieser bestand aus 36 überwiegend geschlossenen Fragen und wurde in Kooperation mit der Diakonie Düsseldorf erarbeitet.
Eine Pflegekraft betreut rund 27 Bewohner mit einer Demenzerkrankung
Der Fragebogen wurde von 1 307 Personen aufgerufen. Von diesen haben insgesamt 276 Personen den Fragebogen vollständig ausgefüllt. Unter den Probanden befinden sich 221 Frauen und 55 Männer. Sie sind im Durchschnitt 44,2 Jahre alt und arbeiten seit durchschnittlich 18,1 Jahren in der Pflege. Davon wurden im Schnitt 9,9 Jahre im Nachtdienst erbracht.
Durchschnittlich sind die...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Demenz Nr. 51 / 2019

Nacht

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: Demenz" Wissenschaft