Christine Kamp

Ich bin mir hundertprozentig sicher!

Die Lernenden sortieren Alltagsbegriffe
Die Lernenden sortieren Alltagsbegriffe, (c) Christine Kamp

Christine Kamp

Mit Alltagssprache und Fachsprache Wahrscheinlichkeiten beschreiben

Unsere Alltagssprache hat eine Vielzahl an Begriffen, um die Wahrscheinlichkeiten von Ereignissen in unserem Leben zu beschreiben. Da die Schülerinnen und Schüler diese Begriffe auch in Argumentationen bei mathematischen Aufgaben nutzen, lasse ich zu Beginn einer Unterrichtseinheit zur Wahrscheinlichkeit diese Begriffe in konkreten Sachzusammenhängen nach der Erwartung ihres vermeintlichen Eintreffens sortieren. Dabei verwende ich auch mathematische Formulierungen, die teilweise in die Umgangssprache übergegangen sind und dann verwässert werden, wie z.B. fifty-fifty.
Aus der Lebenswelt der Jugendlichen
Bei der Formulierung der Sätze achte ich auf kurze einfache Sätze und greife neben einigen Szenarien, die immer passen („Bestimmt werden die Bayern wieder Meister!) auch gern auf Situationen aus dem aktuellen Schulleben, der Klassensituation oder der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler zurück (Abb. 1, KV08 ). Immer wieder lasse ich auch die Lernenden selbst solche Sätze zu vorgegebenen Begriffen („bestimmt, „vielleicht, ) formulieren oder gehe umgekehrt vor, indem ich einen Satz formuliere und die Wahrscheinlichkeitsaussage offen lasse.
Die Aufgabenstellung
Da ich dieses Mal das Thema im Lockdown unterrichte, habe ich auch einige Aussagen zur Corona-Situation eingebaut. Normalerweise bearbeiten die Schülerinnen und Schüler diese Aufgaben im Klassenverband zu zweit, da gerade das gemeinsame Aushandeln der Begriffe sie weiterbringt. Dieses Mal bearbeiten die Schülerinnen und Schüler die Aufgabe allein zu Hause. Umso wichtiger ist es mir, dass sie sich anschließend mit ihrem Lernpartner bzw. ihrer Lernpartnerin darüber austauschen können.
Der Arbeitsauftrag ist in Abb. 2 dargestellt; er lässt sich so im Homeschooling, aber genauso im Unterricht im Klassenverband umsetzen.
Die Lösungen
Einige Lösungen zeigen, dass die Schülerinnen und Schüler die Alltagsbegriffe auf ähnliche Weise einordnen, hier in den Partnerdiskussionen also nur geringer Diskussionsbedarf besteht (s. Abb. 4). Einigen fällt es dagegen schwer, sich für eine Gewichtung innerhalb der Worte zu entscheiden, sie haben entsprechend der Aufgabenstellung zwei Gruppen gebildet.
Maia ordnet die eher unsicheren Begriffe links und die wahrscheinlicheren rechts zu (Abb. 3 ). Damit zeigt sie, dass sie die Begriffe grundsätzlich richtig zuordnen kann; allerdings sieht sie darin kaum unterschiedliche Gewichtungen. Außerdem hat sie es mit ihrer Darstellung schwer, die Sortierung mit anderen zu vergleichen.
Einige Schülerbeispiele werden in der nächsten Videokonferenz gemeinsam besprochen, wie ich es auch anschließend im Klassenverband getan hätte. Hierbei wird sehr deutlich, dass einige Worte leicht einzuordnen sind, gerade aber Formulierungen wie „Chance 1 zu 3 oder „ein Fünftel Wahrscheinlichkeit den Schülerinnen und Schülern schwerer fallen. Das liegt einerseits in der Natur der Aufgabe, da ja gerade die anderen Begriffe keine zahlenmäßigen Aussagen machen; diese unterschiedliche Qualität der Begriffe thematisiere ich an den Beispielen.
Hauptsächlich ist aber das Problem, dass sich einige Lernende unter verschiedenen Begriffen nichts vorstellen konnten, bei anderen ist die Alltagsvorstellung nur teilweise zutreffend. Dies nehme ich zum Anlass, die Berechnung von Wahrscheinlichkeiten als nächstes Thema der Klasse vorzustellen, bei dem wir dann die offen gebliebenen Fragen aufgreifen werden.
Was bringts?
Immer wieder wird mir bei der Besprechung von Schülerlösungen deutlich, welche Unsicherheiten in der Verwendung der Begriffe und welche Fehlvorstellungen hinter den mathematischen Begrifflichkeiten stecken. Daher nutze ich diese Arbeitsphase zu Beginn einer Unterrichtseinheit zur Wahrscheinlichkeitsrechnung als Diagnose über das sprachliche und fachliche Vorwissen der Schülerinnen und Schüler, um meine Einheit entsprechend...

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Fakten zum Artikel
aus: Mathematik 5-10 Nr. 53 / 2020

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Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 7-8