„Multikulti“

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Eine personzentrierte Arbeitskultur fördert gute Zusammenarbeit in multikulturellen Teams

Kulturelle Vielfalt in Pflegeteams kann sehr bereichernd sein, birgt aber auch zahlreiche Herausforderungen. Johannes van Dijk, Fachreferent für DCM und Geronto-psychiatrie, berichtet von seinen persönlichen Erfahrungen in multikulturellen Teams und aus Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Herkunftsländern.

Als Pflegekraft arbeitete ich in Teams mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus verschiedenen Ländern. Ich selbst bin Niederländer und arbeite seit mehr als 25 Jahren in Deutschland in einer anderen „Kultur.
In einer Altenpflegeeinrichtung, in der ich arbeitete, gab es bei 20 Mitarbeitenden zehn Nationalitäten. Ohne uns darüber Gedanken zu machen, haben wir meistens in Harmonie und gegenseitigem Respekt gut zusammengearbeitet. Probleme gab es genauso oft zwischen Personen mit gleicher Nationalität wie zwischen Personen aus verschiedenen Herkunftsländern. Deshalb habe ich mir folgende Fragen gestellte:
  • Gibt es grundsätzlich Probleme, wenn Personen mit verschiedenen Nationalitäten in einem Team zusammenarbeiten? Funktionieren Teams besser, wenn alle Mitglieder eine Nationalität haben? Sind die verschiedenen Kulturen das Problem oder gibt es andere Ursachen?
  • Sind bei multikulturellen Teams spezielle Maßnahmen für eine gute Zusammenarbeit erforderlich?
  • Funktionieren solche Teams gut wegen oder besser bei einer personzentrierten Pflegekultur?
Sind Sie „multikulti?
Bevor ich die Fragen beantworte, möchte ich zuerst den Begriff „Multikulti betrachten. „Kultur stammt vom lateinischen „cultura und bedeutet „Landbau oder Pflege (des Körpers und Geistes). Weitere Bedeutungen sind u.a.: Bildung, Zivilisation, Lebensart und Lebensstil (W1). Kultur hat mit Geschichte zu tun. Die Zivilisation und auch Kultur von Völkern haben sich aufgrund unterschiedlicher Bedingungen im Laufe der Zeit sehr verschieden entwickelt. Einem Land und Volk, bzw. Menschen in diesem Land, wird eine eigene Kultur zugeschrieben. Ein Team wird „multikulturell genannt, wenn es darin Personen aus mehreren Nationalitäten/Kulturen gibt (s. Kasten).
Unterschiede erkennen
Unterschiede erkennen
  • In den Niederlanden wird Sinterklaas am 5. Dezember gefeiert. Da gibt es Geschenke wie in Deutschland an Heiligabend. In Deutschland gibt es am 6. Dezember den Nikolaustag. Heiligabend und den Nikolaustag kennt man in den Niederlanden nicht.
  • Eine spezifische Altenpflegeausbildung, wie in Deutschland, gibt es in den Niederlanden nicht. Die generalistische Pflegeausbildung ist da selbstverständlich.
  • Die Arbeitszeiten im Pflegebereich sind anders. Der Spätdienst in den Niederlanden endet um 22:30 Uhr. Bewohnerinnen und Bewohner bleiben nach dem Abendbrot sitzen. Es gibt selbstverständlich ein Abendprogramm. In Deutschland enden Spätdienste oft früher, z.B. um 20:30 Uhr. Viele Bewohner werden ins Bett gebracht, bevor der Dienst zu Ende ist, weil es danach meistens nur eine Nachtwache gibt, die für bis zu 50 Personen zuständig ist. Dass Bewohnerinnen und Bewohner um 19:00 Uhr im Bett liegen, ist keine Ausnahme. Die Arbeitszeit der Pflege- und Betreuungskräfte bestimmt indirekt das Abendprogramm und damit die Lebenskultur der Bewohnerinnen und Bewohner.
„Kulturelle Unterschiede zwischen den Niederlanden und Deutschland störten mich in meiner Zusammenarbeit mit deutschen Kolleginnen und Kollegen in Altenpflegeeinrichtungen kaum. Als generalistisch ausgebildeter Krankenpfleger konnte ich mit examinierten Altenpflegerinnen und Altenpflegern gut zusammenarbeiten. Probleme bezüglich Arbeitszeiten störten uns gleichermaßen.
Kategorisierungen überdenken
Ich frage mich, ob es sinnvoll ist, Menschen aufgrund ihrer Nationalität „kulturell zu kategorisieren. Der kulturelle Unterschied zwischen Personen in Deutschland, die die AfD oder die Grünen wählen, ist wahrscheinlich größer als zwischen grün-politisch...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Demenz Nr. 53 / 2019

Team

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: Demenz" Praxis