Axel Doll

Angehörige verstehen,informieren und beraten

Die individuellen Bedürfnisse und Anliegen des Angehörigen stehen im Mittelpunkt des Gesprächs
Die individuellen Bedürfnisse und Anliegen des Angehörigen stehen im Mittelpunkt des Gesprächs, Foto ©: Werner Krüper

Axel Doll

Für schwerkranke Menschen sind ihre Angehörigen oft eine unentbehrliche Stütze; für die Palliative-Care-Teams sind sie wichtige Ansprechpartner und Helfer. Dass viele pflegende Angehörige selbst Hilfe brauchen, wird oft übersehen. Durch gezielte, kompetente Beratung können Pflegende An- und Zugehörige entlasten und deren Ressourcen stärken.

Angehörige von Menschen in Palliativsituationen füllen sehr oft eine Doppelrolle aus: Sie sind sowohl Unterstützer und Fürsorgende für den Kranken als auch Mitbetroffene. Denn sie sind ebenfalls emotional belastet und müssen sich mit der voranschreitenden Erkrankung und dem absehbaren Sterben ihres Nächsten auseinandersetzen. Als Beistand des Patienten im Prozess der Krankheitsbewältigung sind sie vor allem in der ambulanten Palliativversorgung auch Ansprechpartner für die Palliativteams. Daher laufen sie Gefahr, sich zu überlasten oder selbst krank zu werden.
Die Doppelrolle kann zum Ausdruck gebracht werden, indem vom „kümmernden und „kummernden Angehörigen gesprochen wird. Sie sind Unterstützer und zu Unterstützende, Leidlindernde und Leidtragende, Mitglied und Klient des interprofessionellen Teams zugleich (Doll, 2015; Kreyer, 2015, 2016).
Vor allem in der allgemeinen und spezialisierten ambulanten Versorgung ist die Wahrnehmung der Palliativteams auf die Rolle des „pflegenden Angehörigen fokussiert. Angehörige haben hier quasi als Teammitglied viele verschiedene Aufgaben zu bewältigen, die in der stationären Betreuung professionell Pflegende übernehmen (s. Tabelle ).
Bedürfnise erfassen
All diesen Rollen sollte in der Beratung und Information von Angehörigen Beachtung geschenkt werden. Bei der beratend-informierenden (edukativen) Unterstützung der Angehörigen geht es aber vor allem darum, ihre individuellen Bedürfnisse und Anliegen herauszufinden und zu berücksichtigen. Feichtner und Pusswald (2017) sehen im Mittelpunkt vor allem vier zentrale Bedürfnisse:
Information und Anleitung
Diese z.B. zu
  • Krankheitsbild
  • Medikation
  • Symptomlinderung
  • Pflegemaßnahmen wie Mundpflege
  • Positionierung und Mobilisierung
  • Körperpflege.
Anerkennung und Wertschätzung
Die Rund-um-die-Uhr-Betreuung eines Palliativpatienten kann sehr herausfordernd sein. Angehörige stellen ihre eigenen Bedürfnisse zurück und versuchen  − so gut wie für Laien möglich  −, den hilfsbedürftigen Angehörigen zu unterstützen. Sie sorgen sich oft, ob sie alles richtig machen, und brauchen daher viel Anerkennung, Rückversicherung und Bestätigung für das, was sie tun und leisten. Besser als Kritik sind leichte wertschätzende Korrekturen und Hinweise, ohne ihr Handeln komplett infrage zu stellen.
Verständnis
Die Beratung der Angehörigen sollte von einer Haltung getragen sein, die stets die besonderen Herausforderungen der Angehörigen im Auge hat und in dieser außergewöhnlichen Situation Halt und Stabilität signalisieren.
Beistand und Unterstützung
Auch „kummernde Angehörige brauchen Aufmerksamkeit. Als Mit-Betroffene leiden sie bei belastenden Symptomen mit; sie müssen sich mit dem Verlust ihres kranken Familienmitgliedes auseinandersetzen und haben Angst vor dem, was vielleicht noch auf sie zukommt.
Generell ist es hilfreich, sich in die Situation der Angehörigen einzufühlen und sich bewusst zu machen oder auch zu erfragen, welche Ängste die Angehörigen am meisten belasten.
Ängste von Angehörigen und hilfreiche Interventionen
Ängste von Angehörigen und hilfreiche Interventionen
Angehörige von lebensbedrohlich erkrankten Menschen haben viele Ängste, vor allem
vor Ungewissheit
Die meisten Menschen haben wenig Erfahrung mit sterbenskranken Menschen und wissen nicht, mit welchen Verschlechterungen und Veränderungen zu rechnen ist. Unter Umständen befürchten sie dramatische Ereignisse, die sie nicht beherrschen können.
  • Je klarer im Beratungsgespräch diese Ängste erkundet werden, desto konkreter kann man ihnen begegnen.
vor Leiden
Angehörige fühlen sich...
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Fakten zum Artikel
aus: pflegen Palliativ Nr. 39 / 2018

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Premium-Beitrag aus der Zeitschrift "pflegen: palliativ" Praxis