Julia Reibold

Lösungen vergleichen

Julia Reibold

Ideen zur Ergebnisauswertung

Die Schülerinnen und Schüler meiner Klasse arbeiten konzentriert alle zum gleichen Thema aber teilweise an verschiedenen Aufgaben und auf unterschiedlichen Wegen. Sie haben noch fünf Minuten, dann beginnt die Auswertung der Ergebnisse eine Unterrichtsphase, mit der besondere Herausforderungen und Erwartungen verbunden sind.
Natürlich sind die Schüler neugierig, ob ihre eigene Lösung richtig ist. Doch auch hier gibt es Unterschiede: Einige erwarten sachkundige Anregungen und Hinweise allein vom Lehrer und nehmen die Lösungsansätze ihrer Mitschüler kaum wahr. Manche sind eher an Lösungen und Erklärungen von anderen interessiert. Einige haben auch Probleme, ihre Lösungen von den Mitschülern korrigieren zu lassen. Die Heterogenität von Fähigkeiten, Neigungen und Interessen lässt sich also auch bei der Ergebnisauswertung deutlich spüren.
Lehrerperspektive: Wunsch und Realität
Als Lehrerin möchte ich durchaus die Schülerbedürfnisse befriedigen und möglichst alle über die Korrektheit ihrer Lösungen informieren. Die Rückmeldung zu einzelnen Lösungen ist jedoch anspruchsvoll, da die Bearbeitung der Aufgaben im Umfang und Niveau variieren. Wer alle Wahlaufgaben und alle erbrachten Schülerlösungen besprechen möchte, wird mit einem hohen Zeitaufwand und mit Aufmerksamkeitsproblemen konfrontiert: Fängt man an zu besprechen, langweilen sich die Leistungsstarken oder auch die Lernschwächeren, die das Schwere nicht verstehen.
Nicht alle Schüler werden alle in den Wahlaufgaben intendierten Fassetten eines Themas kennenlernen dies zu sehen, fällt auch mir als Lehrerin manchmal schwer. Man wünscht sich, alle Schülerinnen und Schüler hätten am Ende einer Unterrichtsstunde ein gewisses Niveau erreicht. Und schließlich möchte man nun nach der selbstständigen Schülerarbeitsphase die geforderten Lerninhalte strukturieren, zusammenfassen, auf Kernideen verdichten, das Neue und den Mehrwert der erarbeiteten Begriffe, Strategien und Lösungsverfahren bewusst machen.
Ergebnisauswertung: Ideen zur Gestaltung
In der Praxis sind Lösungsblätter zur Selbstkontrolle, Präsentationen von Schülern oder auch das Unterrichtsgespräch als Methode zur Ergebnisauswertung mittlerweile fest etabliert. Jede dieser Methoden hat sinnvolle Einsatzmöglichkeiten, aber auch Grenzen. So mögen textlastige Lösungsblätter den Weg gut und nachvollziehbar erklären, sie eignen sich jedoch weniger für Schüler, die eine geringe Lesekompetenz haben. Und nur die „Zahlenwerte anzugeben, lässt manche bei der Fehlersuche noch im Dunkeln tappen.
Schülerpräsentationen fördern das Verständnis mathematischer Zusammenhänge durch Erklärungen Gleichaltriger (und sie entwickeln Kommunikations- und Darstellungskompetenzen des Präsentierenden weiter). Damit die Präsentation Lernanreize bietet und die Aufmerksamkeit erhält, müssen Aufgaben ausgewählt werden, die unterschiedliche Lösungswege und unterschiedliche Bearbeitungsniveaus zulassen.
Mit dem Besprechen ausgewählter Aufgaben im Plenum lässt sich die Auswertung zu differenzierenden Aufgabenpools zeitökonomisch gestalten. Bei den leichten Teilaufgaben in einem schwierigkeitsgestuften Lernangebot reicht es aus, wenn die Schüler kurz mit einem Lösungsblatt oder einer Folie vergleichen. Es werden nur noch offene Probleme, die in der Kleingruppe nicht gelöst werden konnten, noch einmal im Plenum besprochen. Im Zentrum der Aufgabenbesprechung sollten diejenigen Teilaufgaben stehen, die für die meisten Lernenden „in der Zone der nächsten Entwicklung liegen.
Wie kann ich die Auswertung so gestalten, dass sie zu einer größeren Verarbeitungstiefe führt und das Lernpotenzial (der zu besprechenden Aufgabe) möglichst weit ausschöpft? Hier ist es wichtig, Lösungswege noch einmal zusammenzufassen, wichtige Zusammenhänge aufzuzeigen und einen anderen Blickwinkel auf die Aufgabe zu präsentieren. So wird das Wesentliche des Lernstoffes besser erfasst und die notwendige...

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Fakten zum Artikel
aus: Mathematik lehren Nr. 162 / 2010

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