Eva Kuhn | Annette Rogge

Spiritual (Self-)Care

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Eva Kuhn | Annette Rogge

Die Sorge um sich selbst im Blick

Spiritual Self-Care ist die Sorge um die eigene spirituelle Suche der Pflegeperson selbst. Dazu gehört auch insbesondere die religionsunabhängige Auseinandersetzung mit existentiellen Fragen. Dieser Workshop sensibilisiert für die spirituelle Dimension (in) der Pflege und zeigt, wie Spiritual (Self-)Care im Pflegealltag umgesetzt werden kann.

Warum gerade ich? Diese Frage hört man in der Hospizarbeit und Palliativversorgung immer wieder. Sie wird von Patientinnen und Patienten gestellt, aber auch von Ärztinnen und Ärzten, die Angehörigen die Todesnachricht überbringen müssen, oder von Pflegenden, wenn sie einen schwerkranken Menschen bewusstlos auffinden. Das „Warum? oder „Wozu? stellt die Frage nach dem Sinn und weist damit über körperliche und psychosoziale Erklärungsansätze hinaus.
Grundregeln für die Praxis
„Spiritual Care kann nicht nur den betroffenen Menschen zukommen, sondern auch dem gesamten Behandlungsteam. Sie kann Sorge für sich und andere zugleich sein (Frick, 2009). Dabei gilt:
  • Eine gute (spirituelle) Sorge um sich selbst ist Grundlage und Voraussetzung für eine gute (spirituelle) Sorge für andere.
  • Spiritual Care folgt keiner Leitlinie, sondern entspringt einer Haltung (Kasten 1).
    Kasten 1: Spiritual (Self-)Care theoretische Basis
    Kasten 1: Spiritual (Self-)Care theoretische Basis
    Spiritualität ist eine dynamische Dimension des menschlichen Lebens. Es geht ihr um eine bestimmte Art, Sinn zu suchen und zu erfahren, sowie um Erklärungen nach der Verbundenheit mit anderen, mit sich selbst, der Natur und dem Heiligen (Kammerer et al., 2013). Spiritualität ist damit deutlich umfassender als Religiosität. „Spiritual Care‘“ ist demzufolge nicht Seelsorge. Sie ist vielmehr die Sorge (care) um Fragen menschlicher Existenz, wie beispielsweise Hoffnung und Verzweiflung, Leid und Freude, Schuld und Scham.
    Mit diesen Fragen sind nicht nur die kranken und sterbenden Menschen sowie deren Angehörige konfrontiert, sondern das gesamte Behandlungsteam. Die regelmäßige Konfrontation mit dem Tod in Hospizen und auf Palliativstationen führt die eigene Sterblichkeit vor Augen. Insbesondere das Versterben junger Menschen oder das Miterleben therapierefraktärer Symptome mit großem bio-psycho-sozialem sowie existentiellem Leidensdruck der betroffenen Personen kann bei den Pflegenden zu spiritueller Belastung (Stress) und/oder Mitgefühlserschöpfung (compassion fatigue) führen (Jünger, 2014).
    In einem solchen emotional aufgeladenen Umfeld, das zudem von im Gesundheitswesen verbreiteten Stressoren wie Arbeitsüberlastung geprägt ist, ist Selbstsorge von besonderer Bedeutung.
    Wie die Sorge um Patientinnen und Patienten basiert auch die Sorge um sich selbst auf einem ganzheitlichen Menschenbild mit körperlicher, psychischer, sozialer und spiritueller Dimension. Unter „Spiritual Self-Care ist dementsprechend die Sorge um die eigene spirituelle Suche der Pflegeperson selbst zu verstehen. Dazu gehört nicht nur die Ausübung einer Religion oder Weltanschauung, sondern auch und insbesondere die religionsunabhängige Auseinandersetzung mit existenziellen Fragen nach dem Woher, Warum und Wozu.
  • Lebendig wird Spiritual Care dann, wenn sie nicht ausschließlich in die Seelsorge verlagert wird, sondern verschiedene Professionen einbezieht (Kasten 2).
    Kasten 2: Werkzeuge von Spiritual Care
    Kasten 2: Werkzeuge von Spiritual Care
    in der Sorge um andere: Spiritual Care bedeutet eine Haltung sensibler weltanschaulicher Neutralität (Bürgi & Frick, 2017). Dementsprechend leistet sie nicht nur einen um die spirituelle Dimension erweiterten Blick auf Patientinnen und Patienten, sondern vermittelt eine bestimmte Haltung gegenüber sich selbst, den erkrankten Menschen sowie den Kolleginnen und Kollegen. Hierzu gehören aktives Zuhören, mitfühlende Anwesenheit ebenso wie wertschätzende Gespräche (Jung-Borutta & Sitte, 2016).
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aus: pflegen Palliativ Nr. 44 / 2019

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