Klänge der Geborgenheit

Foto: Simone Viviane Plechinger © Heike Rössing

Wie Sie mit Elementen der Musiktherapie eine Umgebung der Sicherheit und Vertrautheit schaffen können

Musik kann im pflegerischen Alltag nur unterstützend wirken, wenn sie verantwortungsvoll und dosiert eingesetzt wird. Simone Viviane Plechinger, Musiktherapeutin in den Schwerpunktfeldern Demenz und Palliative Care, erklärt, wie das gelingen kann, und gibt Anregungen für den achtsamen Einsatz im Pflegealltag.

Es wurde in der Vergangenheit viel über die Wirkungsweisen von Musik mit Fokus auf dementielle Veränderungen geschrieben. Musik gern als „Königsweg in der Pflege konstatiert, als „probates Mittel bei dieser oder jener Verhaltensweise von Menschen mit Demenz, die wir als „herausfordernd erleben. Unbestritten ist, dass Menschen mit Demenz in besonderer Weise auf musikbasierte Interventionen reagieren. Musik und vertraute Klänge sind in der Lage, für Gefühle der Verbundenheit, Sicherheit und Geborgenheit zu sorgen, die, wie wir alle wissen, unsere Basis für positives Selbsterleben sind ob mit oder ohne Demenz. Musik kann Stresshormone reduzieren und Nervenbahnen immer wieder neu miteinander vernetzen. Sie sorgt für Neuroplastizität (funktionelle, strukturelle und adaptive Veränderungen im Bereich des zentralen Nervensystems), wird auch von Menschen mit Demenz in weit fortgeschrittenen Stadien verstanden und ermöglicht ihnen das Gefühl, gehört, verstanden und angenommen zu sein. Sie ist prädestiniert, die Beziehungsgestaltung von und mit Menschen mit Demenz zu beeinflussen, wie kaum ein anderes Medium.
Musik ist mehr als ein gespieltes Instrument oder ein Lied
Musik kann funktional wie emotional nur dann ein wertvolles Medium sein, wenn sie achtsam und verantwortungsvoll eingesetzt wird. Verabschieden wir uns von der Idee, dass Musik per se Zugangswege zu Menschen mit Demenz schafft und alles, was im weitesten Sinne dazu zählt, ausschließlich positiv und schön sein muss. Musik in der Begegnung mit Menschen mit Demenz ist ein Schatz, der ein verantwortungsvolles Gegenüber in allen und von allen Professionen braucht. Sie wirkt unterstützend in Situationen des Pflegealltags, die mit Musik an sich überhaupt nichts zu tun haben. Das ist die wertvolle Kernkompetenz von professioneller Musiktherapie, die alleinig in der Zusammenarbeit mit allen Professionen im interdisziplinären Team zum Leben erwacht. Im Spiegel der Begegnungen mit Menschen mit Demenz ist es an der Zeit, den vielzitierten Satz Hoffmanns „Musik fängt dort an, wo die Sprache aufhört (E.T.A. Hoffmann) zu ergänzen: Musikalische Begegnungen mit Menschen mit Demenz beginnen weit vor dem Einsatz von Musik.
Die Stimme als Spiegel der Emotionen
Die musikalischen Begegnungen zur Verminderung von Agitiertheit kommen lange vor einem gesungenen Lied oder einer rhythmischen Improvisation in Gang. Sie beginnen mit unserer Haltung und Wahrnehmung. Dazu zählt zunächst das Bewusstsein, dass agitiertes Verhalten von Menschen mit Demenz „musikinduziert sein kann.
Klänge sind gelebt-hörbare Atmosphären. Menschen mit Demenz erspüren Atmosphären in besonderem Maße und sie reagieren unmittelbar darauf. Der Klang unserer Stimme zeigt Menschen mit Demenz ganz unmittelbar, wie es uns geht. Sie hören, ob wir glücklich, gestresst oder genervt sind und das in allen Nuancen, die uns auf der bewussten Ebene verborgen sind. Ohne dass wir ein Lied anstimmen, sind wir bereits mit
ten drin im Einsatz von Musik und im Gestalten von Atmosphäre, für die wir in der Begegnung mit Menschen mit Demenz die Verantwortung tragen. Die Wahrnehmung von „Paraverbalität, und damit
das Wissen um die Einflussnahme von Tonhöhe, Lautstärke und Pausen, also der Art, wie ich etwas sage, ist essentiell in der Begegnung und jedweder Interaktion mit Demenzerkrankten. Der Klang
meiner Stimme, kann demnach eine Ursache für umtriebiges Verhalten, ein Indikator für selbiges und ein Unterstützungsangebot im Finden von Sicherheit und Geborgenheit für Menschen mit Demenz...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Demenz Nr. 50 / 2019

Agitiertes Verhalten

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: Demenz" Praxis