Stefanie Rach, Sebastian Ritter

Wer die Wahl hat …

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Stefanie Rach, Sebastian Ritter

Situationales Interesse durch Wahlaufgaben zu verschiedenen Kontexten steigern

Das Interesse an Mathematik sinkt im Laufe des Erwachsenwerdens (Frenzel u.a. 2010). Diese Entwicklung wird neben entwicklungspsychologischen Gründen (z.B. Spezifizierung von Interessen oder mangelnde Passung zwischen Lerninhalten und den Lebenswelten der Jugendlichen) auch dadurch erklärt, dass es im Mathematikunterricht zu wenig Gelegenheiten zum Interessensaufbau gibt (Schiefele & Schaffner 2015). In diesem Fall können Jugendliche keine persönliche Beziehung zur Mathematik entwickeln bzw. ausbauen und wissen nicht, warum sie sich mit Mathematik überhaupt beschäftigen sollen.
In den vergangenen Jahren, sogar Jahrzehnten, wurden verschiedene Möglichkeiten diskutiert, wie Lehrkräfte ihren Unterricht so gestalten können, dass Jugendliche Interesse für Mathematik entwickeln. Ein grundlegender Mechanismus dazu ist im Artikel Lernmotivation in Mathe beschrieben: Wenn Lernende im Mathematikunterricht häufig situationales Interesse erleben, kann dieses verinnerlicht und zu individuellem, also dauerhaftem Interesse ausgebaut werden. Jugendliche entwickeln dann Freude an Mathematik und schreiben der Mathematik einen hohen intrinsischen Wert zu (Hidi & Renninger 2006).
Kontextorientierung
Doch welche Materialien, Methoden und Impulse können Lehrkräfte verwenden, sodass Jugendliche den besonderen Wert von Mathematik persönlich erkennen? Eine Möglichkeit, die sowohl für den Unterricht in den Naturwissenschaften (siehe van Vorst u.a. 2015) als auch in der Mathematik (z.B. MUED e.V.) vorgeschlagen wird, ist die Einbindung von Kontexten (siehe auch Herget & Maaß 2016).
Wichtig dabei ist, dass keine reine Einkleidung mathematischer Probleme stattfindet, sondern Schülerinnen und Schüler sich mit realitätsnahen Sachverhalten authentisch beschäftigen.
Diese sogenannte Kontextorientierung kann verschiedene Funktionen erfüllen: (1) Durch die Anwendung von Mathematik in realitätsnahen Kontexten wird die Relevanz mathematischer Konzepte und damit der Wert von Mathematik herausgestellt. Beispielsweise werden in Erarbeitungsphasen Umweltphänomene verwendet, um mathematische Konzepte zu motivieren (Prediger 2017). (2) Realitätsnahe Kontexte bieten zudem Gelegenheiten zum Modellieren und bilden die Basis, um gesellschaftlich relevante Themen zu diskutieren; Kontexte bieten also einen Beitrag zur Umwelterschließung. (Vielfältige Anregungen für Realitätsbezüge bieten insbesondere die Bände der ISTRON-Reihe.) Auch in den meisten Schulbüchern finden sich gute Anwendungsbeispiele, z.B. in „Mathbu.ch oder „Mathewerkstatt bzw. „Mathe Live, um nur einige zu nennen.
Als Herausforderung bei der Kontexteinbindung muss beachtet werden, dass Lernende meist Vorwissen zu den behandelten Kontexten haben müssen. Auch interessiert ein Kontext meist nicht alle Lernende, sodass es sich anbietet, verschiedene Kontexte zur Verfügung zu stellen. Motivation und Interesse kann man nicht erzwingen, aber durch das Einbinden von Kontexten ermöglichen.
Kontexte bei Exponentialfunktionen
Die Einbindung von Kontexten stellen wir anhand des Themengebiets Exponentialfunktionen vor. Aus dem vorangegangenen Unterricht kennen die Lernenden eine symbolische sowie eine grafische Darstellung von Exponentialfunktionen und Eigenschaften dieser Funktionenklasse (z.B. die Funktionalgleichung). In der hier dargestellten Übungsstunde wenden sie diese Eigenschaften an, um das Wechseln zwischen Darstellungsformen zu üben, was eine zentrale Tätigkeit beim Umgang mit Funktionen ist. Zudem sollen die Jugendlichen durch die Einbindung von Kontexten lebensweltliche Situationen kennenlernen, für deren Beschreibung Exponentialfunktionen nützlich sind.
Um das situationale Interesse der Lernenden zu steigern, zeichnet sich diese Übungsstunde durch diese Merkmale aus: (1) Unterschiedliche Kontexte: Die verwendeten Aufgaben binden jeweils einen...

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Fakten zum Artikel
aus: Mathematik lehren Nr. 221 / 2020

Motivation

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 10-10