Christiane Kreyer I Sabine Pleschberger

Häusliche familiale Sorge

Eine professionelle Erfassung des Unterstützungsbedarfes von Angehörigen ist wichtig
Eine professionelle Erfassung des Unterstützungsbedarfes von Angehörigen ist wichtig, Foto ©: Khunatorn / stock.adobe.com

Christiane Kreyer I Sabine Pleschberger

Bedürfnisse von pflegenden Angehörigen erfassen

Die Betreuung eines schwerkranken oder sterbenden Menschen im häuslichen Umfeld ist ohne die Angehörigen nicht denkbar. Sie stellen die Versorgung sicher und unterstützen die erkrankte Person in vielerlei Hinsicht. Das Konzept „KOMMA Kommunikation mit Angehörigen erfasst ihren Unterstützungsbedarf sowie ihre Bedürfnisse.

In allen Konzepten von Hospizarbeit und Palliative Care werden die Angehörigen gemeinsam mit der erkrankten Person als „unit of care verstanden, also als gemeinsame Adressaten für Hilfe und Unterstützung (WHO, 2002).
„Angehörige, wer ist in Palliative Care damit gemeint? Entsprechend den modernen gesellschaftlichen Entwicklungen muss dieser Begriff weit gefasst und sowohl die engere Familie als auch Freundinnen, Freunde und Nachbarn als „angehörig verstanden werden (Friedemann & Köhlen, 2010). Darüber hinaus sind Angehörige aus pflegewissenschaftlicher Sicht Personen, die in einer engen Beziehung zur erkrankten Person stehen, die mit ihr die Krankheitserfahrung teilen und die wesentliche Sorgearbeit sowie emotionale Unterstützung leisten (NICE, 2004) Frauen erbringen zwei Drittel der Pflegeleistungen
Pflege und Betreuung findet zu einem großen Teil in der Familie statt, so werden etwa 80 Prozent aller Pflege- und Betreuungsleitungen dort erbracht. In Deutschland sind insgesamt rund drei bis fünf Millionen Menschen in die häusliche Versorgung einer erkrankten Person involviert (Nowossadeck et al., 2016). Wie viele davon in eine Palliativbetreuung involviert sind, dazu gibt es keine offiziellen Zahlen, da die Palliativphase nicht eindeutig abgegrenzt werden kann. Gesichert ist hingegen, dass die meisten Menschen bei Krankheit und im Alter zu Hause sein wollen. Damit verbunden ist die Hoffnung, von der Familie begleitet zu werden. Neben diesen Erwartungen erzeugen auch gesundheitspolitische und ökonomische Entwicklungen Druck, die Versorgung zu Hause sicherzustellen. Dieser Druck lastet vor allem auf den Frauen, die zwei Drittel der Pflegeleistungen erbringen (Wetzstein et al., 2015). Der demographische Wandel führt dazu, dass ein Großteil der sogenannten „pflegenden Angehörigen heute bereits über 55 Jahre alt ist (Schmidt & Schneekloth, 2011).
Beweggründe für die Übernahme der Betreuungsrolle
Dass das Sterben zu Hause gelingt, dafür sind Angehörige eine zentrale Voraussetzung, das haben Forschungen zum Sterbeort deutlich gezeigt (Costa et al., 2016). Auch wenn Menschen am Ende doch nicht daheim versterben, so verbringen die meisten einen großen Teil ihres letzten Lebensjahres hauptsächlich zu Hause und erhalten Unterstützung von ihren Angehörigen.
Meist entscheiden sich Angehörige nicht aktiv für eine Betreuungsrolle am Lebensende, vielmehr geraten sie eher so hinein. Dabei spielen verschiedene soziale Mechanismen und Normen eine Rolle. Viele halten es für „selbstverständlich, ihr schwerkrankes Familienmitglied zu betreuen. Vielfach wird es aber auch erwartet, gerade bei Töchtern oder Schwiegertöchtern, dass sie sich um die alten Eltern kümmern (Payne et al., 2010).
Pflegende Angehörige brauchen professionelle Aufmerksamkeit
So unterschiedlich die Beweggründe dafür sind, Verantwortung für die Betreuung einer Person in der letzten Lebensphase zu Hause zu übernehmen, so sehr gleichen sich doch die Erfahrungen, die dabei gemacht werden. Für die meisten Angehörigen ist es das erste Mal, dass sie unmittelbar mit Sterben und Tod konfrontiert sind. Viele haben das Gefühl, schlecht auf ihre Rolle vorbereitet zu sein, zu wenig Informationen zu erhalten und kaum in die Planung der Betreuung und Pflege einbezogen zu werden. Oft fühlen sie sich zuhause isoliert und auch Macht- und Hilflosigkeit machen sich breit. Zahlreiche Forschungsarbeiten zeigen, dass Angehörige in der häuslichen Palliativversorgung stark belastet sind und ein hohes Risiko haben, selbst körperlich oder psychisch zu...
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aus: pflegen Palliativ Nr. 44 / 2019

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