Kristin Wilhelm

Unsere Schule wird gefliest

Typische Tätigkeit einer Fliesenlegerin/eines Fliesenlegers
Typische Tätigkeit einer Fliesenlegerin/eines Fliesenlegers, © Pawel/stock.adobe.com

Kristin Wilhelm

Flächen berechnen wie eine Fliesenlegerin/ein Fliesenleger

Ich möchte eine Geometriesequenz in meiner 5. Klasse nutzen, um den Beruf der Fliesenlegerin/des Fliesenlegers vorzustellen. In den vorangegangenen Mathematikstunden haben wir uns mit Rechtecken und Quadraten, ihren Flächeninhalten und Umfängen sowie den entsprechenden Einheiten beschäftigt.
Für die Fliesenlegersequenz habe ich mir eine fiktive Person, Herrn Brunner, ausgedacht, der gern jedes Zimmer seiner Wohnung gefliest haben möchte. Mit solchen Personalisierungen von Unterrichtsinhalten habe ich bisher gute Erfahrungen gemacht, die Lernenden sind motiviert und die Lernerfolge halten lange an.
Wie viele Fiesen braucht Herr Brunner für seine Wohnung?
Zunächst erhalten alle ein Arbeitsblatt, auf dem der Grundriss der Wohnung zu sehen ist, das mit einem Karoraster unterlegt ist (KV01 ). Die Lernenden sollen mit Quadratzentimeterschablonen aus Moosgummi (Material ) die einzelnen Zimmer auslegen und dabei herausfinden, wie viele Fliesen Herr Brunner jeweils braucht (Abb. 2 ). Zudem haben sie den Auftrag, ihr Vorgehen zu beschreiben, um die jeweiligen Themen besser zu durchdringen (Abb. 3 ).
Anschließend sollen sie herausfinden, welche Rechnung dabei hilft, die Anzahl der Fliesenplättchen zu bestimmen. Eine Formel wird von den Schülerinnen und Schülern an dieser Stelle noch nicht verlangt, soll dann aber am Ende der Stunde zum Tragen kommen. Bei der Präsentation der Ergebnisse zeigt sich immer wieder die Vielfalt der Rechenwege und gerade diese Individualität schätze ich als Lehrkraft sehr.
Nach der Präsentation der Ergebnisse ist es unerlässlich, klar herauszustellen, dass wir in dieser Stunde Flächeninhalte berechnet haben. Hier bringe ich die Formel an. Alle überprüfen damit nun ihr Ergebnis.
Fliesenlegen an der Mittelschule
Als Übungsstunde passend zu diesem neuen Thema möchte ich möglichst schülernah bleiben und verwende unsere Schule als Schauplatz. Ich bitte die Lernenden, sich vorzustellen, dass sie in zehn Jahren selbst Fliesenleger sind und sie von ihrer ehemaligen Schule den Auftrag erhalten haben, die Böden mancher Klassenzimmer neu zu fliesen. Dabei besteht die Schulleiterin darauf, nur quadratische Fliesen zu verwenden, die einen Quadratmeter groß sind.
Als Sozialform wähle ich die Partnerarbeit, um möglichst viele auch wirklich zu aktivieren. Das Klassenzimmer wird zur „Werkstatt umfunktioniert. In dieser Phase sollen die Lernenden sich im Vorhinein überlegen, was sie alles zur „Baustelle mitnehmen müssen und welche Vorbereitungen am besten vorab getroffen werden müssen, denn sie durften nicht einfach von der Baustelle weg zurück in die Werkstatt kommen. Im echten Berufsleben würde das schließlich auch nicht funktionieren.
Die unterschiedlichen Vorbereitungen sind teilweise sehr kreativ, so schneidet sich eine Gruppe gleich passend eine Schablone mit dem richtigen Maß aus Flipchartpapier zurecht (Abb. 4 ).
Als sie dann schließlich an der Baustelle (also den zu vermessenden Klassenzimmern) ankommen, sollen sie den anderen Lehrkräften, die sich gerade in den jeweiligen Räumen aufhalten, genau erklären, was sie nun vorhaben. Ich beabsichtige damit eine tiefere Durchdringung der Thematik.
Zurück in unserer „Werkstatt müssen alle die benötigten Informationen haben, um die genaue Fliesenmenge bestellen zu können. Dies sollen sie nun in einer selbst gewählten Art und Weise darstellen und präsentieren (Abb. 5 a und b ).
Wichtig war mir bei der Durchführung dieser Aufgabe das eigenverantwortliche Arbeiten meiner Schülerinnen und Schüler.
Am Ende der Stunde wird darüber reflektiert, welche neu gelernten Inhalte aus der Vorstunde bei dieser Aufgabe wichtig sind.
Was bringts?
Es war mir ein Anliegen, hier eine reale Arbeitssituation zu simulieren, in der noch viele weitere Kompetenzen zum Tragen kommen. Teamarbeit, genaues, eigenverantwortliches und zielgerichtetes Arbeiten sind nur einige...

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Fakten zum Artikel
aus: Mathematik 5-10 Nr. 50 / 2020

Wozu brauche ich das?

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 5-6