Barbara Loupatatzis | Isabelle Karzig-Roduner

Advance Care Planning – der Schweizer Weg

Manche Menschen verfügen für Notfalle auch intensivmedizinische Behandlungen
Manche Menschen verfügen für Notfalle auch intensivmedizinische Behandlungen, Foto © Suphattra China | stock.adobe.com

Barbara Loupatatzis | Isabelle Karzig-Roduner

Ein Instrument für die gesundheitliche Vorausplanung

Die gesundheitliche Vorausplanung für das Lebensende ist weltweit ein Thema. Wissenswertes über die Entstehung des ACP-Konzepts, die wesentlichen Inhalte und die Umsetzung sowie den speziellen Weg in der Schweiz wird nachfolgend aufgezeigt.

V iele Menschen wissen im Notfall nicht, welche medizinische Behandlung ein Angehöriger wünscht (siehe Praxisbeispiel Teil 1). Um solche Situationen zu vermeiden, entwickelte Bud Hammes, ein Arzt in Wisconsin (USA), schon vor 20 Jahren das Programm Respecting Choices. Kernstück ist ein Formular, in dem Menschen festhalten können, wie sie in einer Notfallsituation behandelt werden möchten, die sogenannte POLST (Physician Order for Life Sustaining Treatment). Diese wird nicht allein von den Betroffenen, sondern immer gemeinsam mit einem professionellen Berater ausgefüllt, der ein standardisiertes Training absolviert hat.
PRAXISBEISPIEL Teil 1:Was tun?
PRAXISBEISPIEL Teil 1:Was tun?
Beat Hansen*, ein 65-jähriger Patient mit metastasiertem Prostatakarzinom, wird mit Verdacht auf Schlaganfall auf die Notfallstation gebracht. Er ist ansprechbar, gibt jedoch keine adäquaten Antworten. Seine Ehefrau ist verzweifelt und ratlos, da der Arzt auf eine schnelle Antwort bezüglich des weiteren Vorgehens drängt. Soll er auf eine Intensivstation verlegt werden? Soll eine Hämolyse durchgeführt werden? Frau Hansen hat Angst um das Leben ihres Mannes und weiß nicht, wie sie entscheiden soll. Was würde ihr Mann in dieser Situation wollen? Sie haben noch nie darüber gesprochen und es gibt auch keine Patientenverfügung.
*Name von der Redaktion geändert
Weiterentwicklung von Advance Care Planning
Parallel entwickelte der kanadische Bioethiker Peter Singer die erste Definition von Advance Care Planning (ACP). Er beschreibt einen „Prozess, der den Patienten befähigt, seine Wünsche gemeinsam mit seinem Behandlungsteam, seiner Familie und anderen wichtigen Bezugspersonen auszudrücken. Gegründet auf dem ethischen Prinzip der Patientenautonomie und der legalen Bestimmung einer informierten Zustimmung (Singer et al., 1996). Diese Definition wurde in den vergangenen Jahren international aufgegriffen; das Konzept wurde in vielen Ländern übernommen und weiterentwickelt (siehe Beitrag Feddersen & Nauck).
Kernkomponenten der ACP-Beratung
Im Zentrum von ACP steht die ausgebildete Beratungsperson, die den gesamten Prozess begleitet (siehe Beitrag Nauck et al.; Beitrag Stanze; Beitrag Petri; Beitrag Stanze, ). Dies ist aus verschiedenen Gründen für einen Erfolg ausschlaggebend.
Gesprächsprozess
Menschen setzen sich in dem Beratungsgespräch oft erstmalig mit Leben, Krankheit und Sterben und ihren damit verbundenen persönlichen Wünschen und Vorstellungen, aber auch mit ihren Erwartungen und Ängsten bezüglich medizinischer Behandlungen auseinander. Entsprechend hören ihre vertretungsberechtigten Personen erstmals davon und sind nicht immer derselben Meinung. Eine zertifizierte Beratungsperson kann eine sichere Umgebung schaffen, in der alle Beteiligten ihre Anliegen und Befürchtungen ausdrücken können. Nur durch diese gemeinsame Auseinandersetzung mit dem Thema gelingt am Ende eine Festlegung, die alle verstehen und mittragen können.
Medizinische Informationen
Die meisten Menschen brauchen medizinische Informationen, die sie erst befähigen, die Konsequenzen der Entscheidungsmöglichkeiten zu verstehen und abzuwägen. So haben viele ein verzerrtes Bild von Reanimationen oder sie haben keine konkreten Vorstellungen von lebensverlängernden Therapien auf einer Intensivstation. Die Beratungsperson hilft ihnen, ihre Entscheidungen auf Basis medizinischer Fakten zu treffen.
Prüfung der Festlegungen
Die konsequente „Übersetzung der geäußerten Wünsche und Vorstellungen in medizinisch verständliche Festlegungen ist für die Umsetzung im Falle der Urteilsfähigkeit essenziell. Der Berater überprüft...
pflegen Palliativ
Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Weiterlesen im Heft

Ausgabe kaufen

pflegen Palliativ abonnieren und digital lesen!
  • Exklusiver Online-Zugriff auf Ihre digitalen Ausgaben
  • Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
  • Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen

Zeitschrift abonnieren

Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 42 / 2019

Vorausschauend planen

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: palliativ" Grundlagen