Antonius Warmeling

Ein Baby als Klima-Risiko?

Welchen "Klima-Impact" hat ein Baby und seine möglichen Nachkommen? Die Grafik hilft, den Begriff "lebende genetische Einheiten" zu verstehen
Welchen "Klima-Impact" hat ein Baby und seine möglichen Nachkommen? Die Grafik hilft, den Begriff "lebende genetische Einheiten" zu verstehen, Grafik: Friedrich Verlag

Antonius Warmeling

Studien nachvollziehen und Meldungen einordnen

Im Dezember 2018 fiel mir ein Post in der Facebook-Gruppe „Klimawandel auf:
STERN.DE20 BMW schädigen das Kima weniger als ein Baby
Eltern sind die schlimmsten Klima-Sünder sagt eine Studie aus
„Das kann nicht sein, das sind bestimmt Fake News, ging mir als Erstes durch den Kopf. Denn meiner Erinnerung nach verursacht jeder Deutsche im Durchschnitt ca. 9 Tonnen CO2 im Jahr. Und 20 BMW mit einer durchschnittlichen Jahresfahrleistung von 13000 km/Person und einem Ausstoß von geschätzt 150 g/km bringen schon 39 Tonnen CO2 auf die Waage. Außerdem muss ich gestehen ging mir dieser Vergleich schon aus ethischen Gründen gegen den Strich. Also begab ich mich auf Spurensuche.
Von der Schlagzeile zum journalistischen Produkt
In dem Bericht (Kramper 2017) erfahre ich, dass in der Studie verschiedene Handlungen und Lebensweisen mit Blick auf die CO2-Einsparung untersucht wurden. Der Verzicht auf ein Auto bringt 2,4 t/Jahr CO2-Einsparung, auf eine transatlantische Fernreise zu verzichten 1,6 t und die Umstellung auf vegetarische Ernährung 0,82 t/Jahr. Das wird verglichen mit dem Verzicht auf ein (weiteres) Baby, das laut Bericht jährlich 58 t CO2 verursachen soll. Dazu berechnen die Forscher den CO2-Fußabdruck eines neuen Erdenbürgers einschließlich seiner Nachkommen (!) und legen diesen auf die Lebensjahre der Eltern um. Das erklärt zwar die Überschrift aber ist das denn alles so richtig?
Vom journalistischen Produkt zur Studie
Also rufe ich die in dem Online-Bericht verlinkte Studie (Wynes/Nicolas 2017) auf. Für die Emissionen eines Babys wird dort verwiesen auf (Murtaugh/Schlax 2009). Beim Lesen dieser Studie fällt zunächst auf, dass die 58t CO2 der einfache Mittelwert der Ergebnisse von Japan (23t), Russland (37t) und den USA (120t) ist. „Ach, wieder die Amis, denke ich. Und ich lese mich tapfer weiter ein
Das Generationen-Modell
Die Autoren entwickeln zunächst ein Modell für den CO2-Fußabdruck des Babys, indem sie nicht nur dessen eigene Emissionen, sondern auch die seiner Nachkommen mit einbeziehen (Kasten 1
Das geplante Baby und seine Nachkommen
Das geplante Baby und seine Nachkommen
Nicht nur das geplante Baby wird mit einem (durchschnittlichen) CO2-Fußabdruck einberechnet, sondern anteilig auch dessen Nachkommen. Solange das „Baby (der Ursprung dieser verwandtschaftlichen Linie, Faktor 1) lebt sowie zwei Kinder (Faktor 12 und zum Beispiel drei Enkel (Faktor 14, sind die „genetic units alive (1·1 + 2 · 12+ 3·14 = 2,75. Stirbt das „Baby, dann sind die „genetic units alive nur noch 1,75. Analog würde für vier lebende Enkel gerechnet.
). Die Emissionen der k-ten Nachkommengeneration werden mit dem Faktor (12)kgewichtet. Das zeigt beispielhaft die Abb. 1 .
Die Lebensjahre des Babys werden mit dem Faktor 1 gewichtet, die seiner späteren Kinder mit dem Faktor 12 , die des Enkels mit 14 . So ergeben sich hier 127,5 Personenjahre, die dann in der Studie mit der jährlichen Pro-Kopf-Emission (Stand 2005) multipliziert werden.
Die Szenarien
Auf diesen Ansatz setzen die Autoren dann Simulationen auf, wobei für die Lebenserwartung, die Reproduktionsrate und die Zeitpunkte der Geburten passende statistische Verteilungen hinterlegt werden, jeweils für die...

Friedrich+ Deutsch

Sie sind bereits Abonnent?

Mein Konto

Jetzt weiterlesen mit Friedrich+ Mathematik!

  • Digitaler Vollzugriff auf die Inhalte der Zeitschriften mathematik lehren und Mathematik 5–10
  • Intuitive Benutzeroberfläche mit thematischer Struktur und intelligenter Suche
  • Jährlich über 100 neue didaktische Beiträge, Unterrichtseinheiten, Arbeitsblätter, Bastelvorlagen, Bildmaterial, Methodenkarten, Aufgaben, Tests und vieles mehr

30 Tage kostenlos testen

Fakten zum Artikel
aus: Mathematik lehren Nr. 220 / 2020

Risiken begegnen

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 10-13