Christa Olbrich

Achtsame Kommunikation

Jeder Mensch hat eine individuelle verbale und nonverbale Eigensprache
Jeder Mensch hat eine individuelle verbale und nonverbale Eigensprache, Foto © Valentyna | stock.adobe.com

Christa Olbrich

Mithilfe der Eigensprache vertrauensvolle Beziehungen gestalten

Achtsam sein bedeutet, mit den Gedanken ganz im Hier und Jetzt zu sein, also nicht in derVergangenheit oder Zukunft. So erleben Pflegende ihre Patientinnen und Patienten in der Situation,wie sie sich in diesem Moment darstellt. Gerade in der Palliativpflege ist das von besondererBedeutung denn insbesondere für Menschen, deren Zukunft begrenzt ist, liegt die Lebensqualitätin der Gegenwart. Die Eigensprache spielt hierbei eine wesentliche Rolle.

Jede pflegerische Tätigkeit ist mit Worten verbunden. Folglich kann man sagen: Pflege ist Kommunikation. Es ist immer das Gespräch, welches das Wohlbefinden und die Beziehung der zu Pflegenden, aber auch der Pflegenden selbst, bestimmt. Entscheidende Elemente eines guten Gespräches sind:
  • zuhören können: annehmen, was der andere gerade ausdrücken möchte, und dieses würdigen
  • anerkennen und nicht werten
  • bei den Worten des anderen dabeibleiben
  • offen und aufmerksam sein.
Wird diese kommunikative Kompetenz gelebt, so entstehen Vertrauen und die Basis einer tragenden Beziehung.
Pflege ist ein Beziehungsprozess
Einige Pflegewissenschaftlerinnen definieren Pflege als Beziehungsprozess (Olbrich 1999, 2018). Will man eine hilfreiche Beziehung zu Patientinnen und Patienten gestalten, geht das nicht nur mit gutem Willen und verstandesmäßiger Überlegung. Denn das Miteinander wird von den Gedanken und der Haltung, die einer Person zugrunde liegen, geprägt. Dies sind u.a. Erfahrungen und Wertvorstellungen, die oft unbewusst sind. Deshalb ist es sinnvoll, über die eigene Haltung nachzudenken: „Was liegt meinen Vorstellungen zugrunde? Denn die Gedanken sind es, die jedes Handeln, auch das kommunikative, bestimmen.
Da dem Pflege- und Berufsverständnis eine helfende Haltung zugrunde liegt, bietet es sich an, die Haltung aus dem Konzept der Eigensprache, Idiolektik, genauer zu betrachten.
Was ist Idiolektik?
Die Eigensprache eines Menschen bezeichnet man als Idiolekt. Jeder Mensch ist einzigartig und individuell. So wie sein Fingerabdruck nur einmalig einem Menschen zuzuordnen ist, so drückt er sich in seiner Sprache auch einmalig aus. Das ist in Mimik und Gestik zu erkennen, also ohne Worte aber auch durch die Worte selbst, den Wortschatz, das Sprachverhalten, die Ausdrucksweise und die Aussprache. Jeder Mensch verwendet seine Ausdrucksmöglichkeit je nach Situation oder Gestimmtheit in seiner unverwechselbaren Persönlichkeit (Poimann, 2008).
Die Idiolektik ist eine innovative, respektvolle und wirksame Gesprächsmethode, die der Eigensprache besondere Beachtung schenkt sprich der methodische Umgang mit der Eigensprache. Sie ist die theoretische Beschreibung der Inhalte und des Wissens darüber. Es ist ein Konzept, das über viele Jahre aus der Medizin und Psychologie entwickelt wurde. Heute hat dieses Konzept in alle sogenannten helfenden Berufe Eingang gefunden. Besonders in der Pflege hat es große Bedeutung, denn die Haltung und Methode der Idiolektik ermöglichen den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung und vermitteln Wohlbefinden sowie Stärkung für eine zu pflegende Person. Dies kann ihre Gedanken ordnen und weiterentwickeln oder sie finden für sich selbst eine Lösung. Man erlebt Heilung auf einer seelischen Ebene, was gerade für schwerkranke und sterbende Patientinnen und Patienten wichtig ist.
Elemente der Eigensprache
Ein idiolektisches Gespräch ist von folgenden Aspekten geprägt:
Zieloffenheit
Das Gespräch wird ohne Ziel für die andere Person geführt. Man stellt sich ganz auf die andere Person ein und nimmt von ihr auf, was sie ausdrücken möchte. Das Gespräch wird nicht in eine Richtung gelenkt, die man selbst als wichtig erachtet.
Die Haltung dabei ist offen, zugewandt, annehmend; man nimmt gut wahr und hört aufmerksam zu. Das Interesse am anderen beruht nicht auf eigener Neugierde, sondern auf dem Interesse an der anderen Person. Was diese sagen möchte, bekommt...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 45 / 2020

Krebs

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: palliativ" Praxis