Ein Blick in die Zukunft?!

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Die Demenzvorhersage und ihre sozialen, rechtlichen und ethischen Implikationen

Was wäre, wenn Ihr Hausarzt Ihnen Ihr persönliches Demenzerkrankungsrisiko durch eine Blutabnahme vorhersagen könnte? Würden Sie diese Möglichkeit nutzen? Wären Sie beruhigter? Das Projekt „Konfliktfall Demenzvorhersage beleuchtet die unterschiedlichen Aspekte.

Für die meisten Formen von Demenz besteht derzeit keine Aussicht auf Heilung. Die Forschung konzentriert sich daher auf eine medikamentöse Therapie zur Verhinderung oder Verlangsamung der Symptome.
Derzeit wird davon ausgegangen, dass bisherige medikamentöse Therapieansätze an einem zu weit fortgeschrittenen Erkrankungsstadium ansetzen. Darum fokussiert sich die Forschung auf die Verbesserung der Vorhersage und Früherkennung von Demenz. Die Hoffnung ist, dass in Zukunft früher mit einer Therapie begonnen werden kann bzw. neue Therapieansätze gefunden werden, die zeitiger in die molekularen Mechanismen der Erkrankungen eingreifen. Die notwendige Voraussetzung für die Erforschung solcher Therapieansätze ist die Vorhersage des individuellen Demenzerkrankungsrisikos, um potentielle Studienteilnehmende mit einem hohen Erkrankungsrisiko, aber noch ohne Symptome zu identifizieren. Durch den Einbezug dieser Testpersonen erhofft man die effizientere Erforschung von effektiven Präparaten.
Protein-Biomarker im Blut: die neue Hoffnung der Demenzforschung
Die bisher zur Verfügung stehenden Ansätze der Demenzvorhersage sind in ihrer Aussage nicht validiert, kostenintensiv und z.T. sehr invasiv (z.B. bei der Entnahme von Nervenflüssigkeit aus dem Rückenmarkskanal). An dieser Stelle kommt die Erforschung von sogenannten Biomarkern ins Spiel. Biomarker sind objektiv erkenn- und messbare biologische Substanzen oder Merkmale, deren Vorliegen in bestimmten Mengen unverwechselbar auf einen Krankheitszustand hinweist (vgl. Schmitz et al. 2008). Biomarker, die durch Blutabnahme gewonnen werden, gelten als wenig invasiv und minimal belastend und werden daher als attraktive Methode zur Demenzvorhersage betrachtet. Seit einigen Jahren wird daher weltweit an einem preiswerten Bluttest zur Demenzvorhersage geforscht. Kürzlich haben verschiedene Forscherteams neue Erfolge verzeichnet (vgl. Nabers et al. 2018; Preische et al. 2019). Die Zulassung solcher neuen Tests zur Demenz-Risikovorhersage könnte in naher Zukunft erfolgen.
Soziale, rechtliche und ethische Dimensionen der Demenzvorhersage
Wenn Biomarker-basierte Tests zur Demenzvorhersage auf den Markt kommen, werden sie auch im klinischen Bereich verwendet werden. Momentan ist aber unklar, wie im Gesundheitssystem mit dieser neuen Technologie aus ethisch-rechtlicher Sicht umgegangen werden soll. Denn Biomarker-Tests für Personen ohne Symptome bringen sowohl Vorteile als auch Nachteile:
Die Lebensplanung kann frühzeitig gestaltet werden. Beispielsweise können rechtliche und finanzielle Angelegenheiten sowie Vorsorge-Entscheidungen im Sinne der Betroffenen und in gemeinsamer Absprache mit ihren Familien geklärt werden.
Den Betroffenen kann keine wirksame Behandlungsmöglichkeit angeboten werden. Das Ergebnis des Biomarker-Tests „hohes Erkrankungsrisiko kann unter Umständen enorme psychische Belastungen hervorrufen lange vor dem Auftreten von Symptomen.
Die Demenzvorhersage anhand von Biomarkern betrifft auch grundsätzliche ethische und gesellschaftliche Aspekte. Eine Demenzerkrankung ist durch unscharfe Übergänge gekennzeichnet. Die Diagnose einer „Prä-Demenz könnte unser Verständnis von Gesundheit und Krankheit verändern. Auch soziale Formen der Stigmatisierung und Diskriminierung (z.B. durch Kranken- und Privatversicherungen, Arbeitgeber oder das soziale Umfeld) sind derzeit nicht völlig auszuschließen (Beck und Schicktanz 2015).
Das Diskursverfahren „Konfliktfall Demenzvorhersage
Mit dem Ziel, den Diskurs zu diesen Fragen sowohl fachlich und gesellschaftlich relevant in Gang zu bringen, wurde im Oktober 2017 das vom...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Demenz Nr. 50 / 2019

Agitiertes Verhalten

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: Demenz" Wissenschaft