Pflegesituationen und Risikokonstellationen in der Häuslichkeit

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Ein Forschungsprojekt zu den Bedürfnissen pflegender Angehöriger

In dem Projekt „Zielgruppenspezifische Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige (ZipA) an der Universität Witten/Herdecke wurden insgesamt 1.429 pflegende Angehörige nach ihren Bedürfnissen, ihrer Belastung und ihrer Nutzung von Unterstützungsangeboten befragt. Die Studienleiterin, Prof. Dr. Sabine Bohnet-Joschko, und die wissenschaftliche Mitarbeiterin, Katharina Bidenko, fassen die Ergebnisse der Befragung zusammen und sehen die professionell Pflegenden in der Rolle einer unverzichtbaren Beratungsinstanz.

Unter dem Titel „Zielgruppenspezifische Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige (ZipA) führt die Universität Witten/Herdecke ein Projekt durch, bei dem die Situation pflegender Angehöriger aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird. Das Projekt untersucht die verschiedenen Herausforderungen in der häuslichen Pflege und Betreuung. Aus den Ergebnissen sollen Ansätze für die Entwicklung und Kommunikation bedarfsgerechter Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige generiert werden.
Defizite erfassen
In einem ersten Schritt wurden Hürden und Hindernisse der Beratung durch Interviews mit Praxispartnerinnen und Praxispartnern aus der Beratung identifiziert. Darauf aufbauend führte das Forschungsteam eine Befragung von pflegenden Angehörigen durch. Parallel dazu untersuchten die Kooperationspartner der Hochschule für Gesundheit in Bochum Angebote auf den Internetseiten der Städte, Kreise und Kommunen in Nordrhein-Westfalen. Gefördert wird das Forschungsvorhaben vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen und von den Pflegekassen.
Am 13. Dezember 2019 hat das Forschungsteam im Rahmen einer Tagung in der Universität Witten/Herdecke die bisherigen Forschungsergebnisse mit Expertinnen und Experten aus dem Pflegebereich und pflegenden Angehörigen diskutiert.
Zur Vorgehensweise
Pflegende Angehörige wurden in der Zeit zwischen November 2018 und März 2019 mittels eines Online- und Papierfragebogens befragt. Der Fragebogen beruht auf standardisierten und validierten Messmethoden. Die Studie betrachtet die Gesamtgruppe pflegender Angehöriger. Sie sind definiert als Verwandte, Freunde oder Nachbarn, die eine hilfebedürftige Person unterstützen, versorgen oder pflegen. Dabei wird keine Einschränkung auf ein bestimmtes Krankheitsbild des Hilfebedürftigen oder im Hinblick auf Art und Umfang der geleisteten Unterstützung vorgenommen.
Welche Gruppen pflegender Angehöriger lassen sich identifizieren?
Die Angehörigenpflege geht mit verschiedenen Belastungen und Einschränkungen einher (Müller, Rothgang, 2018). Gleichzeitig werden bestehende Angebote zur Entlastung, Schulung und Beratung nur wenig in Anspruch genommen (Schwinger, Tsiasioti, Klauber, 2016). Möglicherweise treffen die angebotenen Leistungen nicht die Bedürfnisse einzelner Zielgruppen. Denn eine berufstätige Schwiegertochter, die die Pflege ihres an Diabetes erkrankten Schwiegervaters organisiert, braucht andere Informationen und Unterstützung als ein Ehemann, der sich jahrelang um seine demenzerkrankte Frau kümmert. Bislang ist wenig darüber bekannt, in welchen unterschiedlichen Lebenssituationen sich pflegende Angehörige befinden und welche pflegebezogenen Belastungen dabei entstehen. Durch das ZipA-Forschungsprojekt können die unterschiedlichen Gruppen pflegender Angehöriger mit ihren jeweiligen Unterstützungsbedürfnissen beschrieben werden (siehe Kasten ).
Die fünf Gruppen pflegender Angehöriger
Die fünf Gruppen pflegender Angehöriger
Hilfsbereite Kümmerer: Sie leisten gelegentlich Unterstützung, beispielsweise Einkäufe, begleiten bei Behördengängen oder leisten ihrer/ihrem Angehörigen Gesellschaft. Häufig sind es erwachsene (Schwieger-)Kinder und sonstige Verwandte. Die unterstützte Person ist noch relativ selbstständig. Im Gegensatz zu anderen Gruppen sind hier viele Personen männlichen...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Demenz Nr. 54 / 2020

Angehörige

Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: Demenz"