Lernen hat Methode

Lernen hat Methode

Mathematik 5-10 | Ausgabe Nr. 51/2020

Gemeinsam mit den Entscheidungen über die fachlichen Inhalte und ihre lernwirksame Vermittlung ist die Wahl der Methoden ein wichtiger Teil jeder Unterrichtsvorbereitung. Methoden können den Unterricht bereichern, Schülerinnen und Schüler motivieren, individuelles Lernen ermöglichen und Selbstständigkeit fördern. Durch ständiges Ausprobieren und Verändern schafft sich jede Lehrkraft im Laufe der Zeit ein eigenes Methodenrepertoire – den individuellen Methodenkoffer, auf den sie jederzeit flexibel zurückgreifen kann.

Inhaltsverzeichnis
Bild von Wolfgang Eckert by www.pixabay.com
Methodenkoffer
Zum Thema Auf dem Weg zum individuellen Methodenkoffer
Friedrich+ Kennzeichnung Hintergrund Schuljahr 5-10

Gemeinsam mit den Entscheidungen über die fachlichen Inhalte und ihre lernwirksame Vermittlung ist die Wahl der Methoden ein wichtiger Teil jeder Unterrichtsvorbereitung. Methoden können den Unterricht bereichern, Schülerinnen und Schüler motivieren, individuelles Lernen ermöglichen und Selbstständigkeit fördern. Durch ständiges Ausprobieren und Verändern schafft sich jede Lehrkraft im Laufe der Zeit ein eigenes Methodenrepertoire – den individuellen Methodenkoffer, auf den sie jederzeit flexibel zurückgreifen kann.

Komplexe Aufgaben bewältigen mit Gedenkminute und Partnerschreiben Zusammen ist man weniger allein
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (< 45 Min) Schuljahr 5-6

Eine Aufgabe, die eine mehrzeilige Bearbeitung erfordert, wird zunächst in einer „Gedenkminute“ von den Lernenden jeweils einzeln betrachtet. Dabei notieren sie alles, was ihnen zu dieser Aufgabe einfällt. Anschließend werden die Notizen im Austausch mit der Nachbarin/dem Nachbarn verbalisiert und gemeinsam besprochen.
Danach beginnt das „Partnerschreiben“: Eine der beiden Personen hat den schreibenden Part, die Nachbarin/der Nachbar hat die Aufgabe, nur zuzuschauen und bei jeder Zeile nachzufragen. Erst wenn beide einverstanden sind, wird die Zeile mit der nächsten Umformung notiert und wieder genauso besprochen. Bei der nächsten Aufgabe wechseln die Rollen.

© Friedrich Verlag
1a und b |  Aufgabenbeispiel zum Thema „Verschlüsselung“ mit Cäsar-Scheibe
Lernende erstellen im Rahmen einer Projektwoche einen Escape-Room selbst Wie kommen wir wieder raus?
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 5-6

In einem Escape-Room geht es darum, aufeinander abgestimmte und in einer bestimmten Reihenfolge zu bearbeitende Rätsel mit allen teilnehmenden Personen gemeinsam zu lösen, um aus einem „abgeschlossenen“ Raum zu entkommen. Eine spannende Geschichte als Rahmenhandlung gehört in der Regel auch dazu.
Im Rahmen einer Projektwoche erstellen einige Lernende aus dem Jahrgang 6 mathematische Rätsel und eine
passenden Rahmengeschichte für einen eigenen Escape-Rooms. Am Ende der Projektwoche wird das Ergebnis auf einem Schulfest präsentiert.

Foto: Diana Schütte-Seitz
1 |  Rot und blau bemalte Steine symbolisieren die Hitze- und Kältesteine.
Mit einer mathematischen Vorstellungsübung zu den negativen Zahlen Was hast du dir vorgestellt?
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 7-8

In angenehmer Atmosphäre schließen die Schülerinnen und Schüler die Augen und legen ggf. auch Kopf und Arme auf den Tisch. Ein vorbereiteter Text wird langsam laut und deutlich vorgelesen. Dabei werden mehr oder weniger komplexe Aufgabenstellungen nach und nach in mehreren Schritten situativ aufgebaut. Es werden auch immer wieder Pausen eingelegt, in denen die Schülerinnen und Schüler innere Bilder entwickeln können.
Im hier vorgestellten Beispiel geht es eine Vorstellung zur Addidion und Subtraktion ganzer Zahlen.

© Friedrich Verlag
Lernende erstellen ihre eigenen Wissensbücher Ein besonderer Spickzettel
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 7-8

Ein Buddy-Book ist ein kleines Heftchen, das aus einem DIN-A4-Blatt gefaltet und mithilfe eines einfachen Schnittes hergestellt wird. Die Lernenden können darin z. B. schwer zu behaltende Formeln, Skizzen, Aufgabenbeispiele ... notieren. Aufgrund des eingeschränkten Papierformats und der Größe der Handschrift muss die Auswahl und die Zusammenstellung der fachlichen Inhalte auf dem Papier genau überlegt und der mathematische Fachinhalt in möglichst kurzer, knapper Form zusammengefasst werden. Durch dieses Vorgehen ist schon beim Erstellen der Buddy-Books ein großer Behaltenseffekt zu vermerken.

© Friedrich Verlag
1 |  Jede Person erwürfelt ein eigenes Dreieck.
Sesseltanz – eine Methode des dialogischen Lernens Gut gefallen hat mir …
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (< 45 Min) Schuljahr 7-8

Im Vorfeld haben alle Lernenden eine individualisierte Aufgabe erstellt (z. B. freie Begründung für einen Sachverhalt). Bevor der sogenannte Sesseltanz beginnen kann, legen alle an ihrem Sitzplatz die eigenen Aufgaben mit Lösungen aus. Dann wechseln sie entsprechend der Anweisung der Lehrkraft zweimal ihre Plätze – daher der Name der Methode. Sie lesen die dort ausliegende Lösung aufmerksam durch und geben eine
individuelle Rückmeldung. Dabei wird immer mit etwas Positivem begonnen, danach kann auf mögliche Fehler oder Verbesserungsmöglichkeiten hingewiesen werden.
Dann wird zu einem weiteren Tisch gewechselt und die dort ausliegende Lösung kommentiert.
Anschließend kehren alle zum eigenen Platz zurück und setzen sich mit den beiden Kommentaren zur eigenen Lösung auseinander, fragen ggf. nach und verbessern ggf. ihre Lösungen.

Foto: Sabine Kliemann
2 |  Eröffnungstext des Erklärfilms der „Star-Wars-Gruppe“
Lernende drehen selbst mathematische Erklärfilme und beur teilen sie Schau mal, so geht’s!
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 7-8

Die Lernenden drehen selbst kurze mathematische Erklärfilme. Dazu arbeiten sie sich in ein Thema fachlich ein, strukturieren die Teilinhalte und erklären sie verständlich auf der Grundlage der entsprechenden Begrifflichkeiten und mithilfe von passenden Visualisierungen. Die mathematische Fachsprache selbst dient als Werkzeug, um eigene Überlegungen verständlich darzustellen. Das Verfassen der Texte schärft das Bewusstsein für die Sinnhaftigkeit exakter Beschreibungen. Die eigenen Überlegungen zu Formulierungen und zur Filmgestaltung helfen den Lernenden, mathematische Begriffe und Regeln besser zu durchdringen und leichter zu behalten.

© Friedrich Verlag
1 |  Beispiel für ein Lernstraßenprotokoll zur Wiederholung des Themas „Zuordnung“
Mit einer Lernstraße Selbstständigkeit entwickeln und Selbstwirksamkeit erleben Du musst es selbst tun …
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 9-10

Eine Lernstraße enthält eine Sammlung von aufeinander aufbauenden Lernaufgaben. Den Ausgangspunkt bildet ggf. eine Eingangsdiagnose (Standortbestimmung), mit der Vorkenntnisse bzw. Lücken festgestellt werden. Darauf aufbauend bearbeiten die Lernenden Aufgaben, die Lücken füllen und Verständnis aufbauen. Beispielsweise sammeln sie Fachbegriffe, entwickeln dazu Beispiele, Bilder und Erklärungen und visualisieren
diese ggf. in einem Begriffsnetz. Die Schülerinnen und Schüler entscheiden dabei selbst, ob sie allein oder mit einer Lernpartnerin/einem Lernpartner arbeiten und welche Hilfen sie einsetzen. 
Ziel der Lernstraße ist nicht in erster Linie, die Bearbeitung des Lernstoffs zu organisieren und zu gestalten; vielmehr geht es um die Einführung einer Arbeitskultur, die zu einer Haltungsänderung der Lernenden führen soll, bis hin zur Übernahme der Verantwortung für ihr eigenes Lernen.

Foto: Frank Lieser
2 |  Mit dem Flipboard wird der Lernprozess der Gruppe dokumentiert.
Lernende gestalten ihren Lernprozess nach vorgegebenen Zielen selbst Der Rahmen ist abgesteckt
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 9-10

EduScrum ist ein Unterrichtskonzept, bei dem das selbstorganisierte Lernen als Unterrichtsprinzip im Fokus steht. Die Schülerinnen und Schülern arbeiten in kleinen, selbstorganisierten Teams zusammen. Der Rahmen, in dem die Gruppen lernen, ist durch verschiedene Elemente (Rollen, Ereignisse, Artefakte sowie Regeln) und einen Zeitabschnitt abgesteckt. Die Vorgabe der Lehrkraft besteht im Wesentlichen in der Darstellung der Lernziele, also dem, was am Ende erreicht werden soll. Wie die Schülerinnen und Schüler diese Ziele erreichen, ist ihnen selbst überlassen.
Um den Lernprozess zielgerichtet zu gestalten, ist entscheidend, dass die Ziele und der Zeitrahmen klar vorgegeben werden. Alle Lerngruppen müssen ihren Prozess planen und dokumentieren, sodass jederzeit ein Einblick in den Arbeitsprozess möglich ist und dieser überprüft werden kann. Bei Bedarf wird das Vorgehen auf die vorgegebenen Ziele hin angepasst und die Planung nachjustiert. Transparenz, Überprüfung und Anpassung bilden durchgängig die drei tragenden Säulen von eduScrum.

© Jürgen Kreitner
4 |  Plakat mit den Schritten zum AVEC-P - Prinzip
Welche Gruppe lernt am meisten dazu? Die Gruppenrallye
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 9-10

Die Gruppenrallye ist eine kooperative Lernmethode zum Wiederholen und Üben, die den Wettbewerb als Motivation für den Lernzuwachs einer Gruppe in den Mittelpunkt stellt.
Zu Beginn wird das neue Unterrichtsthema wie gewohnt eingeführt. Der aktuelle Lernstand wird dann in einem unbenoteten Test ermittelt. Basierend auf den Testergebnissen werden heterogene Gruppen gebildet. Dabei werden die leistungsstärkeren und -schwächeren Schülerinnen und Schüler gut über die Gruppen verteilt. Jede Gruppe übt nun eigenständig das Thema und geht insbesondere den eigenen Fehlern nach. Dabei haben die Leistungsstärkeren eine große Bedeutung für den Lernzuwachs der Gruppe. Dieser Lernzuwachs wird mit einem zweiten Test festgestellt, der vom Schwierigkeitsgrad her dem ersten Test entspricht. Aus den individuellen Verbesserungswerten aller Gruppenmitglieder wird der Durchschnitt berechnet. Die Gruppe, die den größten Lernzuwachs verzeichnen kann, hat die Rallye gewonnen.

(c) Friedrich Verlag
1 | Phasen der Direkten Instruktion
Fortbildung Wirksam unterrichten
Friedrich+ Kennzeichnung Methode & Didaktik Schuljahr 5-10

Wer effektiv unterrichten will, muss die angestrebten Kompetenzen zunächst gut einführen und erklären. Und er muss den Lernenden genügend Gelegenheit geben, die Kompetenzen zu üben und anzuwenden. Und wenn sie die Kompetenzen genügend eingeübt haben, können sie selbstständig in vielfältigen methodischen Arrangements damit arbeiten und eigenverantwortlich lernen. Um diesen unterschiedlichen Anforderungen an guten Unterricht gerecht zu werden, ist die Direkte Instruktion in Verbindung mit dem Kooperativen Lernen ideal.

© Christoph Maitzen
Magazin - Mathematische Reise Mit dem Fahrrad an der Elbe entlang
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (< 45 Min) Schuljahr 5-10

In den Sommerferien gönnt sich der Autor eine Woche, um mit dem Fahrrad bei Wind und Wetter unterwegs sein zu können. Im selbstbestimmten Tempo kann er dabei die Natur und die Umgebung erkunden. Immer wieder gibt es erstaunliche Entdeckungen zu machen. Mal ist es ein besonderes Gebiet, ein Gebäude oder ein interessantes Fortbewegungsmittel. - Viele Anlässe für spannende Fragen im Matheunterricht.

Magazin - Von uns empfohlen Lernwirksamen Unterricht gestalten
Friedrich+ Kennzeichnung Hintergrund Schuljahr 5-10

Direkte Instruktion meint eben nicht den klassischen lehrerzentrierten Unterricht, sondern eine Vielzahl von lernwirksamen Faktoren: etwa die Transparenz und Klarheit der Ziele und der Lerninhalte; das Lernen am Modell, das die Lernenden durch Feedback und Reflexion immer wieder mit ihren subjektiven Theorien abgleichen; eine
differenzierte Übungs- und Transferphase.
In seiner Vielfalt ist das Buch – weit über die Direkte Instruktion hinaus – eine hilfreiche und sehr praxisnahe Anregung und Unterstützung für die Gestaltung eines lernwirksamen Unterrichts.