Ludger Brüning, Tobias Saum

Wirksam unterrichten

1 | Phasen der Direkten Instruktion
1 | Phasen der Direkten Instruktion , (c) Friedrich Verlag

Ludger Brüning, Tobias Saum

Zu mehr Selbstständigkeit mit Direkter Instruktion und Kooperativem Lernen

Wer effektiv unterrichten will, muss die angestrebten Kompetenzen zunächst gut einführen und erklären. Und er muss den Lernenden genügend Gelegenheit geben, die Kompetenzen zu üben und anzuwenden. Und wenn sie die Kompetenzen genügend eingeübt haben, können sie selbstständig in vielfältigen methodischen Arrangements damit arbeiten und eigenverantwortlich lernen. Um diesen unterschiedlichen Anforderungen an guten Unterricht gerecht zu werden, ist die Direkte Instruktion in Verbindung mit dem Kooperativen Lernen ideal.
Vorurteile gegendie Direkte Instruktion
Wenn man Schülerinnen und Schüler fragt, was eine gute Lehrkraft ausmacht, dann sagen sie häufig: „Sie kann gut erklären, „Sie hilft einem beim Lernen oder „Sie zeigt einem Dinge. Am Ende ihrer zweiphasigen Lehrerausbildung denken Lehrkräfte dagegen häufig, dass es wichtig sei, sich während des Unterrichts möglichst zurückzuhalten. Daher sind sie bestrebt, lediglich den Rahmen zu schaffen, in dem die Lernenden ihr Wissen möglichst selbst erarbeiten. Deshalb geben sie ihnen nach einer Einstiegsphase nicht selten verschriftlichte Erklärungen in Verbindung mit sich anschließenden Aufgaben. Diese bearbeiten die Schülerinnen und Schüler dann selbstständig und präsentieren anschließend die Lösungen. Die Lehrkräfte selbst beschränken sich dabei weitgehend auf die Begleitung der Lernenden und die Moderation der Plenumsphase. Verbunden ist damit die Hoffnung, dass die kognitiven Begriffs- und Regelbildungsprozesse, aber auch die Kompetenz, mathematische Probleme zu lösen, angeregt werden. Und selbst wenn Lehrkräfte etwas vor der Klasse erklären, schließt sich unmittelbar eine Anwendung durch die Lernenden an.
Aber gewährleistet ein solcher, durch das Ideal des selbstständigen Lernens beeinflusster Unterricht, dass alle Schülerinnen und Schüler die angestrebten mathematischen Kompetenzen erwerben? Zahlreiche Unterrichtsstudien belegen, dass hierbei nicht selten der Weg zur Selbstständigkeit mit dem Ziel verwechselt wird.
Andererseits ist der herkömmliche Frontalunterricht auch keine Lösung: In diesem besitzt das wenig lernwirksame fragend-entwickelnde Unterrichtsgespräch die zentrale Rolle. Dabei lenkt die Lehrperson die Schülerinnen und Schüler mit ihren Fragen. An solchen Unterrichtsgesprächen nimmt meist nur ein Teil der Lernenden gedanklich teil. Zudem können sie immer nur Einzelheiten beitragen. Integriert werden diese erst durch die Lehrperson. So überblicken und durchschauen nur wenige den neuen Sachzusammenhang. Kompetenz in der Breite einer Klasse entsteht nur selten.
Eine interessante Variante stellt die Direkte Instruktion dar. Der Unterricht ist dabei so angelegt, dass die Schülerinnen und Schüler gegen Ende einer Unterrichtssequenz mit den neuen Unterrichtsinhalten selbstständig umgehen. So sind mit hoher Wahrscheinlichkeit alle Lernenden in der Lage, die neuen mathematischen Herausforderungen zu bewältigen. Bis sie aber diese Kompetenz erreicht haben, brauchen sie präzise Erklärungen, passgenaue Anleitung und ausreichend Hilfe. „Selbstständig wird man nämlich nicht, indem man allein gelassen wird, betonen Elsbeth Stern und Michael Felten in ihrem Buch „Lernwirksam unterrichten Im Schulalltag von der Lernforschung profitieren (erschienen bei Cornelsen Scriptor, Berlin 2014).
Bei der Direkten Instruktion nimmt die Lehrkraft erst dann die Rolle des Lernbegleiters ein, wenn die Lernenden wirklich in der Lage sind, selbstständig mit den neuen mathematischen Herausforderungen umzugehen. Davor hat sie eine in hohem Maße aktive Rolle und der Erfolg des Unterrichts hängt zum Großeil von ihrer Lehr- und Fachkompetenz ab.
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Lehrkräfte, die beginnen, die Direkte Instruktion in ihren Unterricht zu integrieren, es oft als befreiend empfinden, dass sie jetzt diese aktive Rolle einnehmen „dürfen und sich...

Friedrich+ Deutsch

Sie sind bereits Abonnent?

Mein Konto

Jetzt weiterlesen mit Friedrich+ Mathematik!

  • Digitaler Vollzugriff auf die Inhalte der Zeitschriften mathematik lehren und Mathematik 5–10
  • Intuitive Benutzeroberfläche mit thematischer Struktur und intelligenter Suche
  • Jährlich über 100 neue didaktische Beiträge, Unterrichtseinheiten, Arbeitsblätter, Bastelvorlagen, Bildmaterial, Methodenkarten, Aufgaben, Tests und vieles mehr

30 Tage kostenlos testen

Mehr Informationen zu Friedrich+ Mathematik

Fakten zum Artikel
aus: Mathematik 5-10 Nr. 51 / 2020

Lernen hat Methode

Friedrich+ Kennzeichnung Methode & Didaktik Schuljahr 5-10