Christian Ziermann

Stille Post

Christian Ziermann

Vorstellungen von Zahlen festigen

Vorstellungen von Zahlen sowie von geometrischen Objekten lassen sich auf vielfältige Weise entwickeln. Ein für mich und insbesondere auch für die Schülerinnen und Schüler spannender Zugang ist die Einbeziehung der Körperwahrnehmung als solche sowie die damit verbundene Nutzung weiterer Analysatoren (kinästhetisch, taktil) neben dem sonst im Unterricht üblichen akustischen und optischen.
Der Einsatz in meinen Klassen erfolgt unterschiedlich je nach Zusammensetzung und bestehenden Rahmenbedingungen. Ich lasse diese Übungen als Partnerarbeit oder auch als Gruppenwettbewerb spielen. Anwendbar sind sie auf verschiedene Themenfelder wie das Arbeiten mit natürlichen Zahlen, römischen Zahlen, Brüchen sowie auf geometrische Grundformen und Funktionen.
Den meisten Spaß macht die Spielform erfahrungsgemäß als Wettbewerb. Dieser motiviert die Kinder auch noch nach einer langen Arbeitsphase.
Gespiegelte römische Zahlen
Ich möchte die letzten 20 Minuten einer Doppelstunde Mathematik in meiner fünften Klasse nutzen, um spielerisch ein paar mathematische Grundfertigkeiten zu trainieren und werde mit der Wiederholung der römischen Zahlen beginnen. „Liebe 5c, zum Abschluss der Stunde spielen wir noch ein Spiel. Ihr kennt es schon Stille Post. Die Schülerinnen und Schüler springen freudig auf und beginnen, schnell ihre Sachen einzupacken. „Schiebt eure Rucksäcke unter die Tische und stellt euch wieder in drei Reihen hintereinander. Wir wiederholen die römischen Zahlen. Die Letzten jeder Reihe bekommen von mir eine arabische Zahl gezeigt und müssen diese dann der Person vor sich als römische Zahl mit dem Finger auf den Rücken schreiben. Denkt daran, es darf nicht gesprochen werden.
Ich zeige den drei letzten Kindern eine „2 und los gehts. Ist das Ergebnis beim Reihenersten angekommen, läuft dieser zum Lehrertisch, schnappt sich ein Stück Kreide und schreibt das Ergebnis an die Tafel (Abb. 1 ).
Für jedes richtige Ergebnis gibt es einen Punkt, für die schnellste Gruppe einen zweiten Punkt. An der Tafel hatte ich im Vorfeld bereits drei Spalten für die Ergebnisse und Wertungspunkte der drei Gruppen vorbereitet. Einen Tafelflügel nutze ich, um eventuell auftretende Probleme festhalten und besprechen zu können.
Aufgrund der Einfachheit und Eindeutigkeit der Zahl kommt bei allen drei Gruppen das richtige Ergebnis an. Der Punkt geht an das schnellste Team. Lauter Jubel bricht aus, das Spiel wird lebendig. Die Vordersten jeder Reihe gehen nun nach ganz hinten und erhalten die nächste Zahl: „4. Aus meiner Position kann ich gut erkennen, dass alle drei Schüler richtig übersetzt haben. Diesmal ist es die Wandreihe, die als erstes ein Ergebnis an die Tafel schreibt: „VI! Vorfreude macht sich breit. Plötzlich die beiden anderen Ergebnisse: „IV und „III! Die Schülerinnen und Schüler schauen gespannt zu mir. Ist das richtige Ergebnis überhaupt dabei? Ich halte die Zahl „4 hoch. Die Mittelreihe jubelt. In den anderen Teams sind schnell die vermeintlichen Schuldigen gefunden: die Reihenletzten. Ich entlaste sie, indem ich bestätige, dass ihre Übersetzungen richtig waren. „Was meint ihr, wie könnten die Fehler passiert sein? „Nicht richtig aufgepasst, meint eine Schülerin. „Die Striche wurden verdreht. „Das könnte es sein, ergänze ich. „Wie, wenn jemand die Zeichen an einer imaginären Achse gespiegelt hat und aus der IV eine VI wurde. Ein Kind stellt fest, dass dies ebenfalls bei der IX passieren könnte.
Ein kurzer Diskurs über Spiegelungen und Symmetrien bei römischen Zahlen beginnt und wir stellen gemeinsam fest, dass es römische Zahlen gibt, die symmetrisch sind. Am linken Tafelflügel werden als Beispiele die II, V, X und XX notiert.
„Und was ist mit der falschen III?, frage ich. Ein Kind gibt den Hinweis, dass man die V gar nicht so leicht erkennen kann, sie sich eher wie zwei Striche anfühlt.
„Also, versucht euch noch einmal gut zu...

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Fakten zum Artikel
aus: Mathematik 5-10 Nr. 47 / 2019

Zahl um Zahl

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (< 45 Min) Schuljahr 5-6