respectare® – Beziehung durch Berührung

Respektvolle Berührung

respectare® ist ein Pflegekonzept, das eine respektvolle Haltung in Pflege und Therapie fördern soll. Der Einrichtungs- und Pflegedienstleiter Thomas Börner hat das Konzept in seiner Einrichtung getestet und etabliert. Lesen Sie hier mehr zu seinen Erfahrungen.

pflegen: Demenz - Pflegekonzept für die Praxis
Neue Konzepte für die Pflege: respectare © LIAL/Shutterstock.com

Das Pflegekonzept respectare® 

respectare® weist mit ritualisierten Streichberührungen einen Weg mit erfolgsversprechender Möglichkeit, Beziehungen zu Menschen mit Demenz respektvoll zu gestalten. Hier wird ein wertschätzender Kontakt in die Welt der demenzerkrankten Bewohnerinnen und Bewohner aufgebaut und gehalten. In respektvoller Zuwendung wird dem Menschen Sicherheit und wohltuende Nähe vermittelt. Dies schafft Vertrauen und erlaubt es in die Welt der demenzerkrankten Personen einzutauchen, um sie auf ihrem Weg begleiten zu können (W1).

Persönliche Erfahrungen

Ich selbst durfte am Basiskurs für Leitungskräfte zum Kennenlernen des respectare® Konzepts teilnehmen. Damals war es ein völlig neuer Ansatz, zuerst Leitungskräfte zu schulen, sie mit dieser Form von Beziehungsgestaltung zu konfrontieren und zu sensibilisieren. Wir wurden angeleitet, untereinander eine Arm- und Handmassage sowie Kopf- und Rückenmassage durchzuführen. Es war unglaublich, wie der eigene Körper entspannte und sich ein wohltuendes Gefühl einstellte. Es war angenehm, diese Atmosphäre zu spüren und dabei Entspannungsmusik zu hören. Ich weiß aus Erzählungen, dass sich in manchen Krankenhäusern und Einrichtungen Kolleginnen und Kollegen untereinander, z. B. in Pausen, solch eine Behandlung schenken und so ihre Energiereserven wieder auffüllen. Diese Weiterbildung und die damit verbundenen Erfahrungen waren ausschlaggebend für die Entscheidung, respectare® in den Alltag unserer Einrichtung einfließen zu lassen.


Zeitschrift
pflegen: Demenz Nr. 54/2020 Angehörige

Mehr Informationen zur Umsetzung des respectare®-Konzepts in der Praxis und einen persönlichen Anwendungsbericht gibt es im Heft „Angehörige“ von pflegen: Demenz.

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Praxisbeispiel: Anwendung des respectare®-Konzepts

Frau Bauer* ist in ihrer Bewegungsfähigkeit stark eingeschränkt. Sie hat an der rechten Hand am Nagelbett eine Wunde, welche regelmäßig versorgt werden muss. Im Rahmen des Verbandswechsels gibt sie Schmerzen an. Die Finger ihrer rechten Hand sind durch eine Beugekontraktur und Verspannungen stark belastet; sie kann die Hand kaum öffnen. Im Rahmen der Dienstübergabe führten wir eine Fallbesprechung durch. In dieser diskutierten wir die Situation des Verbandswechsels. Unser Ziel war es, die Situation für Frau Bauer ertragbar zu gestalten und auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu entlasten, da dieser Verbandswechsel auch für diese eine Herausforderung darstellte. Zudem wollten wir die zusätzliche Verwendung von Schmerzmittel minimieren. Wir besprachen den Einsatz von respectare® am betreffenden Arm bzw. der Hand im Vorfeld des Verbandswechsels. Zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen des Sozialen Dienstes wurde die Situation nochmals erläutert und das gemeinsame Ziel festgelegt. Der Zeitpunkt des Verbandswechsels wurde auf die Mittagszeit terminiert. Frau Bauer bekam eine respectare®-Handmassage und die damit verbundene zusätzliche Zuwendung, kurze Zeit später erfolgte der Verbandswechsel. Frau Bauer wirkte hierbei sehr entspannt und schien auch kaum Schmerzen zu haben. Die Finger der Hand waren kaum angespannt, und der Verbandswechsel gestaltete sich auch für die Pflegenden sehr viel entspannter als sonst. Es war sogar möglich, sie nach ihrem Befinden und ihren Wünschen zu fragen, worauf sie lächelte. Um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter zu sensibilisieren, wurde dieser Erfolg im Team nochmals besprochen.
Denn wir sind davon überzeugt, dass es wichtig ist, das gesamte Team einzubeziehen. Und es zeigt uns, welche Möglichkeiten wir haben, auch schwierigen und herausfordernden Situationen im Alltag mit innovativen Konzepten erfolgreich zu begegnen und zu meistern.  

* Name von der Redaktion geändert

Weiterführende Informationen finden Sie hier

Literatur

W1: http://respectare.de/ (eingesehen am 17.03.2020)

Fakten zum Artikel
Praxis