Rüdiger Vernay

Zeitungsartikel sind eine wahre Fundgrube!

Äpfeln und andere Früchte
Äpfeln und andere Früchte, © Friedrich Verlag/Ökotest-Magazin 05/20

Rüdiger Vernay

Größenordnungen einschätzen und veranschaulichen

Zeitungsmeldungen oder Artikel aus dem Internet bieten manchmal gute Gelegenheiten, dort genannte Daten zu bewerten. Die im Artikel genannten Zahlen können veranschaulicht werden oder aber man kann sich fragen „Kann das stimmen? Dieser Frage nachzugehen, ist nicht überflüssig, denn auch in solchen Dokumenten schleichen sich zuweilen Fehler oder Fehlvorstellungen ein.
Beim Einsatz im Unterricht mag ich es gern, in Arbeitsphasen bei verschiedenen Gruppen zu sitzen und einfach nur zuzuhören. Es ist spannend zu beobachten, wie Lösungswege (oder auch Irrwege) entstehen. Meine Erkenntnisse fließen dann in der Regel in das anschließende Unterrichtsgespräch ein. Leider ist so ein Unterricht zu Zeiten von Corona derzeit nicht möglich.
Bei der Auswahl passender Anregungen für die Verwendung von Zeitungsdaten war nun eine neue Herausforderung, etwas Passendes zu finden, das auch im sogenannten Distanzunterricht sinnvoll eingesetzt werden kann. Zwei Beispiele werde ich vorstellen, die für diese Unterrichtsform geeignet sind, dort auch erprobt wurden, darüber hinaus aber ebenso gut auch im Präsenzunterricht verwendet werden können. Beide eröffnen darüber hinaus die Möglichkeit, einen Beitrag zu nachhaltigerem Handeln im Alltag leisten zu können.
Große Zahlen verdeutlichen
Gern füllen Zeitungen und Zeitschriften große Flächen mit mehr oder weniger sinnvollen Statistiken, am besten versehen mit Bildern oder Grafiken zuweilen entsteht der Eindruck, Hauptsache, die Seite wird gefüllt. Ein solches Beispiel ist der Ausschnitt aus dem Ökotest Magazin. Riesige Mengen Erdbeeren und Äpfel werden genannt, auf den ersten Blick ziemlich schwer übersetzbar in haushaltsübliche Mengen. Ich habe daraus ein gestuftes Arbeitsblatt gemacht, das genau diese Übersetzungen erleichtert. Zunächst geht es um sinnentnehmenden Lesen: Welche Zahlen brauche ich, um die Fragen 2 und 3 zu beantworten (Abb. 1 , KV12 ).
Im Präsenzunterricht bietet sich hier die Methode „Think pair share an, also zunächst einmal das individuelle Überlegen und der darauffolgende Austausch zu zweit. Abgeschlossen wird der Prozess durch eine Diskussion im Klassenverband. Im Distanzunterricht wurden die Lernenden aufgefordert, ihre Überlegungen zu verschriftlichen. Der Austausch fand dann per Videokonferenz statt. Beispiele dafür, was die Lernenden aufgeschrieben haben, finden sich in Abb. 2 .
Bei den nächsten beiden Fragen müssen nun begründete Schätzungen vorgenommen werden. Wichtig ist jedesmal, dass die Ideen notiert werden. Sie sind oft informativer als das bloße „Rechenergebnis. Hier zeigt sich, welche Überlegungen eingeflossen sind. Man sieht bei den Ergebnissen aber auch, dass nicht alle die Aufgabe wirklich verstanden oder ernst genommen haben. Antworten wie „Ich schätze mal …“ oder „ich glaube …“ sind eben keine begründeten Schätzungen. An solchen Stellen muss dann im Klassenverband oder in einer Videokonferenz nachgesteuert werden und gemeinsam geklärt werden, welcher Unterschied zwischen Raten und Schätzen besteht.
Es ist manchmal ein „langer Atem notwendig, meine Erfahrung zeigt mir aber, dass sehr viele Schülerinnen und Schüler im Laufe der Zeit gute Fortschritte diesbezüglich machen.
Kann das stimmen?
In der Frankfurter Rundschau fand ich einen Artikel, der über die Problematik der in Corona-Zeiten überquellenden Altkleidercontainer berichtete durch den Lockdown war offenbar auf einmal überall Aussortieren und Aufräumen angesagt. Ein Satz erregte meine besondere Aufmerksamkeit: „Dabei landet schon in normalen Zeiten pro Jahr etwa eine Million Kleider in den Containern, was den Ladungen einer LKW-Schlange von Kiel bis Innsbruck entspricht. Als Mathematiklehrer werde ich bei solchen Angaben immer hellhörig. Stimmt die Angabe hier im Text?
Einigen Lerngruppen, die öfters solche Fragen vorgelegt bekommen, reicht oftmals allein die Aufforderung, die Angabe im...

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Fakten zum Artikel
aus: Mathematik 5-10 Nr. 52 / 2020

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