Mehr als die Summe seiner Teile

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Das Team als wesentlicher Faktor für Lebens- und Arbeitsqualität

Teams können zur besseren Lebensqualität der zu betreuenden Personen und der Arbeitsqualität von Pflegenden beitragen. Warum das so ist, welche Faktoren und Dynamiken Sie beherzigen sollten und wieso Fallbesprechungen die Professionalität von Teams steigern können, erfahren Sie von Christian Müller-Hergl, Mitbegründer des Dialogzentrums Leben im Alter (DZLA) in Osnabrück.

Der mit Abstand wichtigste bestimmende Faktor bezüglich der Qualität in der Demenzpflege in allen Pflegebereichen ist das direkte Pflegepersonal (Alzheimers Association, USA). Eine personzentrierte Pflege kann nur mit und durch das Pflegeteam erreicht werden. Um die Lebensqualität von Menschen mit Demenz zu erhöhen, ist es unumgänglich, die Arbeitszufriedenheit der Pflegenden zu verbessern, sodass sie Pflege als „intrinsisch erfreulich erleben (Vernooij-Dassen, 2009).
Es scheint eine Gegen- und Wechselseitigkeit zwischen den Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und den Interessen und Bedürfnissen der Klienten zu geben (Lupton, 2014): Menschen mit Demenz verbinden Lebens- und Pflegequalität mit guten Beziehungen, und für professionell Pflegende ist eine gute Beziehung zum Klienten mitunter wichtiger als Bezahlung und Karriere (Manthorpe, 2014). Dies legt nahe, Pflege so zu organisieren, dass eine vertrauensvolle Beziehung ermöglicht wird, in der, mit der und durch die die Assistenz erfolgt (DNQP, 2018). Die Beziehung zum Klienten hat einen Kontext, ein Umfeld, zu dem auch das Team zählt.
Was ist ein Team?
Menschen sind kollektive Wesen, deren Identität und Individualität sich in und aus Gruppen unterschiedlichster Art entwickeln. Das Bemerkenswerte unserer Spezies besteht in einer besonderen, sprachlich vermittelten Kooperation („mutualistische Situation, das „gemeinsame Wir): eine Vogelperspektive, aus der man sich und die anderen betrachtet, um sich einer gemeinsamen Sache zuzuwenden. Um diese Perspektiven auf ein „Ganzes zu koordinieren und eine abgestimmte Intentionalität zu entwickeln, braucht es Kommunikation. Diese wiederum erfordert gemeinsame Verpflichtungen, normatives Verhalten und Standards, gemeinsam geteilte Verantwortlichkeit sowie letztlich wechselseitige Anerkennung.
Flexibilität als Qualitätsmerkmal
Teams sind handelnde Systeme, die als Ganzes Ziele verfolgen, Probleme lösen oder Entscheidungen treffen (Alter 2016, Pos. 115). Zum Verständnis werden zumeist zwei Pole angeführt: die Aufgabe und die sozialen Faktoren (soziale, emotionale, menschliche Bedürfnisse), wobei letztere bestimmen, wie gut die Aufgabe gemeistert wird. Teams werden dann tätig, wenn die Aufgabe vom Einzelnen nicht gelöst werden kann.
Zum Konzept des Teams gehören eine klare Zugehörigkeit und damit auch eine Abgrenzung nach außen, eine relative Stabilität der Mitgliedschaft, ein gemeinsamer Zweck mit daraus abgeleiteten Zielen, unterschiedliche Funktionen und Rollen sowie eine zumeist hierarchisch gestaltete Struktur mit einer Führungskraft. Gute Teams zeichnen sich dadurch aus, dass sie
  • sich den ständigen Wandlungen ihrer Aufgaben gut anpassen können (Flexibilität, Reflexivität),
  • der Tendenz der Gleichschaltung widerstehen und eine innere Differenzierung in der Gruppe zulassen,
  • einen positiven Optimismus pflegen und sich loyal verhalten,
  • sich in ihren Kompetenzen weiterentwickeln, an den Aufgaben wachsen und dabei vielfältig voneinander lernen (West, 2012).
Gruppenidentität
Teams sind eigene Einheiten mit einer bestimmten „Gesamtpersönlichkeit, einer Teamkultur, einem eigenen „Image, einer besonderen Bindung untereinander; sie sind mehr und anders als die Summe ihrer Teile. Sie pflegen oft eine eigene Sprache, einen besonderen Humor, bilden Rituale heraus, kurz: Sie entwickeln eine eigene Identität, die man zumeist als „Wir-Gefühl bezeichnet. Das damit zusammenhängende Wissen über die Aufgabe, den Kontext, die Teammitglieder, die...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Demenz Nr. 53 / 2019

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Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: Demenz" Wissenschaft