Ein guter Blick sagt mehr als tausend Worte

Für das Marte-Meo-Element „Erklären und warten“ braucht es Zeit
Für das Marte-Meo-Element „Erklären und warten“ braucht es Zeit, Foto: Hausgemeinschaft Eilenriedestift © Werner Krüper

Wie Marte-Meo-Elemente in den Alltag eines Wohnbereichs für Menschen mit Demenz eingeführt werden können

Das Marte-Meo-Konzept eignet sich besonders gut, um die Beziehungsgestaltung zwischen Menschen mit Demenz und Pflegenden zu verbessern. Dabei muss als Anstoß nicht unbedingt gleich das ganze Konzept umgesetzt werden. Die Einführung von Elementen aus Marte Meo bringt schon eine deutliche Verbesserung. Die Wohnbereichsleiterin JUDITH BROJA und die Marte-Meo-Supervisorin DR. URSULA BECKER berichten über ihre Erfahrungen.

Der neue Expertenstandard „Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz fordert von Pflegefachkräften eine personzentrierte Pflege. Sie erfordert eine Haltung, die Menschen mit Demenz nicht als medizinisches Problem wahrnimmt, sondern die Person als einzigartiges Subjekt sieht und mit ihren individuellen Unterstützungs- und Beziehungsbedürfnissen in den Mittelpunkt des Handelns stellt.
Das Person-Sein wird bestimmt durch Interaktion und Kommunikation, also In-Beziehung-Sein. Dabei bedeutet Person-Sein auch die gelingende Einbindung in Sozialbeziehungen, damit ein Gefühl von Zugehörigkeit entsteht.
Das videobasierte Konzept Marte Meo stellt die Beziehungsqualität im Umgang mit „Menschen mit besonderen Bedürfnissen in den Mittelpunkt. Damit ist es ein geeignetes Instrument zur Umsetzung des Expertenstandards. Das im Folgenden beschriebene Projekt hat versucht, das Konzept auch ohne „Videobasierung erfolgreich umzusetzen.
Was ist die Marte-Meo-Methode?
Marte Meo wurde in den 70er-Jahren von Maria Aarts in den Niederlanden als Beratungsansatz für Eltern autistischer Kinder entwickelt (vgl. Aarts 2013). Ziel der Methode ist die Verbesserung der Alltagsinteraktion. Der Blick richtet sich auf die vielen kleinen, aber wesentlichen Momente, die Beziehung konstituieren.
Seit etwa zwanzig Jahren wird Marte Meo auch im Altenpflegebereich angewandt. Studien belegen die Wirksamkeit des Konzepts im Umgang mit Menschen mit Demenz (vgl. Alnes, Kirkevold und Skovdahl 2011, Zwicker-Pelzer, Freise und Kaminski 2008). Heime, die Marte Meo eingeführt haben, berichten nicht nur von einer verbesserten Beziehungsqualität im Umgang mit Menschen mit Demenz und deutlich weniger Situationen „herausfordernden Verhaltens, sondern auch von größerer Arbeitszufriedenheit der Mitarbeitenden (vgl. Schäuble u. Scholz 2013, Jörg, Neuenschwander u. Lüthi 2015).
Zur Umsetzung des Konzepts werden kurze Filme von Alltagsinteraktionen zwischen Pflegenden und Menschen mit Demenz erstellt, analysiert und gemeinsam besprochen. Ziel ist es, anhand konkreter Bilder Ideen darüber zu entwickeln, wie Beziehung bereits gelingt, und wie dies auf andere Situationen übertragen werden kann. Damit ist das Konzept sehr ressourcenorientiert. In der Marte-Meo-Ausbildung wird von Beginn an Wert darauf gelegt, dass sich die Pflegenden selbst in alltäglichen Situationen im Umgang mit Menschen mit Demenz filmen. Dadurch erhalten sie die Möglichkeit, sich selbst hilfreich handelnd zu erleben und eigene Entwicklungsmöglichkeiten zu entdecken.
Die Beratung von Pflegenden
Die Beratung legt den Schwerpunkt auf gelungene Kontaktmomente. Diese werden anhand des sogenannten Drei-W-Beratungsprinzips ganz kleinschrittig angeschaut und erläutert. Pflegende erhalten konkrete Information,
  • wann, d.h. in welcher Situation,
  • sie was genau zu tun haben und
  • wozu es hilfreich ist.
Dadurch können Pflegende ihre Kompetenz erweitern und neue Ideen entwickeln. Das Gefühl von Selbstwirksamkeit wird gestärkt.
Die Marte-Meo-Elemente
Um die ungeheure Vielfalt möglicher Interaktionen mit Bewohnern und Pflegenden handhabbar zu machen, orientiert sich die Analyse und Beratung an den sogenannten Marte-Meo-Elementen (vgl. Aarts 2013, Becker, Hawellek und Zwicker-Pelzer 2018, Berther und Loosli 2015, Hawellek und Becker 2018). Sie beschreiben kleinste Bausteine der Interaktion, die wir in Alltagssituationen immer wieder...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Demenz Nr. 49 / 2018

Beziehungsgestaltung

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: Demenz" Wissenschaft