Claudia Pesenti-Salzmann

Sexualität in Palliativsituationen

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Claudia Pesenti-Salzmann

Wichtige Aspekte für eine gesunde Beziehungsgestaltung

Palliative Care kann schon früh im Verlauf einer lebenslimitierenden Erkrankung Thema sein es bedeutet aber auch, Leben bis zum Schluss. Leben mit allen Aspekten, die für die betroffenen Personen und ihre Beziehungspartner wichtig sind: so auch Sexualität und Intimität. Eine Pflegefachfrau und Expertin für klinische Sexologie und sexuelle Körperarbeit verdeutlicht, wie mit dem Thema im Palliative-Care-Alltag umgegangen werden kann.

Die Lebensaspekte Sexualität und Intimität sind vielschichtig und haben für jeden Menschen eine individuelle Bedeutung. Das gilt auch für Personen mit einer lebenslimitierenden Diagnose für jüngere gleichermaßen wie für ältere. Aber was bedeutet die Umsetzung dieses Anrechts für die Mitarbeitenden in den unterschiedlichen palliativen Settings? Sind sie ausreichend auf eine entsprechende Kommunikation und die ggf. erforderliche Unterstützung vorbereitet?
Sexualität verstehen
Jeder Mensch hat eigene Vorstellungen von Sexualität, deshalb gilt es, dies zu klären.
Paul Sporken, Theologe und Bio-Ethiker aus den Niederlanden, stellt die Komplexität von Sexualität vereinfacht dar und beschreibt in seinem Drei-Zonen-Modell (1974) (siehe Abbildung), wie diese sich von Außen nach Innen auch entgegengesetzt beeinflussen. Wenn ein Mensch sich bei einigen Aspekten der äußeren Zone nicht wohl oder sicher fühlt, wird es auch schwieriger, das Körperliche (mittlere und innere Zone) enspannt, freudig und erfüllend zu erleben, wie das Praxisbeispiel veranschaulicht.
Praxisbeuspiel 1:Nicht mehr genug Frau
Praxisbeuspiel 1:Nicht mehr genug Frau
Frau Malberg* fühlt sich seit dem massiven Gewichstverlust durch ihre Erkrankung, der blassen Hautfarbe, der offenen Wunde am Bauch und der großen Müdigkeit sehr unattraktiv und  – wie sie mir traurig anvertraut „Nicht mehr genug Frau. Dabei möchte sie so gern von ihrem Mann einmal wieder zärtlich in die Arme genommen werden und kuscheln. Sie wagt es jedoch nicht, ihn darum zu bitten: „So ein Klappergestell, wie ich geworden bin, will er nicht. Er mag Frauen mit Rundungen und mit Power.
Kraft hat sie tatsächlich nicht mehr viel im Körper, ihre Gedanken jedoch überschlagen sich kraftvoll gegen sie selbst. Ihre Themen sind u.a. verändertes Selbst- und Körperbild, veränderte Beziehungen ihre Rolle in der Familie und in der Partnerschaft, Liebe im Sinn von, sich der Liebe und der Aufmerksamkeit nicht mehr wert fühlen.
*Name von der Redaktion geändert
Sexuelles Unwohlsein, z.B. sich selbst nicht mehr zu gefallen und die eigene mangelnde Wertschätzung (äußere Zone) wie es Frau Malberg aus dem Praxisbeispiel empfindet macht es schwieriger, in die körperliche Nähe (mittlere Zone) zu gehen, nach dieser zu fragen und sie entspannt zu genießen. Umso komplexer wird es dann auch bezüglich sexueller Aktivitäten mit Einbezug der Genitalien (innere Zone). Werden hingegen die Aspekte der beiden inneren Zonen wohlig und nährend erlebt, hat das förderliche Auswirkungen auf den Selbstwert, das Körperbild, das Vertrauen in sich und andere.
Wenn Betreuende diese Zusammenhänge verstehen, können sie diese auch den betroffenen Personen erklären. Diese fühlen sich dann oft weniger „falsch und eher ermutigt, Lösungen zu suchen. Denn: Sexualität ist so viel mehr als Machen sie beginnt mit SEIN.
Intimität ist individuell
Immer wieder erlebe ich in Gesprächen, dass Sexualität mit Intimität ersetzt wird. Beide Begriffe haben miteinander zu tun, doch sie sind keine Synonyme. Intimität hat viele Gesichter und definiert sich nach den jeweiligen Unterschieden oder Grenzen der Menschen.
Auch in der therapeutischen Beziehung gibt es Intimität; Health Professionals erleben das tagtäglich bewusst oder unbewusst. Intimität ist graduell, wird subjektiv erlebt und ist multidimensional. Dabei geht es nicht nur um Körperliches, sondern auch um psycho-emotionale,...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 44 / 2019

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Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: palliativ" Praxis