Musik und Bilder für das Wohlbefinden

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Biografiearbeit mit Musik, Filmen und Fotos

Biografiearbeit kann und muss nicht immer über einen kognitiven Zugang erfolgen. Musik und Bilder haben eine positive Wirkung auf stark eingeschränkte Menschen mit Demenz. Simone Uhlig, Leiterin des Sozialen Dienstes eines Seniorenzentrums, berichtet von ihren Erfahrungen mit dem Einsatz eines mobilen audiovisuellen Projektors.

Wenn ich morgens um acht Uhr mein Büro betrete, beginnt für mich der Tag mit der Planung der Aufgaben für mich und mein Team. Was steht auf dem Programm? Welche Arbeiten müssen erledigt werden? Wer benötigt heute eine besonders intensive Betreuung? Das sind nur einige Fragen, die ich anschließend mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei der allmorgendlichen Einweisung bespreche. In unserem Senioren Zentrum betreuen wir insgesamt 72 pflegebedürftigen Menschen. Viele der anstehenden Aufgaben des 10-köpfigen Teams des Sozialen Dienstes sind längst Routine. Seit einigen Monaten kommt jedoch eine neue Tätigkeit hinzu, die sich als wertvolle Unterstützung in der Betreuung der vorwiegend demenziell veränderten Bewohner herausgestellt hat.
Dabei geht es um den Einsatz eines mobilen audiovisuellen Projektors Qwiek.up , der von einem niederländischen Unternehmen entwickelt wurde. Das Ziel: Pflegekräften und Mitarbeitern des Sozialen Dienstes auf der einen Seite und Bewohnern auf der anderen Seite gleichermaßen zu helfen und zwar durch Musik, Filme und Fotos. Im Rahmen einer Testphase erprobten wir das Gerät in unserem Alltag. Die Integration des Gerätes durch die Mitarbeiter des Sozialen Dienstes klappte gut. Wir haben es zum einen in Gruppenaktivitäten eingesetzt und zum anderen, um individuell auf die Bedürfnisse verschiedener Bewohner einzugehen, denn die Demenzerkrankung zeigt sich in vielen verschiedenen Facetten. Die Bewohner besitzen unterschiedliche Charaktere, die sehr unterschiedliche Arten von herausforderndem Verhalten begünstigen können. Ob Aggression, Apathie oder Verkrampfung jeder Bewohner bringe andere Herausforderungen mit, auf die eingegangen werden muss.
Unterstützung der Biografiearbeit
Biografie fördert Gefühle und Gedächtnis. Ereignisse, die in der Kindheit oder Jugend erlebt wurden, sind unseren Bewohnern meistens näher als das Hier und Jetzt. Nicht nur bei alten, sondern auch bei demenziell veränderten Menschen reagiert das Kurzzeitgedächtnis langsamer oder gar nicht mehr. Das Langzeitgedächtnis dagegen funktioniert wesentlicher besser und ist somit aktiver. Dies ist mit ein Grund, warum ältere Menschen gerne aus der Vergangenheit erzählen. Lässt man sie viel aus ihrer Vergangenheit erzählen, fühlen sie sich zugehörig. Die damals erlebten Gefühle werden hierbei immer noch einmal erlebt. Biografie in einer Senioreneinrichtung soll den Bewohner emotional und kognitiv fördern. Die Biografie stellt den Bewohner mit seiner gesamten Lebensgeschichte in den Vordergrund. Dabei sind nicht nur harte Fakten, wie z.B. wie Geburtsdatum und Beruf, wichtig, sondern auch, was der Bewohner in seiner Freizeit gemacht hat. Waren Bücher wichtig? Welchen Anteil nahm die Religion ein? Aus welchem Milieu kommt der Bewohner? Erst wenn uns so viel wie möglich von dem Menschen bekannt ist, sind wir in der Lage, ihn als ganzheitlichen Menschen wahrzunehmen und ihn besser zu verstehen. Antworten vielleicht auf die Fragen, wenn der Bewohner ein eigenwilliges Verhalten zeigt, sich zurückzieht oder Wutausbrüche bekommt. Wir unterscheiden hierbei Folgendes:
Soziale Biografie
Die soziale Biografie beschäftigt sich mit dem Umfeld. Welche finanziellen Mittel standen ihm zur Verfügung? Welche Sprache spricht er? Dialekt? Was war für ihn in seinem Leben früher wichtig? Welche Werte wurden ihm vermittelt (Fleiß, Sauberkeit etc.)?
Kulturelle Biografie
In welcher Kultur ist der Bewohner aufgewachsen? Ist er religiös? Gibt es Sitten und Gebräuche, die ihm wichtig sind? Wo hat er gelebt (Stadt oder Land)?
Bildungsbiografie
Welc...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Demenz Nr. 48 / 2018

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