Selbstsorge: Bewahren Sie einen kühlen Kopf

Als Pflegekraft zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Pflegefachpersonen haben zu ihrem großen Fachwissen eine enorm hohe soziale Kompetenz. Heutzutage leiden viele Pflegende unter der Diskrepanz, durch den gegebenen Zeitdruck nicht die Pflege durchführen zu können, die sowohl ihrem Fachwissen als auch einer guten zwischenmenschlichen Beziehung entspricht. Silke Wüstholz möchte Ihnen Anregungen zum Umgang mit dieser Herausforderung geben und Sie bei der Selbstsorge unterstützen.

Thematisieren Sie unrealistische Anforderungen
Wie Sie den Umgang mit Ihrem Anspruch im pflegerischen Berufsalltag und der Wirklicht meistern können. ©Syda Productions - stock.adobe.com

Herausforderung zum Dienstbeginn 

Der Alltag einer Pflegekfachperson kann zermürbend sein. Nicht selten sieht sie sich zu Dienstbeginn mit der Tatsache konfrontiert, dass die Schicht nicht vollständig besetzt ist, da zum Beispiel Kollegen krank sind. In dem Moment spielen sich im Kopf der Pflegenden all die Szenarien ab, die der Arbeitstag mit sich bringen wird. Und sie ist sich sofort darüber im Klaren, dass sie dem Arbeitsaufwand auch heute wieder nicht gerecht werden wird – und es objektiv betrachtet auch gar nicht werden kann. Die Patientenübergabe kann die Stimmung nicht verbessern. Es sind zum Beispiel frischoperierte Menschen zu versorgen sowie Menschen mit einem hohen Pflege- und Betreuungsbedarf. Die Aussicht, all das mit der Auszubildenden schaffen zu sollen, steigert das inneren Stresslevel. Denn das bedeutet, die Verantwortung liegt bei der examinierten Pflegeperson. Man mag sich gar nicht ausmalen, was da alles passieren kann. Ganz zu schweigen von der Unmöglichkeit, eine echte Pause zu machen oder gar an einen pünktlichen Feierabend zu denken.Trotzdem möchten sie auch heute wieder möglichst alles schaffen.

Verantwortungen

Zunächst ist es in so einer Situation wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren und sich die Zeit zu nehmen, einen Plan zu machen:

  • Was muss auf jeden Fall erledigt werden und was können Sie guten Gewissens weglassen?
  • Was können Sie delegieren? Was kann zum Beispiel Ihre Auszubildende selbstständig erledigen? Welche klaren Anweisungen braucht sie dazu von Ihnen?
  • Gibt es Angehörige Ihrer Patienten, die Ihnen den einen oder anderen Handgriff gut abnehmen könnten?

Nicht selten gehen in der Atmosphäre der Übergabezeit und des Schichtbeginns viel Energie verloren, weil darüber lamentiert wird, wie schlimm alles ist. Darüber hinaus machen sich in angespannten Situationen die Schwierigkeiten im Team untereinander besonders bemerkbar, sodass auch darauf viel Energie verwendet wird.

Was brauchen Sie persönlich, um ihren Arbeitstag unter diesen äußeren Bedingungen gut gestalten können? 

  • Erlauben Sie sich in jedem Fall, realistisch zu bleiben. Was können Sie leisten, ohne sich zu erschöpfen?
  • Erkennen Sie an, dass Sie keine Verantwortung für das System tragen. Sprechen Sie offen und sachlich mit Ihren Vorgesetzten. Wo liegen die Grenzen des Machbaren?
  • Eine weitere Möglichkeit ist, sich als Team immer wieder die Zeit zur Reflexion zu nehmen. Unterstützen Sie sich  gegenseitig, anstatt sich zusätzlich übereinander zu ärgern.
  • Zuletzt: Auf welche Veränderung haben Sie tatsächlichen Einfluss? Wo machen Sie es sich einfacher, wenn Sie die Tatsachen akzeptieren?

Raus aus dem Hamsterrad - rein in die Sinnhaftigkeit?!

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