Aktiv für älter werdende Menschen mit Migrationshintergrund

Das Internetportal www.demenz-und-migration.de der Deutschen Alzheimer Gesellschaft leistet einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung eines kultursensiblen Handelns
Das Internetportal www.demenz-und-migration.de der Deutschen Alzheimer Gesellschaft leistet einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung eines kultursensiblen Handelns, Foto: © Deutsche Alzheimer Gesellschaft

Das Internetportal www.demenz-und-migration.de und andere Projekte zur Unterstützung kultursensibler Pflege

Allen in Deutschland lebenden alten Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, sollte der Zugang zu Beratung und zu den Institutionen der Altenhilfe offen stehen. Weiter sollte kultursensibles fachliches Handeln selbstverständlich und Ausdruck professionellen Handelns sein. Dies flächendeckend zu verwirklichen, ist die Herausforderung der nächsten Jahre. Helga Schneider-Schelte, Deutsche Alzheimer Gesellschaft, stellt verschiedene Projekte vor, die Betroffene und Pflegende darin unterstützen möchten.

Die Zahl der älteren Migrantinnen und Migranten in Deutschland wird in den nächsten Jahren deutlich steigen. Diese Bevölkerungsgruppe ist nicht homogen, sondern sehr verschieden: es sind Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten, Aussiedlerinnen und Aussiedler, jüdische Einwanderinnen und Einwanderer und Geflüchtete. Den größten Anteil bilden die ehemals angeworbenen „Gastarbeiter und ihre Familienangehörigen. Manche leben seit Jahrzehnten in Deutschland, andere sind erst als ältere Menschen eingewandert. Sie alle sind zukünftig potenzielle Nutzerinnen und Nutzer des deutschen Altenhilfe- und Gesundheitssystems.
Bislang profitieren Menschen aus anderen Kulturen zu wenig von den vorhandenen Angeboten. Ursachen dafür sind seitens der Migranten Sprachprobleme, Vorbehalte gegenüber Pflege-Institutionen und die Erwartung, dass die eigenen Kinder und Verwandten die Pflege übernehmen. Andererseits erschweren hohe Zugangsbarrieren und die schwer durchschaubare Struktur des Altenhilfe- und Gesundheitssystems die Inanspruchnahme. In Deutschland wird der „mündige Patient vorausgesetzt. Behandlungsplanung und Therapie erfolgen im Austausch mit dem Arzt bzw. den Pflegenden. Wenn jemand Unterstützung benötigt, muss er den Bedarf deutlich signalisieren und einfordern dann stehen ihm die verfügbaren Angebote offen (Komm-Struktur). Menschen mit Migrationshintergrund sind dagegen weniger fordernd, sie verhalten sich eher abwartend und hoffen auf die Unterstützung der Kinder. Fremde Hilfe wird abgelehnt es fehlen Information und Vertrauen.
Besondere Belastungen bei Demenz und Migration
Die Versorgung, Betreuung und Pflege eines Menschen mit Demenz bedeutet für alle pflegende Angehörige eine große seelische und körperliche Belastung. Die Menschen mit Demenz selbst sind durch die Erkrankung verunsichert. Sie fühlen sich unverstanden, auch bedingt durch die krankheitsbedingten Sprach- und Verständigungsschwierigkeiten.
Durch den Migrationshintergrund verstärken sich Gefühle von Fremdheit. Sicherheit wird durch Rückzug in die eigene Familie gesucht.
Aus zahlreichen Studien zur Situation pflegender Angehöriger wissen wir jedoch: die Inanspruchnahme von frühzeitiger und geeigneter Unterstützung hat einen positiven Effekt auf die Lebensqualität und das Wohlbefinden sowohl der Pflegenden als auch der Erkrankten. Daher ist es dringend erforderlich, Migrantinnen und Migranten mit Demenz und ihre Angehörigen stärker in den Blick zu nehmen und Versorgungsstrukturen zu entwickeln, die auf die sprach- und kulturspezifischen Bedürfnisse der Betroffenen und ihrer Angehörigen eingehen. Dazu ist es notwendig, Kontakte zu den Communities aufzubauen. Bestehende Zugangsbarrieren haben viel mit Unkenntnis über die unterschiedlichen Kulturen und mit nicht vorhandenem Vertrauen zu tun. Ein Abbau der Zugangsbarrieren kann z.B. erfolgen durch
  • Kontaktaufnahme zu Schlüsselpersonen aus dem Umfeld der Migranten,
  • Einbindung von Migranten bereits bei der Planung neuer Angebote,
  • Einstellung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die die notwendigen kulturellen Kompetenzen mitbringen,
  • Erwerb von interkultureller Kompetenz durch Fort- und Weiterbildung,
  • Einbeziehung der ganzen Organisation in den Entwicklungsprozess: Interkulturelle Öffnung muss „von oben gewollt und von unten getragen werden ( Dr. Ali Kemal Gün,...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Demenz Nr. 47 / 2018

Herausforderung Migration

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: Demenz" Praxis